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Geldern
Gehören Pop und Schlager in die Kirche?

Geldern. Bei Anlässen wie Trauungen, Taufen oder Beerdigungen möchten immer mehr Menschen bekannte Lieder aus den Charts einbauen, die ihnen etwas bedeuten. "Es geht da oft um persönliche Erinnerungen", sagt Organist Theo Büren. Von St. Gilsbach und S. Latzel

"Und ich atme für dich, ja, ich brenn' für dich" - diese Zeilen stammen aus dem Song "Ja" der Band "Silbermond", und den müssen sich Geistliche aus beruflichen Gründen öfters anhören. "Dieses Lied wünschen sich viele Brautpaare für ihre kirchliche Hochzeit", sagt Martin Simon, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Vluyn. Eine Zeitlang sei "Halleluja" von Leonard Cohen der Renner bei Traugottesdiensten gewesen. Individuelle Musikwünsche gehören inzwischen bei familiären Anlässen in der Kirche dazu.

Dass Cohens Text durchaus zweideutig ist, stört offenbar kaum einen. Sein "Hallelujah" gehöre immer noch zu den Favoriten, bestätigt Theo Büren, der unter anderem in St. Antonius Pont und St. Antonius Hartefeld die Orgel spielt. "Inzwischen gibt es ja auch viel Adaptionen des Textes auf Deutsch, die extra für eine Trauung bestimmt sind", sagt er.

Dass sich die Menschen immer mehr Pop-Songs wünschen, ist für ihn kein Problem. "Trauung und Beerdigung sind sehr persönliche Feiern, wenn jemand besondere Erinnerungen mit einem Lied verbindet, kann ich doch nicht sagen: Das mache ich nicht." Bislang habe es aber auch noch keinen Wunsch gegeben, der einen vertretbaren Rahmen für einen Gottesdienst gesprengt habe. Statt "Ave Maria" werde heute eben häufiger "Can you feel the Love tonight" gewünscht. Bei Beerdigungen spielt er auch schon mal "Nothing else matters" von Metallica.

Längst nicht jedes Lied begleitet Büren auf der Orgel. Manchmal bringt die Hochzeitsgesellschaft selbst eine Anlage mit und lässt darüber die Songs laufen.

Lieder werden nicht nur zu Trauungen, sondern auch zu traurigen Anlässen gewünscht. "Die Bestatter kümmern sich in der Regel darum", sagt Peter Bossmann, Pfarrer der Kirchengemeinde St. Martinus in Moers. "Sie sorgen dafür, dass die CD mit einem bestimmten Lied abgespielt wird. Oft ist es das Lieblingslied der oder des Verstorbenen gewesen. Oder es ist ein Lied, das Trost bietet."

Und das sei auch verständlich, meint der Pfarrer. "In den christlichen Chorälen zum Tod geht es um die Hoffnung auf das ewige Leben, aber das Gefühl des Verlustes, das die Angehörigen empfinden, kommt kaum vor." Und auch Lieder zur Hochzeit sind im kirchlichen Gesangbuch nicht häufig. "Außerdem kennen viele Gottesdienstbesucher die alten Lieder nicht mehr", sagt Bossmann. "Dann singt am Ende niemand mit, was ja auch nicht schön ist."

So holen sich die Menschen ihre Lieder meist aus der modernen Populärkultur. Für Pfarrer Martin Simon ist dies auch Teil eines Trends zu immer aufwendigeren Hochzeitsvorbereitungen. "Es muss alles perfekt sein, der schönste Tag im Leben, der Druck aus der Familie ist sehr groß." Hinzu kommt, dass man den Hochzeitsfeierlichkeiten im Bekanntenkreis nicht nachstehen möchte. Auch Peter Bossmann kann diese Entwicklung bestätigen. "Man darf den Einfluss der Hochzeitsmessen nicht unterschätzen, dort bekommen viele Paare Anregungen für die Gestaltung ihrer Trauung." Dazu zähle dann auch, dass etwa eine Sängerin engagiert werde, die ein Lied, das den Brautleuten besonders wichtig ist, vorträgt. "Oft höre ich auch: ,Bei diesem Lied haben wir uns kennengelernt!' Oder: ,Bei diesem Lied hat er mir einen Heiratsantrag gemacht!'", berichtet Bossmann. Letztlich sei die Hochzeit die Feier der beiden Brautleute und nicht die des Pfarrers.

Quelle: RP
 
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