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Geldern
Freunde des Huchel-Spargels gründen einen Verein

Geldern. Früher war diese Sorte auf Walbecker Feldern populär. Jetzt soll sie wieder zu neuen Ehren kommen.

Allein beim Gedanken an die bevorstehende Spargelzeit läuft den Genießern bereits das Wasser im Munde zusammen. Jedoch: Über individuellen Geschmack lässt sich bekanntlich zumindest diskutieren. Es geht nicht allein darum, kurze, lange, dicke, dünne Stangen mit weißem oder violettem Kopf zu favorisieren, sondern auch um Faktoren wie Bodenbeschaffenheit, Nährstoffgehalt oder Düngung. Moderne Spargelhöfe bevorzugen überwiegend die ertragreiche, robuste Lym-Spargelpflanze eines niederländischen Züchters.

Aber es gibt eine kleine Gruppe von Walbeckern, die sich auf den Geschmack ihrer Jugend und Kindheit besinnen. Nur verklärte Jugend-Erinnerungen von Spargel-Gourmets. Nein, es liegt an der Pflanze, nennt der neu gegründete Walbecker Huchel-Verein den Unterschied. Dieser bringt eine weniger ergiebige Pflanze jetzt wieder ins Spiel, besser gesagt auf die Walbecker Felder. Jenes Gewächs, an das sich Hans-Peter Gooren noch von früher erinnert: "Die Kultur wurde vom Spargelprofessor August Huchel in den späten 1950er Jahren in Walbeck entwickelt und bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts als populärste Sorte in den Wällen gesetzt."

Der Walbecker Gooren begründet die Renaissance für den Huchel-Spargel so: "Unsere Sinne haben sich nicht getäuscht. Diese Stangen schmecken anders, wie mir meine Mitstreiter bestätigten und wir in einer Blindverkostung treffsicher herausfilterten. Das neu entwickelte Signet unseres Vereins mit dem Spargelmajor fasst den alten Huchel-Spargel deshalb mit den Attributen zart, nussig, urtypisch Walbeck zusammen."

Der Club überzeugte Spargelbauer Thomas Dercks, die alte Marke auf einem Versuchsfeld von etwa zwei Morgen sandigem Boden erstmals wieder zu setzen. "Es handelt sich um eine weibliche Sorte der Huchel-Leistungsauslese namens Alpha, von denen ich drei Pflanzen je laufenden Meter gesetzt habe. Etwa 15.000 Stück", erklärt der Spargelbauer. In diesem Jahr will er die ersten Stangen behutsam stechen, etwa zwei bis drei pro Setzling. Je nach Wetter kann ab etwa Anfang Mai geerntet werden.

"Wir haben von Anfang an alles dokumentiert: unseren Besuch der Vertriebsfirma in Norddeutschland, die Schritte der Vorbereitung und des Setzens", so der Landwirt. Er hat im Verkaufsraum eigens eine separate Nische eingerichtet, in der er über die Huchel-Initiative aufklären möchte.

Ob er die "neue, alte" Spargelsorte dann auch noch verkauft? "Viel ist es ja nicht. Die Stangen sind eindeutig dünner, aber - wie wir finden - geschmacksintensiver. Für die Kenner und einige Walbecker wird es wohl reichen", sagt Thomas Dercks. Er rechnet in dieser Saison mit einer Erntephase von rund zwei Wochen für die Jungpflanzen.

(mk)
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