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Geldern
Fotografensicht auf den Jakobsweg

Geldern: Fotografensicht auf den Jakobsweg
Matthias Dunemann vor einigen Fotos seiner Ausstellung im Mühlenturm. FOTO: Markus van Offern
Geldern. In seiner aktuellen Ausstellung im Gelderner Mühlenturm zeigt Matthias Dunemann 252 Fotografien. Darunter viele von der berühmten Pilgerroute. 2011 machte der Sevelener die Tour. Dazu passt Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg". Von Bianca Mokwa

Es war vielleicht Zufall, dass die Gäste der Ausstellung "Kontraste 2016" den Mühlenturm besuchten, nachdem sie im Kino den Film "Ich bin dann mal weg" geschaut hatten. Der Film ist nach dem gleichnamigen Buch von Hape Kerkeling benannt und beschreibt die Pilgertour des Entertainers nach Santiago de Compostela. Eigentlich befasst sich die Mühlenturm-Ausstellung von Matthias Dunemann mit den Themen Landschaft, Gebäude und Menschen. Arrangiert sind die drei Themen auf drei Ebenen. Immer wieder mischen sich Motive vom Jakobsweg nach Santiago darunter.

2011 brach der Sevelener zu seiner Pilgerreise auf. "Für mich ist es damals gut gewesen, mich der körperlichen und christlichen Herausforderung zu stellen", sagt der Fotograf, der im Alltag technischer Teamleiter ist. Am Anfang stand die Entscheidung, ob überhaupt eine Kamera mit auf Pilgertour sollte. Dagegen sprachen zuviel Ablenkung, zuviel Gewicht, lieber mit Erinnerungen arbeiten statt mit festen Bildern. Am Ende hat Dunemann sich doch für die Kamera entschieden, eine gekauft. "Spiegelreflex, von Nikon, Einsteigermodell", sagt er. 9000 Fotos hat er damit gemacht, bei Wind und Wetter.

Hügelig und bisweilen karg ist die Landschaft im Norden Spaniens (l.). Die Sonne scheint, doch noch ist fast die Hälfte des Weges zu wandern (r.). FOTO: Matthias Dunemann

Die Bilder zeigen volle Schlafräume, Menschen, denen er unterwegs begegnet ist, und ganz viel Landschaft. "Die Orte, wo nichts ist, da macht man seine Erfahrungen", sagt der Fotograf. Gestartet ist er mit seiner Reisegefährtin im spanischen Longroño. Etwa 660 Kilometer waren es von dort bis Santiago de Compostela.

Das ist das Ziel des Jakobswegs, das Grab des Apostels Jakobus. Einen "Ablassbrief" hat Dunemann am Ende auch erhalten. Völliger Sündenerlass für denjenigen, der den Pilgerweg schafft, das geht noch auf das Mittelalter zurück. Damals konnten Verbrecher den Weg nach Santiago de Compostela einschlagen. "Hatten sie es geschafft, wurden sie freigesprochen. Aber die meisten sind auf dem Weg gestorben oder ausgeraubt worden", erklärt der Fotograf. Um den Pilgern zu helfen, gab es am Wegesrand "Hospitale". Ab und zu taucht der Name bei einer Pilgerherberge heute noch auf, meistens steht dort aber "Albergue". Um dort unterzukommen, braucht der Pilger einen Pilgerausweis. Seinen hat Dunemann in Kevelaer geholt. Am Ende waren es zwei, mittlerweile versehen mit vielen bunten Stempeln.

Drei bis vier Tage habe er gebraucht, um vom Touristen auf Pilger umzuschalten, körperlich und seelisch anzukommen. "Es wird einem genommen, was das Leben anscheinend ausmacht", sagt der Sevelener. Plötzlich ist da die Erkenntnis. "Nicht planen müssen, nicht ein Zimmer buchen müssen, da sind nur gelbe Pfeile auf dem Weg, mehr braucht es nicht." Das Pilgerleben sei ein reduziertes, einfaches, sorgenfreies Leben. "Anstrengend ist es auf jeden Fall, aber es lohnt sich." Privatsphäre ist Fehlanzeige, wenn man in der Pilgerherberge mit vielen in einem Raum schläft.

Warum ist er denn nun gelaufen? "Man ist schon auf der Suche", sagt der 46-Jährige. Für ihn sei es die intensivste Zeit seines Lebens gewesen. "Man muss den Weg in der richtigen Lebenssituation machen, sonst ist es nur Wandern", gibt er künftigen Pilgern mit auf den Weg. Gelernt hat er auf der Strecke einiges, etwa: "Nimm kein Teil mehr mit, als du tragen kannst". Das gelte für den Rucksack genauso wie für den Alltag. Wichtig seien auch gute Weggefährten. Und ja, er würde sich wieder den Rucksack schnappen, sich auf den Weg machen, noch einmal pilgern. Noch Tage, nachdem er wieder zu Hause war, habe er das Bedürfnis gehabt, wieder Rucksack und Stöcke zu nehmen und zu pilgern. 28 reine Lauftage waren das, etwa 660 Kilometer.

Das Fotografieren hat ihn auf dem Jakobsweg erst richtig gepackt. "Ich habe früher viel gemalt", sagt Dunemann. "Es ging mir aber alles nicht schnell genug." Die Fotografie habe ihm die Augen geöffnet. Dank der Kamera sah er die Welt auf dem Jakobsweg aus verschiedenen Blickwinkeln. Für ihn ist es wie ein persönliches Tagebuch.

Beim Betrachter erzeugen die Fotos Emotionen. "Wenn eins von 1000 das schafft, ist das ziemlich gut", meint Dunemann. In der Ausstellung sind 102 Fotos plus 150 vom Jakobsweg. Weil die so großen Anklang fanden, hat Dunemann die in der vierten Etage des Mühlenturms zusammen mit Karte und Pilgerpass ausgebreitet.

Quelle: RP
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