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Geldern
Hacking-Verdacht im Rathaus zerstreut

Geldern: Hacking-Verdacht im Rathaus zerstreut
Wie sicher ist der Datenverkehr im Rathaus? Sicher, sagen die Experten beim Kommunalen Rechenzentrum und bei der Stadt. Und auch die Lokalpolitik ist davon jetzt gänzlich überzeugt. FOTO: Seybert
Geldern. An eine Cyber-Attacke auf Computer im Rathaus, speziell den von Bürgermeister Ulrich Janssen, glauben weder Experten noch Politiker. Umso mehr ist Janssen in der Facebook-Affäre unter Druck: Er hatte über Hacking spekuliert. Von Sina Zehrfeld

Die Ratssitzung von gestern Abend hat die Lokalpolitiker aller Parteien beruhigt, was die Sicherheit der Bürgerdaten im Rathaus angeht. Horst Hermanns, Geschäftsführer des zuständigen Kommunalen Rechenzentrums Niederrhein (KRZN), referierte über ausgeklügelte Sicherheitssysteme, Schutzvorkehrungen, Alarm-Mechanismen, Prüfungen. Fazit: "Wir haben kein Datenleck."

Markus Peukes (Piraten) fasste die Ausführungen schließlich zusammen: "Die Bürgerdaten sind also sicher." Unzulässige Zugriffe von außerhalb auf den Bürgermeister-Rechner seien nicht erfolgt, "einen Hacker-Angriff auf das KRZN gab es nicht". Was dafür sorgte, dass sich der Blick der Kritiker in der "Facebook-Affäre" umso mehr auf Ulrich Janssen selbst verengte.

Bei Janssens Online-Abstimmung zum Kapuziner-Karree wurden bekanntlich über 200 Stimmen von seinem eigenem Facebook-Konto aus abgeben. Etwa 180 dieser Klicks stammten zudem auch noch von einem Verwaltungs-Computer. Ulrich Janssen hatte zur Erklärung angedeutet, sein Dienstrechner könnte gehackt worden sein.

Die Politiker im Stadtrat kamen aber zu dem Schluss: Wer auch immer da abgestimmt hatte, war wohl zurecht im Computersystem des Rechenzentrums unterwegs. Etwa müsste ein Verwaltungsmitarbeiter an seinem Arbeitsplatz Janssens Facebook-Account gehackt haben. Auch darauf gibt es bislang keine Hinweise.

Oder, so der Schluss von Markus Peukes (Piraten): Janssen selbst hätte seinen Computer und Passwörter irgendeinem Übeltäter zugänglich gemacht. Oder, der Bürgermeister hätte eben doch einfach selbst geklickt. Experte Horst Hermanns bestätigte dieses Resümee: "Das würde ich so unterstützen."

Dezernent Joachim Ingenillem führte aus, dass den Mitarbeitern die private Internet-Nutzung am Arbeitsplatz eigentlich untersagt sei. Und zwar allen und jedem in der Verwaltung, auch dem Bürgermeister. Ein Verbot, das im Rathaus wohl wie in vielen Unternehmen nicht allzu streng durchgesetzt wird.

Für Verwirrung sorgte nur ein Zitat aus den entsprechenden Dienstvorschriften. Darin heißt es nämlich, dass die Internetnutzung protokolliert werde und jederzeit überprüft werden könnte. Und das würde schließlich bedeuten: Es ließe sich ganz genau herausfinden, von welchem Rechner aus bei der Online-Abstimmung geklickt wurde. Tatsächlich ist das aber nicht der Fall, wie Ingenillem nach der Ratssitzung revidierte. Die entsprechenden Protokolle werden aus Datenschutzgründen grundsätzlich nach kurzer Frist gelöscht.

CDU-Fraktionschef Karl-Heinz Lorenz sah am Ende mit Genugtuung, dass inzwischen niemand mehr eine Prüfung durch externe Experten für nötig hält; auch nicht SPD, Grüne und die Fraktion Linke/Piraten. CDU und FDP hatten so eine Prüfung, die für die Stadt teuer geworden wäre, unlängst noch mit ihrer Mehrheit verhindert.

Quelle: RP
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