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Kerken
Feuer: Wollte Flüchtling sich töten?

Großeinsatz in Kerken nach Brand in Flüchtlingsheim
Großeinsatz in Kerken nach Brand in Flüchtlingsheim FOTO: Schulmann
Kerken. In der Via Stenden hat es am Mittwoch einen Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften gegeben. Im Gebäude war ein Feuer ausgebrochen. Die Polizei schließt einen Selbstmordversuch eines Asylbewerbers nicht aus. Von Stefan Kriegel

Aus Übungen beziehungsweise Fehlalarmen wurde gestern bitterer Ernst. Nachdem die Feuerwehren rund um die Via Stenden in den vergangnen knapp drei Monaten bereits 19 Mal wegen Fehlalarmen zur Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) nach Stenden ausrücken mussten, erlitt ein Bewohner durch ein Feuer schwere Verletzungen. Der Mann aus Eritrea (37) soll sich selbst angezündet haben.

"Es war um die Mittagszeit, als Feueralarm gegeben wurde", berichtete Markus Jansen, der die Einrichtung vor Ort für die Bezirksregierung Arnsberg leitet. Die Feuerwehren aus Tönisvorst, St. Hubert und der gesamten Gemeinde Kerken seien sehr zügig an der Via Stenden gewesen. Alle Rettungskräfte hätten sich umsichtig und zügig um das Wohl des Mannes gekümmert, der trotzdem durch das Feuer schwere Brandverletzungen erlitten hatte. "Außerdem konnte unser Sicherheitsdienst das Evakuieren der Gebäude mit mehr als 515 Bewohnern schnell in die Wege leiten", sagte Jansen. Nachdem die Einsatzkräfte das Feuer zügig gelöscht hatten, stand fest, dass es einen Verletzten gegeben hat. "Seine Verbrennungen sind lebensgefährlich, daher ist der Mann mit dem Hubschrauber in eine Spezialklinik nach Duisburg geflogen worden", so der Einrichtungsleiter weiter.

Angesichts der Fehlalarme hatten Kerkener Gemeindeverwaltung und Feuerwehrleitung gemeinsam überlegt, wie die Motivation der Wehrmänner trotz der Probleme mit den Brandmeldern aufgerecht erhalten werden könnte, ohne die Sicherheit der Bewohner in der Via Stenden zu gefährden. Deshalb war ein Zeitfenster geschaffen worden, in dem der Sicherheitsdienst in der Unterkunft der Feuerwehr signalisieren konnte, ob es sich um einen echten Brand handelt.

Wie gestern von mehreren Verantwortlichen, zum Beispiel dem Leiter der Unterkunft, zu hören war, habe der Einsatz aller beteiligten Kräfte - Notarzt, Krankenwagen, Feuerwehr und Sicherheitsdienst - trotzdem zu aller Zufriedenheit funktioniert.

Die Ermittlungen zur Brandursache dauerten gestern nach Aussage von Markus Jansen noch an. Die Polizei geht von einem Selbstmordversuch aus. Mehrere Polizeifahrzeuge standen auch noch am Nachmittag vor dem ehemaligen Tagungshotel der Landes-SPD. Auch Brandsachverständige haben die Untersuchungen aufgenommen.

Der Suizidversuch in Kerken ist bereits der zweite Vorfall in Flüchtlingseinrichtungen im Kreis Kleve innerhalb kurzer Zeit. Erst in der vergangenen Woche hatte sich ein 27-jähriger Kurde in einer Einrichtung in Emmerich erhängt. Die Hintergründe der Tat sind unklar. Es hieß, der Mann habe den Freitod gewählt, weil sein Asylantrag abgelehnt worden sei und er hätte abgeschoben werden sollen. In seinem Heimatland Iran hätte ihm die Todesstrafe gedroht.

Die Stadt Emmerich hatte diese Darstellung allerdings zurückgewiesen. Wie Sozialamtsleiter Hans Sterbenk erklärte, habe der Selbstmord nach den Erkenntnissen der Stadt nichts mit dem Asylverfahren des Mannes zu tun, der seit gut zwei Jahren in Deutschland lebte und seit Januar letzten Jahres in Emmerich in der Unterkunft untergebracht war.

Eine Ablehnung seines Antrages auf Asyl habe es bislang nicht gegeben. Die Stadt vermutet, dass die Ursachen für den Freitod andere Hintergründe haben. Der Iraner hatte sich in psychologischer Behandlung befunden.

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Quelle: RP
 
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