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Geldern
Hartes Wasser und Asbest in den Rohren

Geldern: Hartes Wasser und Asbest in den Rohren
Trotz Asbest-Leitungen ist das Wasser der Stadtwerke Geldern einwandfrei. Claus van Vorst, Technischer Leiter der Stadtwerke, erklärt Hintergründe. FOTO: VDS
Geldern. Rund 100 Kilometer Gelderner Wasserleitungen bestehen aus Asbest-Zement. Das löst Ängste aus. Die Stadtwerke erklären und beruhigen. Sie erläutern aber auch: Weicheres Wasser sollte man sich wegen dieser Rohre nicht wünschen. Von Sina Zehrfeld

Als die Wasserleitungen aus Asbest-Zement in den 60er Jahren in Gelderns Untergrund verlegt wurden, "da war das der Werkstoff der Stunde", erzählt Claus van Vorst, Technischer Leiter der Stadtwerke. "Unverwüstlich, kein Metall und nicht korrosiv. Eine Lebensdauer von bis zu 140 Jahren hat man den Leitungen gegeben", blickt er zurück. "Heute wissen wir es besser."

Zwar sei die Wasserqualität aus den alten Leitungen nach wie vor einwandfrei. Aber erstens ist das Asbest-Zement-Material sehr hart und spröde, deshalb gibt es häufiger Rohrbrüche. Und zweitens weiß man heute, was für ein Teufelszeug Asbest ist.

Der Stoff gelange zwar keinesfalls ins Trinkwasser. "Da werden keine Asbestfasern abgelöst", stellt van Vorst fest. "Da besteht absolut keine Gefahr." Aber: Damit das so bleibt, darf das Wasser nicht wesentlich weicher werden. Eine Kundenbeschwerde über den Härtegrad des Gelderner Wassers rückt diesen Zusammenhang in den Fokus.

Hartes, stärker kalkhaltiges Wasser greift die Oberfläche des Asbestzements nämlich nicht an. Weiches Wasser hingegen wäre "kalkzehrend", so van Vorst. Das heißt: Weiches Wasser könnte den Zement anlösen, und dann würde Asbest frei. "Das ist ein Aspekt, den wir beachten müssen."

Für die Gelderner Stadtwerkekunden ist dieser Umstand aber gar nicht ausschlaggebend, betont van Vorst zugleich. Denn die Stadtwerke würden, Asbest hin oder her, ohnehin auf keinen Fall eine Wasserenthärtung in Erwägung ziehen.

Das Gelderner Trinkwasser liegt bei einem Härtegrad von 14,7. Damit gilt es so gerade eben als "hartes" Wasser. Zwischen den Werten 7 und 14 spricht man noch vom mittleren Bereich. "Hartes Wasser" hat man bis zu einem Härtegrad von 21, alles darüber ist "sehr hart".

"Unser Wasser ist einfach nicht hart genug, als dass man eine Enthärtung betreiben sollte. Das wäre nicht wirtschaftlich", schlussfolgert van Vorst. Und unüblich sei es auch.

Das bestätigt das Institut IWW (Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasser Beratungs- und Entwicklungsgesellschaft). Eine zentrale Aufbereitung, um weicheres Wasser zu erzielen, sei "erst bei deutlich höheren Härten" angezeigt, heißt es in einer Stellungnahme. Klagen über verkalkte Wasserhähne oder Haushaltsgeräte seien überdies die absolute Ausnahmen, sagt Claus van Vorst: "Aus dem Kundenkreis und von Installateuren bekommen wir nur sehr wenige Beschwerden. Das ist vielleicht mal eine im Jahr."

Ihre alten Leitungen aus Asbestzement beseitigen die Stadtwerke sukzessive. "Wir tauschen im Jahr mindestens etwa drei Kilometer aus, wenn es gut läuft sogar sechs Kilometer, um den Werkstoff nach und nach komplett loszuwerden", so van Vorst. Etwa 100 Kilometer liegen noch im Boden, "in 25 Jahren sind wir damit durch", stellt er in Aussicht.

Auch bei Rohrbrüchen bestehe übrigens keine Gefahr für die Trinkwasserqualität, denn in diesen Fällen werde ja Wasser mit einigem Druck aus der Leitung herausgespült. Bei den anschließenden Reparaturarbeiten allerdings, bei denen das Rohr trockengelegt werde, müsse man sehr darauf achten, die eingesetzten Mitarbeiter nicht zu gefährden. Darin hätten die Fachleute aber Routine.

Nach der Abkehr vom Asbestzement als Werkstoff hat man Wasserleitungen übrigens aus PVC hergestellt. Heute wird Polyethylen verwendet.

Quelle: RP
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