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Geldern
Geschichtsthemen emotional angepackt

Geldern. Schüler aus dem Kreis beim jährlichen Wettbewerb des Bundespräsidenten erfolgreich. Von Monika Kriegel

Die jungen Menschen aus dem Gelderland waren auf Spurensuche. Denn zum Thema "Anders sein" hatte der Bundespräsident in seinem jährlichen Geschichtswettbewerb aufgerufen. Zu den hiesigen Preisträgern, die mit einem Förderpreis in Höhe von 100 Euro ausgezeichnet wurden, gehört Melissa Kiwitt, die die Stufe EF des Friedrich-Spee-Gymnasiums in Geldern besucht. Ihr 24-seitiger Beitrag: "Contergan - früher war doch alles besser ...?!" Die 15-Jährige Alpenerin erhielt von ihrer Mutter den Impuls, sich dem Thema zu widmen. "Dabei habe ich mich auf die menschliche Beziehungs-Ebene beschränkt, weniger die rechtliche. Mit Bärbel Drohmann habe ich eine Betroffene befragt, die viel aus ihrem Leben erzählte. Meine Aufzeichnungen beschreiben, wie Frau Drohmann in der Schule und später gehänselt wurde. Ja wie ihr beispielsweise die Mitschüler bewusst Gegenstände hochgelegt hatten, damit sie mit ihren verkürzten Armen nicht heran kam."

Das Straelener Abiturienten-Trio Corinna Werner, Melanie Jansen und Leon Geerkens schickte ein fiktives "Tagebuch der Ilse Mendel" ein. Melanie Jansen: "Wir wollten Geschichtliches skizzieren und eine emotionale Ebene schaffen. Im Straelener Stadtarchiv haben wir anhand der Aufzeichnungen versucht, uns in die Person hinein zu versetzen und historische Begebenheiten aus dem Dritten Reich mit dem Privat-Leben der Straelener Jüdin vermischt. Ilse Mendel muss damals etwa so jung gewesen sein wie wir heute. Wir haben ihr eine Liebesgeschichte ins Tagebuch reingeschrieben und äußere Geschichtsfakten wie das Nürnberger Rassegesetz und Auszüge einer Hitlerrede. Dann haben wir uns überlegt, wie Ilse Mendel dies ihrem Tagebuch anvertraut haben könnte." Tutorin des eingereichten Beitrages war Lehrerin Julia Huckewitz, die übrigens ihren gesamten Zusatzkursus zur Teilnahme verpflichtet hatte.

Die wahre Jüdin Ilse Mendel ist, so der Straelener Archivar Keuck, mit ihrem Bruder früh nach Amerika geflohen. Der Rest ihrer Familie, deren Stolpersteine vor der alten Wohnstätte auf der Bahnstraße in Straelen verlegt wurden, ist umgekommen.

Quelle: RP
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