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Straelen
Grandioser Auftakt des Orgelherbstes

Straelen: Grandioser Auftakt des Orgelherbstes
Der aus Manchester stammende Organist Martin Baker beeindruckte beim Auftaktkonzert in Straelen. FOTO: gerhard Seybert
Straelen. Martin Baker, musikalischer Leiter der Westminster Cathedral in London, zeigte sein Können. Von Udo Spelleken

Zum 19. Internationalen Orgelherbst begrüßte Kantor und Organist Otto M. Krämer am Wahlsonntag den aus Manchester stammenden Organisten Martin Baker, der seit 2000 musikalischer Leiter der Westminster Cathedral in London ist. Zu den zahlreichen Zuhörern gewandt meinte Krämer: "Sie haben heute richtig gewählt," und versprach einen attraktiven und musikalisch auserlesenen Orgelherbst.

Davon konnte sich das Publikum mit einem "feurigen, dynamischen und über alldem lebendigen Spieler", wie ihn die Fachpresse bezeichnet, überzeugen. Bereits in der "Fantasia & Fuge in g-Moll BWV 542" von Johann Sebastian Bach bot Baker ein schier unerschöpfliches Reservoir an Klang- und Registerkombinationen. Er nutzte die interessanten Kombinationen der Stockmann-Orgel und spielte mit gewinnender Virtuosität, gepaart mit untrüglichem Stilgefühl. In den Variationen über "Mein junges Leben hat ein End" des Niederländers Jan Pieterszoon Sweelinck, einem Vertreter der Norddeutschen Orgelschule, dominierten die Flöten in allen Schattierungen. Schnelle und häufige Wechsel der Manuale und sehr eigenständiges Pedalspiel machten dieses Werk aus. In den Variationen über "God Save the Queen" von Samuel Wesley vereinte Baker klar zeichnende, klangstarke Register. Zur adäquaten Deutung dieser substanzreichen Modifikationen standen alle notwendigen Farben zur Verfügung. Lieblich und zart erklang der "Chant de mai" von Joseph Jongen, dem wohl bedeutendsten belgischen Komponisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In einem locker gefügten und unbeschwerten musikalischen Kontext war hier neben aller Förmlichkeit eine angenehm harmonische Farbigkeit zu hören. Sein Temperament ließ Baker im "Allegro" und "Final" aus der Symphonie 1 op. 14 von Louis Vierne spüren. Mit einer wunderbaren, absichtsvoll diffusen Weichheit der einzelnen Stimmen, entstand auf den dramatischen Höhepunkten oftmals der Eindruck einer flammenden Klangwolke. Es fiel Baker offensichtlich leicht, sich in Viernes komplexer Harmonik zurecht zu finden. Gleichwohl steckte dahinter ein ausgeprägtes Formbewusstsein. In seiner abschließenden Improvisation über die englische und deutsche Nationalhymne fügte sich ein großer, variantenreicher Klang in einem fantastisch verschmelzenden Gesamtbild. Einerseits konnte die notwendige Sphäre des sensibel zurückgenommenen Zartgefühls ansprechend entfaltet werden, andererseits wartete Baker mit Registrierentscheidungen auf, die er auch in Momenten äußerster Klangballung deutlich und profiliert zu artikulieren verstand. Ein grandioser Auftakt des Orgelherbstes.

Quelle: RP
 
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