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Geldern
Familie in Pont droht die Abschiebung nach Albanien

Geldern: Familie in Pont droht die Abschiebung nach Albanien
Die Familie Xhelili in ihrem Wohnzimmer: Die Kinder sprechen besser Deutsch als Albanisch, Lorena sollte im Sommer in die Schule kommen. FOTO: van Offern
Geldern. Vier Menschen aus Albanien, die sich gut integriert haben, sollen abgeschoben werden. Die ehrenamtlichen Helfer in der Ortschaft Pont sind bestürzt. Abwenden können sie den Zwang zur Ausreise aber nicht. Es gibt zahlreiche ähnliche Fälle. Von Sina Zehrfeld

Familie Xhelili soll raus. Raus aus ihrer Wohnung, raus aus Kindergarten, Grundschule und Job, raus aus Pont, raus aus Deutschland, zurück nach Albanien. Und das binnen einer Woche. Vater Redijon (37) und Mutter Ervina (31) Xhelili, Sohn Eris (7) und Tochter Lorena (6). Ehrenamtliche Helfer, die die Vier unterstützen, sind bestürzt. "Sie haben sich hier integriert", sagt der Ponter Ortsbürgermeister Rolf Pennings. "Und innerhalb von einer Woche sollen sie gehen - sie wissen gar nicht, wohin."

Die Xhelilis sind das, was man "Armutsflüchtlinge" nennt. Oder auch "Wirtschaftsflüchtlinge". Sie sind nach Deutschland gekommen, um zu arbeiten. Und sie haben nie etwas anderes behauptet, seit sie im März 2014 ihren Asylantrag stellten. Albanien sei eine "Katastrophe", sagt Redijon Xhelili immer wieder. "Keine Arbeit. Kein Haus", erzählt er in gebrochenem Deutsch. Es gebe keine öffentliche Gesundheitsversorgung und kein Sozialsystem, auch nicht, wenn offiziell anderes gelte, sagen seine Frau und er.

Zu sechst in zwei Zimmern

13 Jahre lang lebten die Xhelilis schon in Griechenland, weil es dort Arbeit gab. Beide Kinder kamen da zur Welt. Dann war es vorbei mit dem Job. Zurück in Albanien, lebten sie mit den Großeltern zu sechst in zwei ärmlichen Zimmern; keine Chance, den Lebensunterhalt zu verdienen. Zwei Jahre hielten sie das aus, dann wanderten sie aus.

Erst waren sie in Hartefeld, seit etwa einem Jahr sind sie in Pont, inzwischen in einer der für Flüchtlinge hergerichteten Wohnungen an der Justizvollzugsanstalt. Und am Mittwoch kam der Bescheid des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge: Die Asylanträge sind als "offensichtlich unbegründet abgelehnt". Wenn die Xhelilis nicht innerhalb einer Woche das Land verlassen, "werden sie nach Albanien abgeschoben".

Die Familie hat sich was aufgebaut

"Das Tragische ist, dass Hoffnung gewachsen ist", sagt Rolf Pennings. Die Familie habe sich "etwas aufgebaut", habe Freunde gefunden in Pont. Der siebenjährige Eris geht auf die Albert-Schweitzer-Grundschule. Lorena ist im Ponter Kindergarten und sollte im August eingeschult werden. Beide sprechen ein bisschen Albanisch, sagt die Mutter, "aber besser Deutsch". Beim Spielen wird Deutsch gesprochen. Redijon Xhelili arbeitet seit Oktober als "Technikhelfer" bei der Firma Manten, und Ervina Xhelili hilft viel im Kindergarten mit. Das Schlimmste an der Situation, hat sie Bekannten anvertraut, sei die Angst um ihre Kinder: um deren Gesundheit und Zukunft. Ob sie in Albanien bleiben werden, wenn sie nun zurückmüssen? Dazu zuckt Ervina Xhelili nur mit den Achseln.

Die Xhelilis seien auf einem guten Weg, sie fielen dem Staat kaum noch zur Last, argumentieren die Unterstützer. Für die Wohnung, in der sie als Flüchtlinge wohnen müssen, zahlen sie den Strom und einen kleinen Miet-Anteil. Vom Sozialamt beziehen sie 160 Euro im Monat. Kindergeld fließt nicht.

Hoffnung auf mehr Zeit

Die Ponter Helfer glauben nicht, dass sie verhindern können, dass die Xhelilis gehen müssen. Derzeit würden auch Familien abgeschoben, die schon viel länger in Deutschland sind. Sie hoffen nur noch, Zeit zu gewinnen, indem sie auf den amtlichen Bescheid reagieren. Dann könnten sie wenigstens die Reise etwas vorbereiten.

"Ist das richtig?", fragt Rolf Pennings betroffen angesichts der Situation: "Ist das wirklich politisch so gewollt?" Er findet, die Xhelilis hätten es verdient, zu bleiben. "Aber ich bin Realist", sagt er. "Es macht mich traurig, dass unsere Möglichkeiten begrenzt sind."

Die Familie Xhelili steht exemplarisch für viele andere Fälle. Gleich in der Nachbarschaft wohnt die nächste Familie, der es genau so geht: Andere Herkunft, andere Leute, gleiche Lage.

Quelle: RP
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