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Geldern
Flexiblere Zeiten an Gelderns Grundschulen

Geldern. Neues Betreuungsangebot: Eltern können ihre Kinder früher abholen als beim Offenen Ganztag. Darum gab es Streit, die SPD war dagegen. Von Sina Zehrfeld

Das neue Konzept heißt "Flexible Betreuung". Jede Gelderner Grundschule darf eine Gruppe für bis zu 24 Kinder gründen, die dann bis maximal 14 Uhr zusätzlich neben der Nachmittagsbetreuung "Offener Ganztag" (Ogata) läuft. Die gleichen Kooperationspartner, die auch den Ogata organisieren, sollen dafür ins Boot geholt werden. Über die Details beschließt die jeweilige Schulkonferenz. Wenn sie nichts anderes festlegt, dann können die Kinder aus der "Flexiblen Betreuung" - anders als aus dem Ogata - jederzeit abgeholt werden.

Der Ogata läuft nämlich bis 16 Uhr, und die Eltern sollen ihre Kinder frühestens ab 15 Uhr herausnehmen. "Bisher wurde es in Einzelfällen geduldet, wenn Kinder früher abgeholt wurden", erklärt Bürgermeister Sven Kaiser. "Aber wir sind vom Land darauf hingewiesen worden, dass wir uns an die Vorgaben halten sollen." Immerhin wird der Ogata mit Landesmitteln finanziert.

Die Stadtverwaltung hat eine Befragung von Eltern durchgeführt. Als Ergebnis stellt sie fest: "Eine Verpflichtung bis 15 Uhr wird in hohem Maße abgelehnt." Halbtags Berufstätige etwa seien auf geregelte Versorgung angewiesen, aber oft nur bis zum späten Mittag. Die meisten Eltern, heißt es, wünschten sich eine Unterbringungsmöglichkeit bis 14 Uhr oder auch bis 16 Uhr, aber ohne festgelegte Abholzeiten.

Nun hat der Stadtrat also den Weg für die "Flexible Betreuung". Nicht jedoch ohne Diskussion: Die SPD stimmte gegen das Konzept.

Sie wollte die "Flexible Betreuung" an jeder Schule nur bis zum Ende der sechsten Unterrichtsstunde zulassen, also in der Regel bis kurz nach 13 Uhr. Wenn Kinder kleckerweise bis 14 Uhr abgeholt würden, mal früher, mal später, je nachdem, wie es gerade passt, dann sei das schlecht für alle, argumentierten die Sozialdemokraten. Kinder würden aus dem Spiel gerissen, Bildungsarbeit sei nicht planbar.

So etwas erschwere schon jetzt die Arbeit des Ogata, sagte Melanie Croonenbrock (SPD). "Die Eltern wollen immer totale Flexibilität in allem", stellte sie fest. Aber: "An vorderster Stelle steht nicht der Elternwille, sondern das wohl des Kindes." Und den Ogata durch ein Konkurrenz-Angebot zu schwächen sei "aus pädagogischer Sicht fatal".

Die CDU sah da kein gesteigertes Problem. "Es gibt viele Situationen, in denen die Kinder einfach auf dem Schulhof spielen", befand Silke Mogritz. Und Fred Backus meinte, wenn Eltern ihr Kind mal eine halbe Stunde früher zu Hause haben könnten, und sei es nur an ein, zwei Tagen in der Woche, "dann ist das für mich wertvoll". Auch im pädagogischen Sinne.

Man wolle Eltern nicht gängeln, so CDU-Fraktionschef Karl-Heinz Lorenz weiter. "Ich bin nicht klüger als die Lehrer und Schulleitungen", erklärte er: Die würden doch wohl am besten wissen, was in ihre pädagogischen Konzepte passe.

"Reden Sie mal mit Leuten, die im Offenen Ganztag beschäftigt sind", hielt SPD-Fraktionschef Hejo Eicker dagegen. Deren Ansichten deckten sich nicht unbedingt mit denen der Schulleitungen.

Sein Parteifreund Andreas von Bebber sah zudem organisatorische Probleme: Müsste ein Mittagessen angeboten werden? Was mit der Schülerbeförderung? Außerdem, so kritisierte er, sei der Fragebogen zum Elternwillen missverständlich gewesen, die Ergebnisse daher nicht wirklich aussagekräftig.

Die Grünen wiederum hätten die "Flexible Betreuung" am liebsten gleich bis 16 Uhr ermöglicht. Die Fraktion Linke/Piraten hingegen erklärte, sie werde überhaupt und immer jedes Betreuungskonzept ablehnen, für das Eltern Gebühren zahlen sollten.

Stichwort Gebühren: Die Flexible Betreuung bis maximal 14 Uhr soll für die Eltern genau so teuer sein wie der Offene Ganztag, der bis 16 Uhr geht. Das soll dafür sorgen, dass Geld bei der Wahl des Betreuungsangebotes keine Rolle spielt.

Quelle: RP
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