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Kerken
Frauen retten die Freiwillige Feuerwehr

Kerken. Weil immer mehr Männer tagsüber nicht zu erreichen sind, wird der weibliche Nachwuchs wichtiger. In einigen Jugendfeuerwehren im Kreis gibt es noch keine Mädchen. Dabei sind sie genauso einsatzbereit. Ein Beispiel aus Kerken. Von Bianca Mokwa

Karl-Heinz Kleinmanns wirft einen Blick in die Zukunft. "Wir werden in einiger Zeit ohne Frauen nicht mehr auskommen", sagt der Leiter der Jugendfeuerwehr Kerken. "Immer mehr Männer arbeiten außerhalb, die Tagesbereitschaft ist nicht mehr gegeben."

Für ihn gibt es außerdem keinen Grund, warum Frauen nicht in die Freiwillige Feuerwehr gehören. Ganz im Gegenteil. "Es gibt viele Aufgaben, mit denen eine Frau besser umgehen kann. Das behaupte ich mal so", sagt der Kerkener. Das sei vielleicht nicht unbedingt der Umgang mit dem Spreizer, wenn es darum geht, eine eingeschlossene Person aus dem Fahrzeug zu befreien. "Aber zum Beispiel einen Schockpatienten betreuen, das können Frauen einfach besser, die haben da mehr Feingefühl."

Um solche, aber auch viele andere Einsätze ging es am Wochenende bei der 24-Stunden-Übung der Jugendfeuerwehr Kerken. Mit am Start war auch die 13-Jährige Janna Luttermann. Seit zwei Jahren ist sie bei der Jugendfeuerwehr. Ihr Vater ist auch bei der Wehr. Bei der 24-Stunden-Übung wissen die Jugendlichen nicht, was auf sie zukommt und wann ihr nächster Einsatz ist.

"Wie im richtigen Leben", sagt Kerstin Sillekens. Sie ist Ausbilderin und im aktiven Dienst der Kerkener Wehr. 141 Aktive gibt es, vier davon sind Frauen. Wie sieht es beim Nachwuchs aus? 320 Kinder und Jugendliche sind in den Jugendfeuerwehren im Kreis Kleve, davon sind 63 Mädchen. Es gebe fünf oder sechs Jugendfeuerwehren im Kreis Kleve, die keine Mädchen haben. "Leider", sagt Jugendfeuerwehrwart Peter Krings. "Ich meine in der heutigen Zeit der Gleichberechtigung haben Mädchen genauso ein Recht zur Feuerwehr zu gehen wie Jungs." Unter den 25 Jugendlichen der Kerkener Wehr finden sich zwei Mädchen, eine davon ist Janna.

Sie kommt gerade vom Einsatz zurück. Eine Ölspur musste beseitigt werden. Keine große Sache. "Wir haben Ölbindemittel verteilt", sagt die 13-Jährige. Viel Zeit zum Durchschnaufen bleibt aber nicht. Der Alarm am Feuerwehrhaus schrillt laut und durchdringend. "Brennende Tonne am Dionysiusplatz", lautet der Einsatz. Alle stürzen zum Feuerwehrfahrzeug. Das verlässt Sekunden später den Platz mit Blaulicht und Martinshorn.

"Jeder Sitzplatz hat eine Funktion", erklärt Krings noch. Janna sitzt auf dem Platz der Angriffsstruppführerin. Sie wird später den Befehl geben: "Wasser marsch". Aber erst einmal steht die Lagebesprechung an. Den Einsatz leitet eine Frau, Hannah Möller. Sie ist eigentlich Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin. Die 23-Jährige ist seit Gründung der Jugendfeuerwehr dabei. "Komm', ist was Neues, warum nicht?", lautete damals ihr Antrieb. Angefangen hatten mit ihr viele andere Mädchen. Sie ist als eine der wenigen geblieben. Nie daran gedacht, auch zu gehen, ein anderes Hobby zu suchen? "Nö, dafür habe ich unsere Jungs viel zu lieb", sagt sie lächelnd. Und Kerstin Sillekens fügt an: "Es ist mehr als ein Hobby, es ist eine Lebenseinstellung."

Bevor Hannah Möller den Einsatzbefehl gibt, hat sie die Lage erkundet. Janna legt Atemschutz an. Bei der Jugendfeuerwehr ist das eine Attrappe. Aber bei einem echten Einsatz wisse man nie, ob nicht giftige Dämpfe vorhanden sind, deswegen: Maske auf. Mit einem Schnellverschluss dreht Janna das Strahlrohr an den Schlauch, ihre Teamkollegen schließen den Schlauch an den Hydranten an und bringen die Pumpe am Feuerwehrfahrzeug in Gang.

Auf Jannas Zeichen hin schießt das Wasser aus dem Schlauch Richtung Flammen. Schrittweise geht sie mit einem ihrer Teamkollegen näher ran. Synchron löschen auf der andere Seite zwei Kollegen mit. "Als erstes kühlen wir den Behälter, dann gehen wir direkt auf das Feuer", wird Janna später sagen, wenn der Einsatz vorbei ist und sie Atemschutzmaske und Helm abgenommen hat. Liebend gerne möchte sie weitermachen, auch zur aktiven Wehr, wenn sie 18 Jahre alt ist.

Seinen Schützlingen gibt Karl-Heinz Kleinmanns mit: "Wenn ihr euch einen Freund sucht, sagt dem, dass ihr bei der Feuerwehr seid, noch bevor ihr eure Nummer rausgebt." Denn: "Wenn der Partner nicht mitspielt, dann kann man nicht Feuerwehrmann oder -frau sein." Er weiß, wovon er spricht. Seine ersten beiden romantischen Abendessen unterbrach der Piepser. Seine Freundin wurde trotzdem seine Frau. Seit 33 Jahren sind sie verheiratet. Feuerwehrmann aus Leidenschaft ist er heute noch.

Quelle: RP
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