| 00.00 Uhr

Geldern
Gelderns CDU lässt Ulrich Janssen fallen

Geldern: Gelderns CDU lässt Ulrich Janssen fallen
Das war am Montag: Bürgermeister Ulrich Janssen in der Sondersitzung des Stadtrates zur Computersicherheit innerhalb der Stadtverwaltung. FOTO: seyb
Geldern. Die Nominierung von Ulrich Janssen als CDU-Bürgermeisterkandidat soll zurückgezogen werden. Dafür stimmten der CDU-Vorstand und die Mitglieder der Ratsfraktion mit "überwältigender Mehrheit". Anstoß war vielfältige Kritik. Von Sina Zehrfeld

Es sei der "Unmut der Bevölkerung" über Bürgermeister Ulrich Janssen gewesen, der das Handeln der Partei notwendig gemacht habe, erklärt Hans-Willi Erkens, stellvertretender Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes. "Das Fass war voll, bis zum Überlaufen voll." Und zwar nicht allein durch die Facebook-Affäre. Sondern durch "all das, was sich in den letzten Monaten - seit Januar, seit der Nominierung - angesammelt hat", so Erkens: "Wir wollen so, wie der Bürgermeister sich gibt, nicht in den Wahlkampf gehen".

Zu diesem Schluss kamen der Vorstand des Stadtverbandes und die dazugeladenen CDU-Ratsmitglieder in einer Versammlung am Freitagabend. Das Votum in der großen Runde fiel "mit überwältigender Mehrheit" aus. Offenbar gab es nur ein paar Gegenstimmen. Janssen wusste über den Termin Bescheid, war aber selbst nicht dabei. Er war am Wochenende im Urlaub und sollte nach Freitagabend schnellstens informiert werden. Auf eine Anfrage der Rheinischen Post reagierte er bis gestern nicht.

Kritik am Bürgermeister war im Vorfeld von allen Seiten gekommen - aus dem Stadtverband, aus der Ratsfraktion, und Bürger und Parteimitglieder fragten, ob man "etwas zu tun" gedenke. Gründe waren Janssens gesamtes Verhalten in der Facebook-Affäre, das Video von ihm, das im Internet kursierte, und diverse Missstimmungen. Wäre all das früher passiert, schätzt Hans-Willi Erkens - der Bürgermeister wäre wohl kaum zum Kandidaten gekürt worden.

Hans-Willi Erkens, stellvertretender Vorsitzender des Stadtverbandes. FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)

Ausdrücklich will die Partei aber kein Urteil darüber fällen, ob man Janssens Aussagen zum Thema Facebook nun Glauben schenke oder nicht. Das sei, so Erkens, "definitiv nicht" ausschlaggebend gewesen.

Doch schon die Facebook-Abstimmung zum Kapuziner-Karree an sich - Manipulationsvorwürfe hin oder her - betrachten Parteifreunde als Fehler. Und es gibt Kritik an Janssens Argument, dass er sich im Internet als Privatmann bewege und nicht als Amtsperson. "Wenn er das Haus verlässt, ist er nicht mehr nur Ulrich Janssen, sondern auch Bürgermeister", gibt Erkens die Meinung wieder.

Karl-Heinz Lorenz, Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. FOTO: Archiv

Als nächstes werden so genannte "Vertrauenspersonen" der Gelderner CDU sich an die Stadtverwaltung wenden, um die Nominierung von Janssen als CDU-Kandidat zurückzuziehen. Eine Mitgliederversammlung dazu soll kurzfristig nach den Osterferien stattfinden. Von der Basis hängt dann alles ab: Entscheidet sie sich doch noch für Janssen, bleibt er auch Kandidat. Welche einzelnen Schritte und Beschlüsse in den kommenden Wochen abgearbeitet werden müssen, sei noch zu klären. Die CDU habe damit "zum Glück mangelnde Erfahrung", so Hans-Willi Erkens.

Erste Reaktionen von der Basis auf das Votum der Führungsriege gibt es schon. Sie seien "durchweg verständnisvoll gewesen", sagt der Stadtverbandsvorsitzende Stefan Wolters. Die Entscheidung habe sich auch niemand leicht gemacht. "Eine für mich gute und wichtige Erkenntnis war die große Geschlossenheit, die die CDU bei diesem schwierigen Thema gezeigt hat."

Auch der Fraktionsvorsitzende Karl-Heinz Lorenz betont: "Solche Entscheidungen fallen schwer." Ulrich Janssen habe Geldern "ein ganzes Stück weit nach vorne gebracht." Trotzdem habe man sich die Frage stellen müssen: "Sind wir mit dem richtigen Kandidaten unterwegs?"

Über einen möglichen neuen Bürgermeisterkandidaten sei noch nicht gesprochen worden, heißt es. Man habe keinen "Plan B".

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Geldern: Gelderns CDU lässt Ulrich Janssen fallen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.