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Geldern
Gelderns Tafel bleibt offen für neue Gäste

Geldern: Gelderns Tafel bleibt offen für neue Gäste
Was da ist, wird geteilt. Gibt es mehr Bedürftige, dann bekommt jeder weniger - aber die Tür zuzumachen, kommt nicht infrage: So sehen es die Gelderner Ehrenamtler. Hier präsentieren die Helfer Alfred Mersch und Donia Basal Waren, die für Muslime geeignet sind, denn viele ihrer Gäste sind heute Flüchtlinge. FOTO: seybert
Geldern. Großer Andrang von Flüchtlingen: Aufnahmestopp wie in Kevelaer? Für Gelderns Tafel keine Lösung. Von Sina Zehrfeld

Die "Kevelaerer Lösung" ist nichts für den Gelderner Tafelverein. Diese Überzeugung hat die Einrichtung im vergangenen Jahr gefasst, und dabei bleibt sie, macht der Vorsitzende Alfred Mersch klar. Ein Aufnahmestopp für neue Besucher, und sei es auch ein zeitlich begrenzter, kommt nicht infrage: "Das würd unseren Grundsätzen widersprechen", so Mersch. "Wir haben gesagt, dass wir allen Hilfsbedürftigen Waren geben - wenn es auch bedeutet, dass wir teilen müssen." Und die Aktiven sind im Rückblick sicher, dass sie mit dieser Haltung den richtigen Kurs eingeschlagen haben: "Wir haben es bis heute nicht bedauert", betont Mersch.

Schon im Herbst hat sich der Vorstand des Tafelvereins mit der Frage befasst, wie die Ehrenamtler mit den aktuell drängenden Problemen umgehen wollen. Und diese Probleme sind in etwa die gleichen wie in Kevelaer. Es kommen immer mehr Flüchtlinge, die Besucher-Zahlen sind binnen Monaten in die Höhe geschossen und steigen von Woche zu Woche immer weiter an, Waren werden knapp, es gibt lange Wartezeiten für die Gäste, Helfer stoßen an Belastungsgrenzen.

Die Kevelaerer Tafel nimmt bis auf Weiteres keine neuen Kunden mehr an, das heißt, es werden keine Bedürftigen mehr durch die Organisation registriert. Die Registrierung ist überall, sowohl in Kevelaer als auch in Geldern oder anderswo, die Voraussetzung, um Lebensmittel oder andere Güter - etwa Körperpflegemittel, Waschmittel oder dergleichen - über die Tafel bekommen zu können.

Den Gelderner Helfern ist klar, dass die Kevelaerer Einrichtung mit ihrer Entscheidung nicht allein da steht. "Ich weiß von anderen Tafeln, die sich für einen Aufnahmestopp entschieden haben", so Alfred Mersch. Jede Tafel müsse da ihre eigene Position finden, und das hätten die Aktiven in Geldern getan: "Wir machen es ganz bewusst nicht." Der Grundsatz lautet: Was da ist, das wird abgegeben, und wenn es mehr Bedürftige gibt, dann bekommt jeder etwas weniger.

Wobei nicht etwa jeder Besucher einfach das Gleiche bekommt, es wird auf die persönlichen Bedürfnisse geachtet. Also: Familien werden anders bedacht als Einzelpersonen, und ein Warenkorb für Christen sieht anders aus als der für Muslime, die bekanntlich nichts mit Produkten anfangen können, in denen Schweinefleisch verarbeitet ist. Auf den Bedarf jedes Einzelnen wird Rücksicht genommen: "Das halten wir für gerecht, und da stehen wir zu", so Mersch. "Wir haben das den Tafel-Besuchern in einem Info-Blatt auch mitgeteilt", und negative Reaktionen darauf habe es nicht gegeben. Auch nicht nach der jetzt gefällten und viel diskutierten Entscheidung in Kevelaer.

Mersch betont, dass sich der Tafel-Besuch auch nach wie vor für alle Gäste lohnt. Auch, wenn es immer mal wieder knapp wird: Dank vieler Spender haben die Helfer immer noch so viel Essen und Verbrauchsgüter abzugeben, "dass die Haushaltskasse trotz allem noch spürbar entlastet wird".

Quelle: RP
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