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Geldern
Elfriede und die starken Männer

Geldern: Elfriede und die starken Männer
Theo Beermann (sitzend) und Richard Slootz mit Hof-Katze Elfriede. Im Auto von Richard Slootz kam sie als blinder Passagier zum Wertstoffhof, jetzt thront sie hier. Oben auf dem Sessel ist ihr Stammplatz. FOTO: Markus van Offern
Geldern. Die schwarze Katze ist der Star auf dem Wertstoffhof in Geldern. Vor zwei Jahren hatte sich das Tier in den Motorraum von Richard Slootz verirrt. Er und Kollege Theo Beermann entschieden sich kurzerhand für eine "Adoption". Von Bianca Mokwa

Man muss schon zweimal hinschauen, um sie zu erkennen. Ja, es ist eine schwarze Katze, die sozusagen die Lehne des Chefsessels gekapert hat. "Das ist unsere Prinzessin", sagt Richard Slootz. Allerdings ist das Reich von Prinzessin Elfriede nicht unbedingt typisch für Blaublüter.

Elfriedes Heimat ist ein Bürocontainer, inmitten von noch größeren Containern, in denen Elektromüll, Sperrmüll oder Altmetall hineingeworfen werden. Ihr Zuhause ist der Wertstoffhof Geldern der Firma Schönmackers. Theo Beermann und Richard Slootz sind die Männer vom Wertstoffhof. Sie kümmern sich um die Kunden und um Elfriede. Ihre Ankunft vor zwei Jahren war alles andere als königlich. Beermann schaut aus dem Fenster. Draußen regnet es ununterbrochen.

"Das war so ein Wetter", beginnt der Mann vom Wertstoffhof die Geschichte. Aus dem Auto des Kollegen klang ein Maunzen. Elfriede ereilte das gleiche Schicksal wie eine andere bekannte Findelkatze, Fundkatze Mazda. Auch Elfriede steckte fest, im Motorraum. Die Erklärung ist schnell gefunden. "Es war schmuddeliges Wetter, der Motor war warm, da hat sie ein warmes Plätzchen gefunden", sagt Beermann. Er erinnert sich an die erste Begegnung. "Die sah aus wie ein Putzlappen." Er macht eine Geste mit den Händen. "Die war nur so groß, fünf Wochen alt." Eine Hand voll Katze, die er aus dem Motorraum zog. "Das kleine Kätzchen tat uns so leid. Sie war hilflos und mutterseelenallein", sagt Beermann. "Wir haben die adoptiert", kommt sein Kollege zum Happy End. Auf der Heizung des Büroräumchens hängt ein Aufkleber des Tierschutzvereins Geldern. "Nur mit dem Herzen sieht man gut", steht dort. Offensichtlich schlägt das Herz der beiden Männer für Katzen.

Das Gelderner Tierheim liegt gegenüber vom Wertstoffhof. "Doch, wir haben überlegt", sagt Beermann über ein kurzes Nachdenken, wo das neue Zuhause der Katze sein sollte. Elfriede hat es sich aber schnell in dem Bürocontainer häuslich eingerichtet. Es gibt ein eigenes kleines Bett, diverse Decken, auf denen sie sich niederlassen kann. Den besten Blick hat sie aber auf der Lehne des Bürosessels liegend. Ein Auto fährt vor. Slootz öffnet das Fenster des Büroräumchens. Kalte Luft zieht herein. Es erklingt ein "Moin". Der Kunde draußen am Fenster füllt einen Lieferschein aus. Elfriede bleibt seelenruhig liegen, die Augen geschlossen. Weder der klappernde Motor noch die kalte Luft stören sie. Die meiste Zeit verbringt sie schlafend.

In die Herzen der Kunden hat sie sich längst auch schon geschlichen. Bei schönem Wetter liegt sie draußen auf einem Brett. Komplimente haben sie und ihre beiden Herrchen eingeheimst. "Ihre Katze sieht aber toll aus", zitiert Beermann einen Kunden. Im Leben der drei gab es allerdings auch schon Schreckminuten. Eine Dame meinte, Elfriede sei ihre Katze, und wollte sie schon mitnehmen. Zum Glück löste sich das Missverständnis auf.

Einmal musste Elfriede um ihr Zuhause bangen. "Das war vergangenes Jahr, da strolchte so ein kleiner, roter Kater unter den Behältern rum", sagt Slootz. Das ging so weit, dass er den Bürocontainer zu seinem Revier erklären wollte. Die Folge: großes Fauchen. "Wir haben den Roten eingepackt und zum Tierheim gebracht. Das ist Elfriedes Zuhause, und das soll es auch bleiben", sagt Slootz bestimmt. Wie Elfriede zu ihrem Namen kam? "Gute Frage", sagt Slootz. "Am Anfang hieß sie Peter. Aber dann haben wir festgestellt, dass sie ein Mädchen ist. Seitdem heißt sie Elfriede." Aber meistens rufen die Männer sie "Ellie". Die lässt es geschehen, rollt sich auf der Stuhllehne zusammen und döst weiter. "So wie es aussieht, ist sie ganz zufrieden", sagt Beermann. Ein glückliches Katzenleben.

Quelle: RP
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