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Geldern
Gesamtschule: Fragen und Skepsis

Geldern: Gesamtschule: Fragen und Skepsis
Wo soll die Reise hingehen für die Kinder der Gelderner Schullandschaft? Realschule, Gymnasium, Gesamtschule - die Eltern wünschen sich die Wahl. FOTO: mvo
Geldern. Die Gründung einer Gesamtschule ist weiter das Ziel in Geldern. Das hat die Politik klargemacht. Sie warf aber auch neue Diskussionspunkte auf. Unsicherheit gab es wegen der großen Elternbefragung: Kurzzeitig hieß es, die sei nicht gültig. Von Sina Zehrfeld

Die Stadt soll weiter eine Gesamtschule bekommen. Die Vorbereitungen werden vorangetrieben, das hat der Schulausschuss des Stadtrates am Dienstagabend entschieden. So weit, so erwartet. Unerwartet war die üble Überraschung des Abends: Die Bezirksregierung hatte mitgeteilt, dass die groß angelegte Elternbefragung von Juni, die die Politik sich zur Grundlage für ihre Weichenstellung gemacht hat, den Anforderungen nicht genüge. Es müsse eine neue her.

Einiges wurde an der Befragung bemängelt: Eine zu allgemein gehaltene Formulierung zum "Wunsch" nach einer Schulform; dass die Gelderner Gymnasien nicht einzeln aufgeführt waren; dass der geplante Standort für eine neue Gesamtschule - nämlich die Innenstadt - nicht eigens genannt war.

Gestern war all das aber schon wieder vom Tisch, wie Bürgermeister Sven Kaiser auf Anfrage beruhigte. Er habe Rücksprache mit der Bezirksregierung gehalten: "Wir haben die Auskunft bekommen, dass wir auch mit der Elternbefragung, die wir haben, in das Aufnahmeverfahren einsteigen können."

Das heißt: Die Verwaltung darf eine Gesamtschule planen. Das sei jetzt sicher, betonte Kaiser. Ob es wirklich zur Gründung kommt oder nicht, das sei dann ohnehin abhängig von den Anmeldezahlen für das Schuljahr 2018/2019. "Letztendlich maßgeblich ist: Ich brauche 100 Kinder, die sich an dieser Schule anmelden", sagt Kaiser. "Dann kommt sie zustande, sonst nicht." Aber die Stadt müsse im Vorfeld keine neue Elternbefragung mehr durchführen: "Wir müssen nicht, und wir werden nicht", so Kaiser.

Das Votum im Schulausschuss war am Dienstagabend einhellig: Alle Parteien befürworten die Gesamtschule. Doch gab es auch parteiübergreifend Skepsis. Vor allem von der CDU kamen kritische Fragen. Schließlich hätten sich seit der Erstellung des Schul-Gutachtens, nach dem man sich immer gerichtet habe, die Rahmenbedingungen geändert. "Dazu gehört G8 / G9, dazu gehört die Sicherung der Realschule", sagte Frank Sprünken (CDU). Michael Cools (CDU) meldete Bedenken zur Oberstufe der Gesamtschule an: 42 Schüler brauche man da im Jahrgang. "Was passiert denn mit einer Gesamtschule, wenn diese Schülerzahlen auch in nachfolgenden Jahren nicht erreicht werden?" Immerhin, ergänzte Parteifreundin Hauke Sieberichs, sei mal eine sechszügige Gesamtschule angedacht gewesen, "jetzt sind wir schon bei einer vierzügigen".

Überhaupt ging das alte Schul-Gutachten noch von der Schließung der Realschule an der Fleuth aus, betonte Fred Backus (CDU). Nun stehe aber im Raum, dass Realschule sowie Gymnasien "nur" weniger Kinder aufnehmen. Die Abgewiesenen aber, "die gehen ja dann nicht automatisch zur Gesamtschule", meinte Backus.

Der Schul-Gutachter Heinfried Habeck habe errechnet, dass die Gesamtschule auch unter den neuen Bedingungen laufen könne, informierte dazu die Stadtverwaltung. In der Oberstufe seien Kooperationen mit Gymnasien und Berufskollegs möglich. Und ob die Gesamtschule tatsächlich "nur" vierzügig würde, bleibe abzuwarten, betonte Dezernent Helmut Holla. Dabei gehe man allein von den Anmeldungen aus, die aus Geldern zusammenkämen: "Was darüber hinaus aus Nachbarkommunen zu uns kommt, kommt obendrauf."

Die Sekundarschule hat den Wunsch, zur Gesamtschule umgewandelt zu werden. Die Alternative ist, dass sie ausläuft. Andreas van Bebber (SPD) bat die Stadtverwaltung, in Erfahrung zu bringen, "wie die Bezirksregierung dazu aus schulrechtlichen Aspekten und Erwägungen steht".

Angesichts der vielen Unsicherheiten stellten die Politiker im Ausschuss die Frage in den Raum, ob die Gesamtschule wirklich schon 2018 aus der Taufe gehoben werden müsse; ob der große Zeitdruck wirklich nötig sei. Die Antwort: Für eine Umwandlung der Sekundarschule sei das tatsächlich der letzte Termin.

Vor allem aber wolle man, sagte Bürgermeister Kaiser, die Bürger auch langsam wissen lassen, wie es mit der Schullandschaft weitergeht. Man müsse auch in die Raumplanung einsteigen. "Alles Themen, die sonst wieder um ein Jahr geschoben werden", so Kaiser.

Quelle: RP
 
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