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Geldern
Gelderns Zeit zwischen den Wahlen

Geldern: Gelderns Zeit zwischen den Wahlen
Die Präsentation der Wahlergebnisse am Sonntagabend im Bürgerforum. FOTO: Thomas Binn
Geldern. Die SPD sieht sich als Wahlverlierer. Die CDU hofft auf Stimmen von Bürgern, die einen neuen Politikstil in Geldern wollen. Die Stichwahl zwischen Ulrich Janssen und Sven Kaiser ist am Sonntag, 27. September. Von Sina Zehrfeld

Am Tag nach der Wahl geht es an Bestandsaufnahme und Analyse der Ergebnisse. Der alles entscheidende Tag ist in zwei Wochen: Am Sonntag, 27. September, gehen die Bürger wieder an die Urnen. Der amtierende Bürgermeister Ulrich Janssen und CDU-Kandidat Sven Kaiser treten gegeneinander an.

Gewinner und Verlierer der Stichwahlen in NRW FOTO: dpa, rwe fpt

Das sagt die CDU Das Wahlergebnis legt nahe, dass die Stamm-Wählerschaft der CDU sich auf Ulrich Janssen einerseits und Sven Kaiser andererseits aufgespalten hat. Ein Resultat, das von vielen eigentlich genau so erwartet wurde.

Parteichef Stefan Wolters will das aber nicht unterschreiben. "Ich glaube, dass wir in der CDU mit Sven Kaiser die Nase vorn haben", sagt er. Janssen habe einen Bonus als Amtsinhaber, sicher auch bei vielen CDU-Wählern. Aber Kaiser sei, obgleich relativ unbekannt, geradezu "nach vorne geprescht": "Die beiden lagen ja hauchdünn beieinander."

Offenbar wünschten viele Menschen einen Neuanfang: "Das war deutlich zu spüren", meint Wolters. "Übrigens auch bei denen, die vielleicht ihr Kreuzchen jetzt noch woanders gemacht haben." Die Christdemokraten erwarten also auch Rückenwind aus weniger CDU-nahen Kreisen. Man werde die nächsten 14 Tage nutzen, um Kaiser bekannter zu machen, kündigte Wolters an. "Geldern braucht diesen Neuanfang. Mit einem neuen Politikstil, mit Offenheit und Transparenz."

Das sagt die SPD "Wir haben die Wahl verloren, als SPD zusammen mit den anderen Parteien. Das lässt sich nicht schönreden", sagt der Vorsitzende Dietmar Bexkens. Zum Vergleich: Bei der Bürgermeisterwahl im Jahr 2009 wurde es noch eng für Ulrich Janssen. Damals holte SPD-Kandidat Hejo Eicker 48,58 Prozent aller Stimmen. 6698 Menschen machten ihr Kreuz für ihn. 7090 Wähler wollten Janssen.

Jörg Grahl, der nun zugleich für Grüne, Linke und Piraten antrat, landete am Sonntag bei 23,2 Prozent mit gerade mal 3043 Stimmen. Dass es ein Fehler gewesen sein könnte, sich mit vier Parteien zusammenzutun, glaubt Bexkens aber nicht. "Für uns alle vier war unser Kandidat der Richtige. Warum wir es nicht geschafft haben, das den Wählern zu vermitteln, müssen wir noch analysieren." Die Partei plant für kommenden Dienstag, 22. September, eine Mitgliederversammlung, bei der die Lehren aus dem Ergebnis diskutiert werden. Dabei soll auch entschieden werden, ob die SPD eine Wahlempfehlung für die anstehende Stichwahl ausspricht.

Das Bild in den Stadtteilen In einigen Ortschaften lag Janssen unangefochten vorne. In Vernum zum Beispiel Prozent - Kaiser ist dort weit abgeschlagen. Auch in Hartefeld und Pont hat Janssen großen Vorsprung. Das umgekehrte Bild zeigt sich in Kapellen, und auch in Lüllingen ist Kaiser etwas stärker. In Walbeck und Veert sind die Verhältnisse einigermaßen ausgeglichen.

Interessant ist es in Geldern: Nicht nur, dass Janssen das beste Ergebnis hat - Kaiser wird hier auch von Jörg Grahl überholt. Auch bei den Briefwählern hatte Janssen übringes mit einigen Prozentpunkten Abstand gewonnen.

Wie läuft die Stichwahl am 27. September ab? Vom Prozedere her genau so wie die Wahl am Sonntag, nur die Auszählung wird schneller abgewickelt sein. Auf den Stimmzetteln stehen die Kandidaten nicht mehr unter-, sondern nebeneinander. Janssen steht links, Kaiser rechts. All diese Einzelheiten sind streng geregelt.

Was tun, wenn die Wahlbenachrichtigung verloren ist? Neue Wahlbenachrichtigungen gibt es nicht, die erste gilt auch für die Stichwahl. Wer sie nicht mehr hat, kann mit seinem Personalausweis ins Wahllokal gehen. Das ist übrigens bei jeder Wahl der Fall. Die Wahlbenachrichtigung erleichtert den Ablauf, aber jeder kann seine Stimme abgeben, indem er sich ausweist. Es ist nicht selten der Fall, dass Bürger ihre Benachrichtigungen zum Stichtag nicht mehr wiederfinden.

Briefwahl beantragen für die Stichwahl Das geht ab dem morgigen Mittwoch, nachdem der Wahlausschuss des Rates das Erfordernis einer Stichwahl heute Abend offiziell feststellen muss. Das Beantragen geht per Post mit der Wahlbenachrichtigung, falls diese noch vorhanden ist, oder online über die Homepage der Stadt, oder persönlich im Rathaus mit dem Personalausweis. Wer die Sache gleich hinter sich bringen will, kann direkt im Wahlamt die Briefwahl-Stimme abgeben.

Die Wahlbeteiligung Eine niedrige Beteiligung wird für den 27. September allgemein befürchtet; für Stichwahlen wäre das nicht unüblich. Es gibt keinen kritischen Schwellenwert. Die Wahl ist gültig - auch, wenn kaum einer hingehen sollte. Je weniger Menschen aber wählen, desto schwerer fällt schon die Mobilisierung von ein paar Straßenzügen ins Gewicht. Das heißt: Es ist weniger sicher, dass die Mehrheit der Stimmen wirklich für die Mehrheit in der Bürgerschaft steht. Für einen Bürgermeister wäre das eine schwere Hypothek.

Quelle: RP
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