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Heimat entdecken in Issum
Fachmann für die guten Heimatklänge

Heimat entdecken in Issum: Fachmann für die guten Heimatklänge
So sieht (und hört) Stefan Kosmalla Live-Auftritte am gesamten Niederrhein: Hinter dem Mischpult sorgt er dafür, dass die einzelnen Instrumente der Musiker differenziert zu hören sind und an den entsprechenden Stellen, zum Beispiel bei einem Solo, die Lautstärke angehoben werden. FOTO: privat
Issum. Stefan Kosmalla von der Firma "Rockline" ist seit Jahrzehnten vor den Bühnen am Niederrhein präsent. Der Issumer sorgt für den richtigen Ton in kleinen Kirchen bei Chorkonzerten, aber auch bei riesigen Open-Air-Veranstaltungen. Von Monika Kriegel

Ginge es nach seiner persönlichen Einstellung, so dürften es bei Stefan Kosmalla ruhig etwas leisere Töne sein. In seiner Issumer Werkstatt dudelt ein Mix aus Radiomusik bei seiner abendlichen Tüftelei im Hintergrund. Aber so richtig zusammengebaut wie in den 1980er Jahren, den Anfängen von "Rockline", wird längst nicht mehr. "Ich kann sogar heute alles per Funkübertragung mit dem i-Pad regeln. Wenn ich will", erklärt der 54-Jährige die Veränderung vom einstigen schweren, analogen Mischpult mit 1000 Knöpfen und 40 Kanälen, mal eben zweieinhalb Meter breit, zum heutigen digitalen Exemplar - so groß wie ein Metallkoffer.

Das sah zu Beginn ab den 1980er Jahren ganz anders aus. Fahrende Discos wie "Creazythek" und "Radio Niederrhein" lockten die Jugend in Kirmeszelte und zu anderen Feiern. Nicht nur laute Musik und flackerndes Licht gehörten dazu, es mussten noch alle Elemente akustisch und optisch ausbalanciert sein. Und damit schlug die Geburtsstunde von "Rockline".

Ein Mann in seinem Element: Stefan Kosmalla pegelt den Sound beim Geldernsein ein. FOTO: privat

"Gerade so ein Kirmeszelt, da klingt alles unsauber, wenn du die physikalischen Zusammenhänge der Beschallung nicht beachtest", weiß der Elektroniker aus Erfahrung. "Der Klang geht nach draußen, die Zeltwand reflektiert nur mittlere bis hohe Töne zurück. Das hört sich unsauber an, nicht auf den Punkt gebracht, und klingt innen roh." Selbst die beste Band komme nicht angemessen rüber: "Ohne gute Technik haben die Musiker keine Chance." Und umgekehrt? "Wenn die Band schlecht ist, hat du selbst mit der besten Technik keine Chance."

Zu Beginn, so der Issumer, habe er sich seine Lautsprecher mehr oder weniger vom Sperrmüll zusammengesucht und seine Ausrüstung über einen Hobbyversand zusammen gebastelt. "Doch bald schon bin ich an meine Grenzen gestoßen, und so musste ich mich damit beschäftigen: Wie machen das die Profis für den guten Sound in England? So wuchsen mein Equipment und parallel die Buchungen an den Wochenenden."

Das habe bis heute nicht nachgelassen. Die Open-Air-Phase mit Festivals wie Hallaballooza, Geldernsein oder "Eier mit Speck" sei zwar beendet, aber in den kalten Monaten folgen Anfragen für Chorkonzerte und kleinere Aufführungen. "Rockline", das sei auch keine One-Man-Show, sondern bei einem Festival seien mal eben fünf Leute für die Tontechnik und das Bühnensystem und fünf für die Licht- und Medientechnik aktiv. Ganz zu schweigen von Auf- und Abbau. Im Laufe der Jahre haben Stefan Kosmalla und sein Team die meisten Veranstalter von Düsseldorf bis Kleve kennen gelernt. "Ich pflege sehr gute Kontakte zu den meisten Bands vom Niederrhein. Man braucht viel Erfahrung, akustisches Grundverständnis. Manchmal muss man auch ein Psychologe sein, damit ein Kunde, dem man zum ersten Mal begegnet, eine Vertrautheit aufbauen kann. Denn ich sehe mich immer noch als Dienstleister", so der Experte für die guten Sound.

Der eigentliche Soundcheck mit der Band, dem Einzelspiel der Instrumente, beginne jeweils weit vor dem Event, mit jedem Musiker individuell. Dann noch einmal im Gesamteindruck mit der ganzen Band. Die Ausnahme bilden größere Festivals. In der Umbauzeit, dem Change-Over, bleiben für den Soundcheck gerade einmal maximal 20 Minuten, um von Band zu Band akustisch alles neu zu justieren. Gerade zum Auftakt müssen Kosmalla und sein Team auf die Zeichen von der Bühne achten. Wenn der eine oder andere ihm den Daumen rauf oder runter deutet. Ein Signal, dass der jeweilige Bühnenmonitor des Bandmitglieds noch einmal abgestimmt werden muss.

Und wie hört sich der optimale Sound für den Beschallungs-Experten an? "Optimal ist die Musik nicht zu laut, ein wenig trocken klingend, nicht brummend und nicht schrill." Und wäre der für ihn beste Klang eine Farbe, so würde Stefan Kosmalla ihn in ganz unterschiedlichen Blauschattierungen malen.

Quelle: RP
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