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Überfall nach Kirmes-Besuch in Geldern
14-Jährige angegriffen – Täter von vielen Zeugen gesehen

Geldern. Nach dem Überfall auf ein Mädchen am Rande der Gelderner Kirmes am Sonntagabend bittet die Polizei um Hilfe aus der Bevölkerung. Die verdächtigte Gruppe junger Männer soll mehrfach gesehen worden sein, nicht aber die Tat selbst. Das wundert die Polizei Von Sina Zehrfeld

Was jetzt gebraucht wird, sind Augenzeugen. Menschen, die etwas davon mitbekommen haben, wie am Sonntag gegen 21.50 Uhr eine 14-Jährige von fünf männlichen Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren in der Fußgängerzone in eine Ecke gezerrt, festgehalten und aggressiv begrapscht wurde. Die ihre Hilfeschreie gehört haben, oder die die Täter weglaufen sahen. "Wir haben schon Zeugenhinweise bekommen", sagte Polizeisprecher Michael Ermers zum Stand der Ermittlungen. "Allerdings nur, dass diese Gruppe von fünf Jugendlichen gesehen worden ist." Es war niemand dabei, der den Vorfall tatsächlich miterlebt hatte.

Männer griffen Mädchen hinterrücks an

Er soll sich am Sonntagabend auf der Issumer Straße etwa auf Höhe der Glockengasse abgespielt haben. Inzwischen sind mehr Einzelheiten über den Hergang bekannt. Die 14-Jährige aus Geldern war demnach mit einer Gruppe von Gleichaltrigen auf der Kirmes gewesen. Gegen 21.50 Uhr gingen alle in Richtig Bahnhof, wo ein Vater sie mit dem Auto abholen und nach Hause bringen wollte. Unterwegs verlor die 14-Jährige irgendwie den Anschluss zur Gruppe. "Die anderen Freunde waren vorausgegangen, deshalb war sie alleine in der Fußgängerzone unterwegs", erläuterte Polizeisprecher Ermers.

Die Jugendliche beschrieb in ihrer Anzeige, dass die jungen Männer sie hinterrücks angriffen und von der Straße zerrten. Ob sie sie direkt in die Glockengasse, in einen Hauseingang oder eine andere Ecke drückten, konnte sie nicht sagen. Die Täter hielten sie gemeinsam fest und begrapschten sie, und einer drückte ihr gewaltsam einen Kuss auf. "Sie konnte nicht sagen, wer genau was gemacht hat", erklärte Michael Ermers. Der Schilderung nach waren einfach alle Angreifer zusammen beteiligt, die Ermittler werten die Sache ohnehin als gemeinschaftliche Tat.

Passant: "Ich hol die Polizei!"

Die 14-Jährige schrie um Hilfe, und ein Passant wurde aufmerksam und rief laut: "Ich hol die Polizei!" Das habe der Sache ein Ende gemacht, heißt es: Die Heranwachsenden hätten ihr Opfer zu Boden gestoßen und seien geflüchtet, wobei unklar ist, in welche Richtung sie sich wandten und ob sie einfach weggingen oder ob sie rannten.

Die 14-Jährige bahnte sich ihren Weg zum Bahnhof, fand dort ihre Freunde wieder, und dem abholenden Vater war sofort klar, dass etwas nicht stimmte. Er brachte das Kind erst einmal zu sich nach Hause, verständigte die Eltern, und diese gingen mit ihrer Tochter zur Polizei und erstatteten Anzeige. Bis jetzt gibt es nur eine vage Täterbeschreibung: Fünf männliche Jugendliche, allesamt Deutsche, geschätzt zwischen 16 und 18 Jahre alt. Sie trugen Blouson- oder Bomberjacken, einer hatte auffällig rote Adidas-Turnschuhe. Die Ermittler wollten die 14-Jährige Dienstag oder Mittwoch noch einmal befragen. Und sie sind dringend auf Hilfe weiterer Beobachter angewiesen. Es sollte welche geben, immerhin war die Stadt wegen der Kirmes voller Menschen. "Wir hätten bis jetzt schon mit besseren Zeugenhinweisen gerechnet – das muss ja jemand mitbekommen haben", so Ermers.

Zwar haben sich Kirmesbesucher gemeldet, die an mehreren Stellen in der Stadt und zu verschiedenen Zeiten eine Gruppe junger Leute gesehen hatten, auf die die Beschreibung passt. "Aber es hat niemand die Tat beobachtet", so Ermers. Wenn die öffentliche Aufmerksamkeit schon so groß ist, dass Hinweise sprudeln, "dann muss sich doch auch jemand melden, der Hilferufe gehört hat", hofft er. Auch der Passant, der dafür gesorgt hat, dass die Täter von dem Kind abließen, ist bislang nicht wieder aufgetaucht.

Zeugen melden sich bei der Polizei unter der Telefonnummer: 02831 1250

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