| 00.00 Uhr

Wachtendonk
Forschung für Stromnetz der Zukunft

Wachtendonk. Beim Projekt "Energie" erfassen sechs Partner unter Führung der Stadtwerke Krefeld die Auslastung in Wachtendonk. Dahinter steht eine Bundesinitiative. Ziel: Voraussetzungen schaffen für mehr Einspeisung von Erneuerbaren Energien. Von Michael Klatt

Unter den Kommunen zählt Wachtendonk eher zu den kleinen. Doch für die Energiewende in Deutschland könnte die Niersgemeinde große Bedeutung erlangen. Dort läuft ein Forschungsprojekt innerhalb der Initiative "Zukunftsfähige Stromnetze". Sie wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ins Leben gerufen.

Das Energiekonzept der Bundesregierung legt ambitionierte Leitlinien für das künftige Energiesystem fest. Bis 2050 sollen die Erneuerbaren Energien 80 Prozent des Strombedarfs bereitstellen. Dieses Ziel ist nur durch einen Ausbau und eine Ertüchtigung der Stromnetze zu erreichen. Stromnetze müssen eine aktivere Rolle bei der Energiebereitstellung übernehmen. Neue Anforderungen ergeben sich zum Beispiel daraus, dass die dezentrale Erzeugung und die Verbrauchsschwerpunkte geografisch sehr weit auseinander liegen können.

Unter Führung der Stadtwerke Krefeld AG (SWK) hat sich im Rahmen dieser Initiative ein Konsortium mit einem Projekt beworben, in dem gemeinsam nach Lösungen gesucht wird, um die Niederspannungsstromnetze vor Ort weiter zu optimieren. Den Projektpartnern geht es um die "Erfassung der Niederspannungs-Netzzustandsgrößen in Echtzeiten" - oder kurz um "Energie". Die dezentrale und stark in der Leistung variierende Einspeisung durch lokale Anlagen fordert Netze und ihre Betriebsführung. Die Netzzustandsgrößen aus dem Niederspannungsnetz haben heute schon einen hohen Stellenwert und werden künftig immer wichtiger als Grundlage für eine effiziente Planung. Das Ergebnis des Forschungsprojektes soll nicht nur eine Teillösung, sondern am Ende ein ganzheitlich anwendbares System sein. Das in dem Projekt entwickelte Gesamtsystem ist die Basis für die zukünftig immer wichtiger werdenden Steuerungs- und Regelungsaufgaben im Niederspannungsnetz.

Als Forschungsgebiet wurde Wachtendonk ausgesucht, wo die SWK seit 2010 das Stromnetz betreibt. Es ist eine ländliche Region mit vielen dezentralen Einspeisungen aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen. An neuralgischen Knotenpunkten des Stromnetzes sollen Messdaten erfasst werden - beispielsweise in Kabelverteilerschränken oder in Ortsnetzstationen. Der Einbau der erforderlichen Technik in rund 40 Kabelverteilerschränken läuft seit Anfang 2016 und soll bis Ostern abgeschlossen sein. Die Daten werden gebündelt, an ein Rechenzentrum übermittelt und dort mit weiteren Daten ergänzt. Anhand der Ergebnisse lässt sich nahezu in Echtzeit feststellen, ob die Elektrizitätsleitungen in einem bestimmten Bereich ausreichend dimensioniert sind, ob ein Ausbau des Netzes erforderlich ist oder ob noch "Luft" für weitere Haushalte/Abnehmer vorhanden ist. Investitionen in das Stromnetz lassen sich somit besser planen. Auch für die Gemeindeentwicklung kann man Rückschlüsse ziehen - etwa wenn es um den Bau und den Anschluss eines neuen Wohngebietes an ein Versorgungsnetz geht. Mit einem solchen Gesamtsystem erhält der Netzbetreiber einen flächendeckenden Einblick in die Niederspannungsnetze, deren Auslastungsgrad bislang nur über statistische Größen und meist sehr aufwändig erfasst wurde. Kritische Netzzustände oder mögliche Reserven können künftig zur effizienteren Planung herangezogen werden.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wachtendonk: Forschung für Stromnetz der Zukunft


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.