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Gesamtschule: Fragen und Antworten

Geldern: Gesamtschule: Fragen und Antworten
Die große Demonstration bei der Sitzung des Schulausschusses, in der es um die Gründung der Gesamtschule und die Folgen für die anderen Gelderner Schulen ging. FOTO: Zehrfeld
Geldern. In der Diskussion um die Gründung der Gesamtschule gibt es Fragen, die immer wieder gestellt werden. Und es gibt unterschiedliche Aussagen darüber, welche Entscheidungsfreiheiten die Gelderner Politik hat. Die RP liefert Antworten. Von Sina Zehrfeld

Manche Bürger stellen die Einrichtung einer Gesamtschule komplett infrage. Anderen geht es um die Verfahrensweise. Beides wird emotional diskutiert.

Warum braucht Geldern überhaupt eine Gesamtschule?

An der Sekundarschule gibt es wenige Anmeldungen, sie ist deshalb in ihrem Bestand gefährdet. Ohne sie gäbe es in Geldern aber kein Angebot für Kinder, die mit einer Hauptschul-Empfehlung von der Grundschule kommen. Die Gesamtschule wäre ein solches Angebot, und sie wird viel besser akzeptiert, glauben Politik und Stadtverwaltung.

Wer will die Gesamtschule?

Laut einer Elternbefragung im Sommer wünschten sich von 653 Familien von Grundschulkindern 167 eine Gesamtschule. Für die Sekundarschule gab es zwölf Stimmen. 208 Kinder hoffen auf einen Platz am Gymnasium, 192 Eltern setzten ein Kreuz für die Schulform Realschule - das heißt für die Liebfrauen-Realschule, die Realschule an der Fleuth oder eine Realschule ohne konkreten Wunsch. Die übrigen konnten noch nichts dazu sagen.

Warum sollen für die Gründung der Gesamtschule andere Schulen weniger Kinder aufnehmen?

Damit in der Stadt rechnerisch genügend Kinder für die neue Schule da sind. Laut Gesetz muss eine Gesamtschule mindestens "vierzügig" sein, das heißt: Sie muss mindestens vier Parallelklassen pro Jahrgang haben. Es muss genügend Kinder geben, um diese vier Klassen immer zu füllen. Darum seien in Geldern "Zügigkeitsbeschränkungen bestehender Schulen erforderlich", so die Bezirksregierung Düsseldorf.

Kann die Bezirksregierung die Genehmigung zur Gründung der Gesamtschule verweigern, wenn die Stadt Geldern andere Schulen nicht einschränkt?

Konkret im Gelderner Fall: Ja. Das erklärte die Bezirksregierung auf RP-Anfrage. Das sei möglich, weil "nur durch die beabsichtigten und empfohlenen Zügigkeitsbeschränkungen ausreichend Schüler für die Gesamtschule zusammenkommen", wie es in der Erläuterung heißt. Sollte die Behörde zu dem Schluss kommen, dass die Zahl von mindestens 100 Kindern pro Jahr für die Gesamtschule nicht zustande kommen wird, dann "muss die Genehmigung versagt werden", so die Bezirksregierung.

Könnten statt der Realschule nicht die Gymnasien Schüler abgeben?

Prinzipiell ja. Wilfried Schönherr, Schulleiter der Fleuth-Realschule, hat Anfang des Jahres einen Vorschlag vorgelegt, der in diese Richtung lief. In der Politik sei der Ansatz danach diskutiert worden, sagt Bürgermeister Sven Kaiser: "Diese Lösung fand keiner gut."

Kann die Politik der Realschule an der Fleuth in kommenden Jahren - wenn die Gründung der Gesamtschule geglückt ist - wieder mehr Eingangsklassen zugestehen?

Gewünscht wäre das: Vertreter der Stadt und Politiker haben diese Variante wiederholt in Aussicht gestellt. Ob es aber wirklich möglich ist, ist fraglich. Die Bezirksregierung glaubt jedenfalls, das gehe "aller Voraussicht nach nicht", wie die Behörde auf RP-Anfrage antwortete.

Voraussetzung für die Genehmigung der Gesamtschule sei nicht nur, dass im ersten Jahr mindestens 100 Schüler zusammenkommen, "sondern auch, dass diese Schülerzahl gesichert über fünf Jahre erreicht wird", betont die Behörde.

Der zuständige Abteilungsleiter bei der Bezirksregierung, Thomas Hartmann, hat die Stadt gewarnt. Schriftlich teilte er ihr mit: "Ich weise bereits jetzt darauf hin, dass ich Abweichungen von den von Ihnen geplanten Zügigkeitsbeschränkungen in den Folgejahren als nicht genehmigungsfähig ansehe."

Ist die Lokalpolitik in Geldern denn nicht frei, über die "Zügigkeit" der Schulen zu entscheiden?

Nein. Die Lokalpolitik ist zwar dafür zuständig, die notwendigen Beschlüsse zu fassen. Sie muss sich aber an Vorgaben halten, und die Bezirksregierung muss alles genehmigen. Im konkreten Gelderner Fall könnte die Politik keine Gesamtschul-Gründung beschließen, ohne im Gegenzug andere Schulen so einzuschränken, dass genügend Schüler dafür "frei werden".

Warum hat die Stadt nicht beantragt, dass die Sekundarschule zur Gesamtschule umgewandelt wird?

Anfänglich gab es dagegen Vorbehalte in der Politik. Dann teilte die Bezirksregierung mit, dass sie die Genehmigung verweigern würde. Ein förmlicher Antrag, so Schuldezernent Helmut Holla, würde demnach abgelehnt, dann könnte die Stadt klagen. Die Neugründung einer Gesamtschule in 2018 wäre zeitlich dann nicht mehr machbar.

Ist die CDU in der Sache gespalten? Ein Gerücht sagt, zur entscheidenden Sitzung des Schulausschusses hätten mehrere CDU-Politiker deshalb Vertreter geschickt.

"Das kann ich klar verneinen", sagt Fred Backus, stellvertretender Fraktionschef. "Der Beschluss bei uns in der Fraktion war diesbezüglich einstimmig. Wir stehen auch hundertprozentig hinter diesem Beschluss." Tatsächlich waren fünf der sieben regulären CDU-Vertreter bei der Sitzung auch anwesend. Nur zwei ließen sich aus privaten Gründen und wegen Krankheit vertreten.

Sind die Beschlüsse des Schulausschusses in Stein gemeißelt?

Nein. Der Schulausschuss ist federführend, der endgültige Beschluss muss im Rat gefällt werden.

Quelle: RP
 
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