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Geldern
Gelderner Maler haucht alten Orten Leben ein

Geldern: Gelderner Maler haucht alten Orten Leben ein
Der ganze Boden ist voller alter Häuser: Hannes Haag zwischen seinen Werken, die er bald der Öffentlichkeit zeigen will. FOTO: Markus van offern
Geldern. Der Künstler Hannes Haag will eine Galerie am Markt betreiben. Seine erste Ausstellung soll das "alte Geldern" zeigen: Bilder von historischen Orten und Gebäuden, die von beachtlicher Lebendigkeit sind. Von Sina Zehrfeld

Ein "historisches Erbe" hochzuhalten, das heiße doch: Die Erinnerung weitergeben, meint Hannes Haag. Und dazu wolle er beitragen. Er ist Maler, und sein Mittel ist die Kunst. Und die schafft tatsächlich etwas, das die alten Fotos, die er sich zu Vorlagen genommen hat, nicht können. Denn zwar sind die Motive die gleichen, aber diese Fotos sind sachlich - Haag haucht den Szenen Leben ein.

Mehr als 30 Bilder mit Orten, Straßen, Plätzen und Bauwerken im Geldern alter Zeit hat er bereits angefertigt, über 50 sollen es insgesamt werden. Und die will Haag dann jedem zeigen.

Er möchte den heute leerstehenden Pavillon gegenüber des Ratskellers, an der Ecke der evangelischen Kirche am Marktplatz, als "Zwischenmieter" übernehmen und darin eine Galerie betreiben. Wenn es klappt, soll schon am 23. September die Eröffnung sein. "Und bei der Vernissage wird als erste Ausstellung das historische Erbe sichtbar gemacht", kündigt Haag an.

Denn unter dieser Überschrift, "historisches Erbe sichtbar machen", steht sein ganzes Projekt. Dutzende Einsichten ins Geldern vergangener Tage hat er bereits fertiggestellt. Da ist der Mühlenturm zum Beispiel. Die Kirchstraße, wie es sie heute nicht mehr gibt. Schloss Haag in seiner Pracht. Torbögen und Armenviertel. Der Markt, der vor den Zerstörungen des Krieges geteilt war, enger wirkte, umringt von Bauwerken, die einander die Schau stahlen. Ein ehemaliges preußisches Verwaltungshaus an der Kapuzinerstraße - einst herrschaftlich, später heruntergekommene Unterkunft für die ärmsten Familien. "So dunkel sieht es aus. Es ist düster, es ist schäbig", beschreibt Haag selbst und erklärt: "Ich möchte die Prachtbauten haben, die bedeutenden Straßen, die kleinen Gassen und die Winkel." Und dabei ist sein Ziel: "Ich will Stimmung reinbringen."

Das gelingt ihm mit dezent eingesetzten Farben und mit Linien, die den Blick geschickt in die Werke hineinziehen. Die Bilder gewinnen Tiefe, bestechen mit einer lebendigen Unordnung. Sie lassen das Auge nach Details suchen unter verwaschenen Unregelmäßigkeiten, zwischen Vorsprüngen und Simsen, in Ecken und Schatten. Manche Darstellungen sind atmosphärisch so dicht, als wollten Fensterflügel gleich aufschlagen, Karren lospoltern, als wollte das Wasser durch die Gosse sickern. Und alle Bilder, auch die, die verfallende Ecken zeigen, haben Charme, mitunter etwas Pittoreskes.

Neben Bauwerken und Orten will Haag auch historische Momente festhalten. Zum Beispiel einen Besuch des Kaisers im Jahr 1913. Oder den nach dem Krieg aus den Trümmern ragenden Turm der Pfarrkirche St. Maria Magdalena.

Er arbeitet mit Mischtechnik: Collage-Elementen, Bleistift, Kreide, Wasserfarben. Auch seine Untergründe hat er mit Bedacht gewählt: Seide, Papier, mal handgewebter, über 100 Jahre alter Rupfen-Stoff.

In Zukunft will er Repliken seiner Bilder zum Verkauf anbieten: "In kleiner Serie, maximal 50 pro Stück, damit das kostbar wird", sagt er. Und er möchte "auf Alt gemachte" Grußkarten mit den historischen Motiven auflegen, damit das alte Geldern in alle Welt verschickt werden kann.

Quelle: RP
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