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Geldern
Gelderner Firma vertont die Fernseh-Welt

Geldern: Gelderner Firma vertont die Fernseh-Welt
Michael Hübbeker im Herzen seines Unternehmens - dem Regieraum. Er ist der Herr über Knöpfe und Regler, Bildschirme und Lautsprecher - und außerdem der Chef von vier angestellten Mitarbeitern und Geschäftspartner für die großen deutschen Fernsehproduktionsfirmen. FOTO: Gerhard Seybert
Geldern. Wenn Tim Mälzer in "Kitchen Impossible" ein Stück Fisch in die Pfanne wirft und es zischt und brutzelt, dann ist dieses Zischen und Brutzeln einmal durchs Gelderner Gewerbegebiet gewandert. Ebenso wie jedes Fluchen, Flüstern, Jubeln. Und andere Geräusche. Von Sina Zehrfeld

Jede klappernd zu Boden fallende Suppenkelle, jeder rauschende Wasserhahn und jede zwischen den Zähnen zerquetschte bissige Bemerkung von Starkoch Tim Mälzer: Die Firma "Futureworx" in Geldern sorgt dafür, dass all das richtig klingt. "Man kann mit Akustik sehr viel beeinflussen", sagt Michael Hübbeker, Chef und Gründer des Tonstudios und Medienproduktionsunternehmens.

Was in der Show läuft, findet er selbst "mega-spannend". Und er ist dazu da, dass diese Spannung auch richtig rüberkommt. "Wichtig ist bei ,Kitchen Impossible', dass das Gefühl, die ,Atmo', nicht verloren geht", verrät er. "Dass, wenn die brutzelnde Pfanne zu sehen ist, ich die auch höre. Dass der Zuschauer richtig drin ist in der Sendung." Soundeffekte und eingespielte Musik tun dann ihr Übriges dazu.

Vom Gelderner Gewerbegebiet aus macht "Futureworx" die so genannte "Audio-Post-Produktion" für zahlreiche TV-Formate, die deutschlandweit Zuschauerrekorde feiern. Die aktuell so erfolgreiche Koch-Abenteuer-Show ist nur eine davon. "Wir arbeiten mit fast allen großen deutschen Produktionsfirmen fürs Fernsehen - von RTL über Pro 7 bis ntv", so Hübbeker. Auch bei "Deutschland sucht den Superstar", der Gründershow "Höhle der Löwen", "X-Faktor" oder beim "Supertalent" sorgt Futureworx für den guten Ton. Selbst vom schweizerischen und österreichischen Fernsehen kommen Aufträge.

Dazu braucht es jede Menge Technik. Das Herzstück der Firma ist der Regieraum: ein nicht allzu großer Raum, der wie einen Altar einen sehr großen Schreibtisch mit einem Mischpult umrahmt. Jede Menge Knöpfe und Schieberegler. Seitlich anstelle von Schubladen: noch mehr Technik mit noch mehr Knöpfen. Drum herum: Lautsprecher und Bildschirme. Über letztere flimmern Filmaufnahmen, die mitgelieferten "Tonspuren" flackern als gezackte Linien daran vorbei.

Da reden in einer Show beispielsweise fünf Menschen gleichzeitig, jeder hat ein Mikrofon, alles wird aufgezeichnet. Die Produktionsfirma schneidet die einzelnen Szenen zusammen und liefert sie mitsamt Ton-Material an Futureworx. Und die Gelderner sorgen dafür, dass am Ende im Film auch der zu hören ist, der im Bild als Sprecher zu sehen ist: "Dass man die Leute versteht, dass Musik drunterliegt, Soundeffekte richtig platziert sind", sagt Hübbeker.

Der heute 37-Jährige ist gebürtiger Nieukerker und in Geldern aufgewachsen. 2003 hat er sich mit der Firma "Nonx" selbstständig gemacht. "Da hab' ich noch in Köln studiert", erzählt er. Der Erfolg kam früh und stetig: "Wir haben uns einfach einen super-guten Namen aufgebaut." Heute ist Hübbeker studierter "Audio-Engineer" und Tonmeister. "Nonx" ist in "Futureworx" aufgegangen, und Hübbeker hat vier angestellte Mitarbeiter und einen zweiten Standort in Köln.

Audio-Produktionen fürs Fernsehen sind seine Haupteinnahmequelle. Zum Portfolio der Firma gehört aber ein breites Spektrum an Medienproduktionen - Werbespots, Hörspiele, Imagefilme für Unternehmen. Vieles davon betreut die Firma von A bis Z: vom Kenzept über die Dreharbeiten für Filme und den Schnitt der einzelnen Szenen bis hin zur Musikauswahl.

Für CD-Produktionen oder die Aufnahme von Sprechern für Dokumentarfilme oder Hörspiele gibt es neben dem Regieraum noch einen Aufnahmeraum.

Mit all dem ist "Futureworx" auch in der Region ziemlich aktiv. Die Firma hat einen Imagefilm für ein Restaurant in Rheinberg produziert, die Radiowerbung für einen Straelener Steuerberater, die neue CD von Kinderliedermacher Rainer NIersmann, Soundeffekte für Theaterproduktionen. "Wir wollen lokal noch mehr machen", kündigt Hübbeker an. "Ich find's einfach schön, mit örtlichen Firmen zusammenzuarbeiten", und Bedarf gebe es da wohl.

"Futureworx" hat übrigens einen Ausbildungsplatz zu vergeben. Bewerber sollten aber auf Stress gefasst sein. Bei Abgabeterminen fürs TV gibt es keine Toleranz. "Wir haben krasse Arbeitszeiten. Wir arbeiten auch am Wochenende und an Feiertagen", macht Michael Hübbeker klar. "Fernsehen schläft nie."

Quelle: RP
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