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Kerken
Gesucht: Flotte Bienen für Imkerverein

Kerken: Gesucht: Flotte Bienen für Imkerverein
Hedwig Janssen, Renate Adrian und Sylvia Hörnlein begeistern sich für die Bienenzucht. FOTO: Gerhard Seybert
Kerken. Die Imkerei liegt traditionell in männlicher Hand. Frauen stecken nur selten in der Imkerjacke. Die Frauen eines Vereins in Kerken wollen, dass sich das ändert. Frauen und Bienen - das passe einfach gut zusammen. Von Antje Seemann

Wenn die Frauen des Imkervereins Kerken aufeinander treffen, geht es sofort ans Eingemachte. Renate Adrian hat gerade ganz frischen Honig parat. Gemacht haben den ihre eigenen Bienenvölker. Etiketten für die Honiggläser hat sie auch schon vorbereitet: "Blütenhonig aus dem Trachtgebiet Aldekerk" steht drauf. Die Ernte wollen sich ihre beiden Vereinskolleginnen nicht entgehen lassen und probieren die "Spättracht" - also den Sommerhonig - der Imkerin.

"Die Frühtracht ist der Honig aus dem Frühling", erklärt Adrian. "Das sind dann vor allem Obstblüten, Schneeglöckchen. Eben alles, was im Frühjahr schon blüht." Das wirkt sich auch auf den Geschmack aus. "Der spätere Honig schmeckt voller", sagt die Imkerin. Die meisten ihrer Bienenvölker stehen auf dem Vereinsgelände - dem so genannten Bienenberg in Aldekerk. Aber auch im eigenen Garten hat sie Platz für ihr Hobby geschaffen. Aktuell stehen zwei Bienenstöcke hinter ihrem Haus in dem - natürlich - bienenfreundlich angelegten Garten, mit Wildblumen, Lavendel, Obstbäumen und -sträuchern und allem, was viele Pollen hat.

Die Bienen sind für Renate Adrian allerdings viel mehr als nur ein Hobby oder ein Weg zu frischem Honig: "Hier kann ich etwas Sinnvolles für den Naturschutz tun." So geht es auch ihren Vereinskolleginnen. Nachwuchs zu finden, der sich auch in Zukunft um die Bienen kümmert, ist ihnen sehr wichtig: "Wenn die Biene nicht mehr ist, dann ist es aus mit der Natur", sagt Hedwig Janssen. Die Kempenerin ist seit zehn Jahren im Kerkener Imkerverein, hat sechs Bienenvölker und gibt ihr Wissen auch an Schulklassen weiter. "Die Kinder haben oft keine Angst vor den Bienen. Die interessieren sich eher dafür, ob die Drohnen nicht stechen, und wollen die dann auf die Hand nehmen. Und ob die Königin auf einem Thron sitzt, fragen die."

Imkerin und Biologin Sylvia Hörnlein aus Aldekerk besucht demnächst eine Fortbildung zur "wesensgemäßen Bienenhaltung". Auch ihr ist die Imkerei eine Herzensangelegenheit: "Unsere Bienen können nicht mehr ohne den Menschen auskommen. Das hängt mit der Varroa-Milbe zusammen." Diese Milbe wohnt in den Zellen im Bienenstock und befällt die Larven der Insekten. Hörnlein: "Das führt zu Fehlbildungen bei den Bienen. Die haben dann keine Flügel oder keine Beine." Doch natürlich ist der Mensch gleichzeitig auch ein Problem für die Tiere. Hörnlein: "Spritzmittel haben Einfluss auf die Bienen. Die nehmen das auf und haben neurologische Ausfälle. Die finden dann nicht mehr zum Stock zurück." Die Biologin hatte länger überlegt, ob sie genug Zeit für eigene Bienenvölker hat. Jetzt ist sie aber froh, sich vor drei Jahren dafür entschieden zu haben: "Das sind einfach interessante und nützliche Tiere."

Außerdem passen Frauen und Bienen einfach gut zusammen, findet Renate Adrian: "Das ist eine spannende Sache. Die Biene ist ein staatenbildendes Lebewesen mit einer Königin an der Spitze. Die Männer stehen hier in der zweiten Reihe." Hier organisieren eben die Frauen das Gemeinwesen. Diese launige Betrachtung steht aber deutlich hinter ihrer Faszination für die Insekten. Über Bienen gibt es jede Menge zu lernen. Zum Beispiel, warum sie schwarze Kleidung bei Menschen nicht mögen. Hörnlein: "Der natürliche Feind der Biene ist der Bär. Und der ist ja dunkel. Deshalb ist unsere Imkerkleidung weiß."

Ihr ganzes Imkerwissen haben die Frauen vor allem von den anderen Imkern. Gerade am Anfang sei es wichtig, gut angelernt zu werden, erzählt Adrian: "Erst mal hilft man mit, bekommt Grundsätze gezeigt - jeder Imker hat ja auch seinen eigenen Stil. Und dann muss man die Waben richtig lesen lernen. Wie unterscheiden sich die Zellen? Was bedeutet es, wenn die braun oder rot sind? Wo ist das Brutnest? Wo ist das Futter? Wie viel muss ich im Winter dazu füttern?" Also hat sie ihren Bienenmentor erst mal ein ganzes Bienenjahr begleitet.

Interessierte können zum Bienenberg in Aldekerk kommen oder sich bei dem Vorsitzenden des Imkervereins Franz-Otto Smits telefonisch unter 02833 7128 melden.

Quelle: RP
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