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Issum
Eiskalte Vergangenheit auf vier Rädern

Issum: Eiskalte Vergangenheit auf vier Rädern
FOTO: Thomas Binn (binn)
Issum. Bofrost-Gründer Josef H. Boquoi lud gestern zur Oldtimerausfahrt ein. Mit Weggefährten und alten Fahrzeugen ging es zurück zu den Wurzeln in Issum. Erste Rechnung über zwei Dosen Eis vor 50 Jahren. Von Bianca Mokwa

Großer Bahnhof am Kullenweg 65 bis 67 in Issum. Gestern morgen reihten sich diverse blau-weiß-rote Fahrzeuge wie Perlen auf einer Schnur aneinander. Sie ließen das Herz manches Oldtimerliebhabers höher schlagen. Allen voran fuhr ein Ford Transit, Baujahr 1964, der für diesen besonderen Tag noch einmal ordentlich herausgeputzt worden war. Ihm folgten ein schnurrender VW Bulli, ein Hanomag von 1972 und ein Iveco 50-8 Zeta Baujahr 1986. Alle Autos zierte der gleiche Schriftzug: Bofrost. Besser gesagt, fast der gleiche, denn in den Anfängen brachte noch "Boquoi Frost" Eiskrem und Tiefkühlspezialitäten ins Haus. Weil es sich besser aussprechen und merken ließ, änderte Unternehmensgründer Josef H. Boquoi den Namen in "Bofrost" um.

Gestern ging es für ihn mit Weggefährten zurück zu den Wurzeln des Unternehmens, und die liegen in Issum. Bevor der Gründer das unscheinbare, efeubewachsene Gebäude am Kullenweg betrat, ließ er die Geschichte noch einmal kurz Revue passieren.

Das Aha-Erlebnis hatte er vor 50 Jahren am heimischen Kaffeetisch, als er seine Kinder beim Essen eines großen Topfs Eis beobachtete. Am nächsten Tag fuhr er los und verkaufte Eis, brachte es zu den Menschen nach Hause. An seinen allerersten Kunden kann er sich noch gut erinnern. Fünf Liter Vanilleeis und fünf Liter Nusseis habe er ihm verkauft, oder besser gesagt: getauscht gegen Getreide. Insgesamt verkaufte er am ersten Tag 100 Liter Eis. Die erste Rechnung ist auf den 14. März 1966 datiert. Das war gestern vor 50 Jahren. "Das war der Beginn von Bofrost", resümierte Boquoi. Gestern erklomm er noch einmal die eiserne Treppe zu den ehemaligen Büroräumen. In einem davon hat auch Siegfried Koelmans gesessen. Er war der erste Azubi des damals noch recht jungen Unternehmens. 1968 begann er eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. "Nach der Lehre bin ich aber auch die VW-Busse gefahren", erinnert er sich und beschreibt das als ein besonderes Vergnügen. "Eigentlich bin ich ein Zahlenmensch", gibt der 62-Jährige zu, der dem Unternehmen bis heute treu geblieben ist und im Bereich Rechnungswesen arbeitet. "Ich habe noch keinen Tag bereut. Es ist ein geiles Unternehmen", drückt er es in einem recht jugendlichen Sprachgebrauch aus. Und mit echter Begeisterung.

Einer, der immer ganz nah am Kunden war, ist Hubert Faßbender. In Erinnerung an die alten Zeiten fuhr er gemeinsam mit einem Kollegen den Hanomag bei der gestrigen Jubiläumstour. "Der hat uns ganze Jahre begleitet", schwelgte er in der Vergangenheit. "Der hat eine ,Rührschaltung', da findet man die Gänge nicht, das ist schon spannend", sagte er, ohne eine Spur von Reue.

Boquoi ließ gestern alle diese Leute zu Wort kommen und miteinander ins Gespräch. Mit der Rundfahrt von Straelen nach Issum und zurück ließ er die Anfänge noch einmal aufleben. Aus dem Ein-Mann-Unternehmen ist Europas Marktführer im Direktvertrieb von Eis- und Tiefkühlspezialitäten geworden. Sein Ziel sei nach der Deutschen und der Europameisterschaft die Weltmeisterschaft, gibt der Unternehmer die Zielrichtung vor. "Aber das Allerwichtigste sind die Mitarbeiter, als wahre Botschafter von guten Produkten", sagte Boquoi mit Nachdruck und schon fällt ihm eine weitere gelebte Geschichte ein . . .

Quelle: RP
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