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Die Kandidaten
Grahls Tipp gegen Stress: mehr arbeiten

Die Kandidaten: Grahls Tipp gegen Stress: mehr arbeiten
Jörg Grahl in seinem Garten. Er wohnt idyllisch, aus den Sprossenfenstern schweift der Blick in alle Richtungen ins Grüne. Von hier aus will er das Rathaus in Geldern einnehmen - er rechnet sich gute Chancen auf einen Sieg aus. FOTO: Gerhard Seybert
Geldern. Der Bürgermeisterkandidat von SPD, Grünen, Linken und Piraten Jörg Grahl hat ein Wahlkampfteam mit Köpfen aus allen vier Parteien. Er setzt auf Planung und Organisation. In der letzten Phase will er intensiv unter die Leute kommen. Von Sina Zehrfeld

Jörg Grahl hat gebacken für den Besuch. Dortmunder Salzkuchen, "mein Wahlkampfrezept", sagt er. Aber eigentlich entspannt er sich nicht bei der Küchenarbeit. Was er tut, wenn's anstrengend wird im Wahlkampf: mehr arbeiten. "Noch mehr konzentrieren auf das, was zu leisten ist", sagt er. "Mich entspannt innerlich das Gefühl, dass ich gut vorbereitet bin." Stress habe ihn deshalb noch gar nicht erreicht: "Stress ist eine Situation, in der ich nicht weiß, wie sie endet" - und bis jetzt hat er das Gefühl von Kontrolle.

Er könnte sonst vielleicht auch beim Blick nach draußen Ruhe finden. Grahls Zuhause liegt wahrhaft idyllisch. Eine Wohnung in einem einst herrschaftlichen Landhaus am Waldrand bei Kapellen, aus großen, weißen Sprossenfenstern schweift der Blick ins Grüne. Über den Hof tapern Henne und Hahn, eine pelzige schwarze Katze liegt faul vor der Haustür, auf der Koppel grast ein Esel vor einem alten Schuppen. Im Hausflur schwelen Räucherstäbchen am Fuße einer indischen Statue: "Hat meine Frau auf irgendeinem Trödelmarkt erstanden", gibt er Auskunft.

Wie der Wahlkampf vorangeht? "Er läuft - ohne überheblich zu sein - wie ich es geplant habe", sagt Grahl. Und geplant wurde und wird ständig eine ganze Menge. Von Plakaten über "Wahlkampfzeitung" oder Homepage bis zu prominenten Gästen, die auf seine Einladung nach Geldern kamen - alle Phasen dieser Zeit scheinen wohlorganisiert. Mit Diskussionsveranstaltungen und öffentlichen Auftritten hat Grahl Themen unters Volk gebracht. Das Hausärztezentrum zum Beispiel: Er sei "absolut überzeugt, dass es eine der drängendsten Aufgaben der neuen Verwaltung ist, dem Absterben der Hausärteversorgung entgegenzuwirken", sagt er.

Da sind seine Ideen für das alte Möbellager am Holländer See, oder sein Plädoyer für W-Lan in der City: "Ein Wegducken vor dem Internetverkauf ist nicht möglich." Seinem Diskussionsabend zu diesem Thema blieben ausgerechnet die Einzelhändler fern, das ärgert ihn. Aber ansonsten seien immer um die 100 Interessierte zu seinen Veranstaltungen gekommen, und zwar nicht nur treue Anhänger: "Bunt gemischt".

Er habe viele Bürger erreicht, glaubt Jörg Grahl. In der letzten Zeit vor der Wahl will er mehr raus auf die Straße, Hausbesuche machen.

Ihm zur Seite steht ein kleines Wahlkampfteam. Wöchentlich gibt es eine Telefonkonferenz, täglich Absprachen, aus jeder Partei ist mindestens ein Mitglied dabei. Das habe Folgen, meint Grahl: Zwischen den Parteien werde mehr geredet. Auch habe er inzwischen schon ganz gute Kontakte in die "modernere CDU".

Jenseits der Parteiencliquen sei seine Ehefrau Anne eigentlich seine wichtigste Wahlkampfhelferin. Sie filtert Facebook, liest Texte gegen, kommt mit zu Veranstaltungen. Sie wusste wohl, auf was sie sich einließ: "Meine Frau hat ja zig Jahre miterlebt, in denen ich politisch tätig war. Insofern ist sie ein bisschen durchtrainiert, was Wahlkämpfe angeht." Seine beiden erwachsenen Töchter hingegen seien doch gelegentlich irritiert, wenn sie als "Tochter von..." angesprochen werden.

Von seinem abgelegenen Zuhause aus hat Grahl den Blick aufs Rathaus geheftet. Er wolle seine Ideen umsetzen, sagt er. Darauf freue er sich. Seine Prognose für den 13. September: Stichwahl zwischen Ulrich Janssen und ihm. "Das sagen zumindest die Leute auf der Straße."

Quelle: RP
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