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Clemens Brüx
"Geht nicht immer geradeaus und direkt"

Clemens Brüx: "Geht nicht immer geradeaus und direkt"
Befreiendes Lachen tut zwischendurch mal gut - bei aller Konzentration, die das Tagesgeschäft erfordert. FOTO: Markus van Offern
Geldern. Ein Jahr ist Clemens Brüx Bürgermeister im Altbierdorf. Ein Blick auf noch unerfüllte Wünsche, Hoffungen und vorangebrachte Projekte. Ein Wunsch ist Die Wiederbelebung des Diebels Live. Ihm wird zu vieles kaputt geredet.

Ein Jahr sind Sie nun Bürgermeister in Issum. Was hat sich geändert, wenn Sie durch den Ort gehen, werden Sie anders behandelt?

Clemens Brüx Von der Familie, dem Freundeskreis, nein. Aber sonst, ja, man ist halt Bürgermeister. Mit dem Amt ist man nicht mehr privat, steht in der Öffentlichkeit, das merke ich schon. Es ist schwer in Worte zu fassen.

FOTO: van Offern Markus

Ein Beispiel?

Brüx Kirmes und Karneval sind die großen Veranstaltungen für das Dorf. Da hat man als Bürgermeister schon das Gefühl, ständig beobachtet zu werden. Aber ich glaube, ich habe mich früher auch nicht anders verhalten als heute.

Gab es eine negative Erfahrung?

Brüx Die Absage vom Karnevalszug, speziell in Sevelen, wurde mir angekreidet und auf Facebook auch negativ bekundet. Das fand ich nicht fair. Es ist keine Entscheidung, die ich allein getroffen habe. Solche Entscheidungen werden im Kollektiv, mit allen Beteiligten, gefällt.

Was ist das insgesamt für ein Gefühl, seine Heimat mitgestalten zu können?

Brüx Es ist eine Riesenaufgabe und man muss sehen, was bekommt man umgesetzt und was nicht. Letztendlich entscheidet nicht der Bürgermeister. Ich kann Vorschläge machen, aber am Ende entscheidet der Rat. Aber es ist ein schönes, erfreuliches Gefühl, wenn die Punkte umgesetzt werden, die Issum weiterbringen und da sind wir auf einem guten Weg. Ansonsten ist es erst einmal Arbeit und es geht nicht immer geradeaus und direkt.

Was haben Sie sich speziell vorgenommen?

Brüx Ich möchte auf jeden Fall die Kultur und das Ehrenamt in beiden Ortsteilen fördern. Ob wir das hinkriegen ist angesichts der Haushaltslage - sie ist nicht katastrophal, aber auch nicht gut - eine andere Frage. Bei der Kultur, beim Ehrenamt mussten in den vergangenen Jahren zwangsläufig Mittel gekürzt werden. Aber ich möchte das Niveau halten, wenn nicht sogar aufsatteln. Wir haben ein äußerst aktives Vereinsleben in unseren Ortsteilen. Die Arbeit, die dort verrichtet wird, kann man nicht hoch genug einschätzen. Das war auch Thema meines Wahlkampfes. Das konnte ich nur noch nicht so richtig verwirklichen.

Warum?

Brüx Am 21. Oktober 2015 habe ich meine Arbeit als Bürgermeister aufgenommen. Kaum war ich drei Tage hier, war ich nur mit dem Thema Flüchtlinge beschäftigt. Das hat die Arbeit maximal bestimmt, nicht nur meine. Es war ein Riesenkraftakt für die gesamte Verwaltung und den Rat.

Ist das Thema Flüchtlinge nach einem Jahr zum Alltagsthema geworden? Schauen Sie nach Calais? Rechnen Sie mit weiteren Flüchtlingen?

Brüx Nicht nur ich, auch die Fachbereichsleitungen schauen auf die politischen Entwicklungen. Aber seit Februar haben wir keine neuen Zuweisungen bekommen. Wir haben damals schnell reagiert und konnten dadurch vieles entschärfen. In Sevelen haben wir die Blockhäuser gebaut, der Cap-Markt steht als Puffer bereit, wir konnten einige Wohnungen anmieten und bauen an der Lindenau. Die Flüchtlingsunterkunft ist Frühsommer 2017 fertig. Was noch kommt, wissen wir nicht, aber ja, Flüchtlinge sind zu unserem Tagesgeschäft geworden.

Was ist mit der neuen Issumer Dorfmitte "An de Pomp". Hat sie Ihnen Kopfzerbrechen bereitet?

Brüx Ja, definitiv. Ich habe lange mit mir gehadert, ob das sein muss. Aber für den Kiss-Second-Hand-Shop haben wir in Issum und Sevelen gute Alternativen gefunden. Und jetzt, wo das Gebäude weg ist, kann man sich eine Dorfmitte mit Aufenthaltsqualität gut vorstellen. Der Platz macht Sinn. Das wird gut werden. Schlimm ist, dass solche Projekte im Vorfeld oft kaputt geredet werden, statt sich zu freuen, dass etwas Neues entsteht mit all seinen Möglichkeiten. Das finde ich schade.

Wie geht es weiter?

Brüx Es gibt die Vorstellung der Politik, den Straßenzug Gelderner Straße mit Wohnungen und Geschäften neu zu gestalten. Die Häuser Nummer 1 (ehemalige Bäckerei Thomas), 5 und 7 gehören schon der Gemeinde. Wir stehen aber mit weiteren Eigentümern in Verhandlungen. Wenn man das im Kontext sieht, auch mit der Erweiterung des Wohlfühlhauses, ist Issum klar auf dem richtigen Weg.

Was ist mit dem Diebels Live? Würde das nicht zur touristischen Anziehungskraft beitragen?

Brüx Ich bin mit den Vertretern mehr oder weniger regelmäßig in Gesprächen. Die Damen und Herren wissen, ass auch die Gemeinde Issum und der Bürgermeister sich freuen würden, wenn das Diebels Live reaktiviert wird. Aber offensichtlich ist das nicht so einfach. Die Wiederbelebung wäre sicherlich ein weiterer Pluspunkt für die Aufenthaltsattraktivität unseres Ortskerns.

Das Gewerbegebiet Am Schankweiler füllt sich erst tröpfchenweise, oder?

Brüx Man kann den Eindruck gewinnen, aber es geht eben nicht alles so schnell. Unser Wirtschaftsförderer Franz-Josef Hüls ist täglich damit beschäftigt. Wir sind auch im Gespräch mit der Politik, überlegen, was wir tun können, um noch attraktiver zu werden. Der Standort ist gut, das steht außer Frage.

Gibt es große Firmennamen zu verkünden, Burger King etwa?

Brüx Große Namen gibt es aktuell nicht. So gerne ich auch hin und wieder Fast Food esse: Das glaube ich eher nicht.

Was ist mit Glasfaser? Schnelleres Internet, kommt das?

Brüx Sevelen wird es schaffen. Die haben die Chance erkannt. Im Ortsteil Issum wussten wir schon vorher, dass es schwieriger wird, weil der eine bessere Ausstattung hat. Ich hoffe trotzdem, dass die Issumer erkennen, welche Chance und Notwendigkeit dahinter steckt. Wir lassen den Mut nicht sinken und kämpfen weiter dafür. Ich habe mich schon angemeldet.

DIE FRAGEN STELLTE BIANCA MOKWA.

Quelle: RP
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