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Geldern
Gelderns Handel soll digitaler werden

Geldern: Gelderns Handel soll digitaler werden
Wie lange hat Kessels heute auf? Auch für den Einkauf vor Ort informiert man sich heute so wie unsere Praktikantin Paulina Heinrichs aus Kevelaer über Google und Co. FOTO: Möwius
Geldern. Wirtschaftsförderer Tim van Hees-Clanzett sieht die Innenstadt trotz einiger Probleme gut aufgestellt. Doch man dürfe nicht ruhen, um eine Abwärtsspirale zu vermeiden. Hilfestellung für den Einstieg bei Google oder Facebook. Von Dirk Möwius

Wer als Kunde heute die Telefonnummer eines Geschäfts sucht oder die Öffnungszeiten wissen will, greift nicht mehr zum Telefonbuch oder den Gelben Seiten. Es wird gegoogelt. Einzelhändler können Informationen oder Bilder bei der meist genutzten Suchmaschinen hinterlegen - kostenlos. Ein ähnliches Angebot gibt es auch im sozialen Netzwerk Facebook. Damit Gelderns Einzelhändler keine Berührungsängste vor den neuen Möglichkeiten im Internet haben, möchte die Wirtschaftsförderung sie unterstützen. Ende April wird es ein Seminar geben, um gemeinsam mit Gelderner IT-Spezialisten den Geschäftsleuten den Einstieg in die digitale Welt zu erleichtern.

"Der Online-Handel wird weiter wachsen. Es hilft uns aber nicht, dass zu verteufeln. Wir kommen nicht drum herum, auch die digitalen Möglichkeiten zu nutzen. Ich sehe es als Aufgabenfeld für die Wirtschaftsförderung, an dieser Stelle zu unterstützen", so Gelderns Wirtschaftsförderer Tim van Hees-Clanzett im Gespräch mit unserer Redaktion. Ein Ansatz dafür sei das geplante Seminar. "Je mehr Geschäfte im digitalen Schaufenster zu finden sind, umso besser ist das auch für die ganze Stadt", sagt van Hees-Clanzett.

Die Entwicklung in der Innenstadt sieht der Wirtschaftsförderer gelassen. Es gebe viele Leerstände, es gebe Umzüge und Fluktuation - eine "extrem hohe Dynamik". Doch im Grundsatz sei das eine normale Entwicklung - und in anderen Städten ähnlich. Zugleich gebe es auch regelmäßig Nachfragen - besonders für Ladenlokale mit mindestens 200 Quadratmetern. Schwierig seien einige strukturelle Probleme, etwa in einigen Ladenlokalen auf der Hartstraße, wo das Angebot von Fläche und Zugänglichkeit nicht den Anforderungen von heute entsprechen. Mehr Sorgen bereitet ihm die Aufgabe, weiter für ein vernünftiges Verhältnis zwischen inhabergeführten Fachgeschäften und Filialen großer Anbieter zu sorgen. Da ein Generationenwechsel bevorstehe und die Nachfolgersuche oft schwierig sei, sieht er auch dort ein zukünftiges Aufgabenfeld für die Wirtschaftsförderung. Dazu passt auch das Angebot "Heimatshop". Vermietet wird eine Ladenfläche zu günstigen Konditionen und mit Infrastruktur, mit flexibler Bindung über das städtische Gründerzentrum. Gründer könnten sich oft nicht direkt für viele Jahre verpflichten. Gute Ideen könnten so getestet werden. Erwiesen sie sich wirklich als marktreif, könne man andere Dauerlösungen finden.

FOTO: moew

Um Geldern attraktiv zu halten, bedürfe es des engen Kontaktes zwischen Geschäftsleuten und Werbering, Maklern und Eigentümern und der Wirtschaftsförderung. Besonders die Eigentümer müssten sich teilweise umstellen. In vielen Lokalen seien Investitionen nötig, trotzdem würde eine neue Miete wahrscheinlich niedriger als bisher ausfallen. "Die Zeiten der hohen Renditen sind vorbei", so Tim van Hees-Clanzett. Das gelte verstärkt auch für die Gastronomie. Sehr viel Arbeit, aber geringe Spannen - das erwarte Wirte heute. Trotzdem sei ein attraktives gastronomisches Angebot für die ganze Stadt von hoher Bedeutung. Dazu kämen Faktoren wie Aufenthaltsqualität, Parken oder Sicherheit. Am Ende müsse der Besucher gern in die Stadt kommen.

Um Geldern attraktiv zu halten, "spinnt" der Wirtschaftförderer auch weitere Ideen. Etwa leere Geschäfte durch eine Zwischennutzung von Vereinen und Künstlern zu beleben, mit interaktiven Schaufenstern für einen Blickfang zu sorgen, und eine Erweiterung des Wochenmarktes. Oder Abholboxen, damit der Kunde am Abend seinen bestellten Einkauf abholen kann, falls er es nicht zum Markt schaffen konnte. Eine "Herkulesaufgabe" lacht er selbst über die Vielfalt der Projekte. Was ihn aber beruhigt: Wenn er sich die Akten seiner Vorgänger anschaut, hat sich bei den Themen nicht wirklich so viel im Laufe der Jahrzehnte geändert.

Quelle: RP
 
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