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Straelen
Hans Gerzlich ätzt gegen Berufswelt-Missstände

Straelen. Es war ein Abend mit zuweilen galligem Humor. Eine Vorstellung, bei der den Zuschauern im Forum hin und wieder das Lachen im Halse stecken blieb. Vielleicht, weil vielen das, was Hans Gerzlich äußerte, aus dem Berufsalltag nur allzu bekannt vorkam.

Zum Beispiel der Satz "Wir haben nicht genug Personal, um die Arbeit zu erledigen; dafür erledigt die Arbeit das Personal". Oder die Bemerkung von Chefs, das könne "eben mal" gemacht werden. Wie so mancher im Büro zurechtkommen muss, hat der Diplom-Ökonom aus Gelsenkirchen in seinem Programm "So kann ich nicht arbeiten" aufgegriffen. Im Mittelpunkt stand die aktuelle Berufskrankheit Nummer eins, der Burnout.

Gerzlich, der auf Einladung des Kulturrings zum ersten Mal in Straelen gastierte, stellte die Wartezimmersituation in der Praxis eines Neurologen dar. Als hilfesuchender Anzugträger räsonierte er über den allgemeinen gesellschaftlichen Abwärtstrend. Das Bildungsniveau bescheiden ("Bachelor? Früher hieß das Hauptschulabschluss"), die Sprache verkommend, als wichtigste Nachrichten der Privatsender der Liebesurlaub irgendeines Promi-Paars, wobei ARD und ZDF allerdings kaum besser seien.

Besonders ausgiebig nahm der Kabarettist den Büroalltag aufs Korn. Chaotisches Durcheinander heiße heute Multitasking. Bei Meetings gewinne der, der am besten bluffen könne. Nur in der Wirtschaftswissenschaft komme es vor, dass zwei Vertreter an einem Tag völlig Gegensätzliches als Wahrheit verkündeten. Ätzenden Spott widmete er den schwarzen Schafen unter den Managern. Eine Grundvoraussetzung für deren Karriere sei Gier. Und um Manager des Jahres zu werden, müsse man sich möglichst asozial verhalten.

Nach der Pause saß Gerzlich wieder im Wartezimmer des Nervenarztes, nur vier Wochen später. Den Anzug hatte er gegen Freizeitkleidung eingetauscht. Und als Rezept dagegen, Burnout zu bekommen, nannte er: Burnout haben. Mit Beispielen für auffälliges Verhalten im Büro umriss er die Strategie, um dieses Leiden diagnostiziert zu bekommen. Wer im Beruf scheitere, könne immer noch Unternehmensberater oder Anlageberater werden, spielte Gerzlich auf zwei von ihm harsch kritisierte Professionen an. Und zur ganz großen Not bleibe das Dasein als Kabarettist.

Den rund 150 Zuschauern gefiel Gerzlichs Straelener Premiere. Er musste eine Zugabe liefern.

(kla)
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