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Wirtschaftsförderung Kreis Kleve nnd RP präsentieren Weichenstellungen für Generationen (3)
Haus Riswick - Wir sind Landwirtschaft

Wirtschaftsförderung Kreis Kleve nnd RP präsentieren Weichenstellungen für Generationen (3): Haus Riswick - Wir sind Landwirtschaft
Rund 300 Hektar Acker- und Weideland, dazu moderne Stallungen, Melkstände und diverse Gebäude für die Schulungen des beruflichen Nachwuchses. FOTO: Archiv
Geldern. Das Klever Versuchs- und Bildungszentrum ist der Nachfolger der "Melkerschule" von 1920. Heute geht es auf Haus Riswick zugleich um Berufsbildung und Verbraucherinformation. Neben konventionellem auch ökologischer Landbau. Von Dieter Ackermann

kreis kleve Mit Fug und Recht darf Haus Riswick in Kleve von sich behaupten: Wir sind Landwirtschaft. Die Einrichtung ist eine von zwei Versuchs- und Bildungszentren der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Alles fing 1920 mit einer Melkerschule auf dem Riswicker Nachbarbetrieb "Gut ten Berge" an, die 1959 ins Haus Riswick verlegt wurde. Bis Ende der 50er Jahre nahmen dort vor allem Berufsmelker ihren Blockunterricht wahr. Als in den Folgejahren steigende Lohnkosten die Mechanisierung des Melkens voranbrachten, wechselte der Berufsfokus vom Melker vor allem zu den Landwirtschaftslehrlingen, die dort fortan ausgebildet wurden und werden.

Darüber hinaus musste sich die moderne Landwirtschaft immer mehr der Untersuchung von Haltungsverfahren, Tierarten, Futtermitteln, Futterkonservierung, Zuchtmethoden sowie der Mechanisierung widmen. Schnell wurde klar: Ein in Eigenregie geführter Betrieb musste her. 1956 wurde das Gut Haus Riswick zunächst gepachtet und später von der Landwirtschaftskammer Rheinland erworben. Dem Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Riswick - so der heutige Begriff - stehen rund 300 Hektar Acker- und Weideland zur Verfügung.

Bedeutung erlangte in der Zwischenzeit auch die breitgefächerte Information von Landwirten und Verbrauchern. Mit dem neuen Berufsbildungsgesetz in den 70er Jahren und der Pflicht zur überbetrieblichen Ausbildung kam es fast zwangsläufig zu großen Bauaktivitäten auf Haus Riswick. Um sowohl Besuchern als auch Mitarbeitern einen Überblick und guten Zugang zu den Ställen zu ermöglichen, wurden die verschiedenen Ställe oval zueinander, in Form eines Hühnereis angeordnet. Als Empfangs- und Veranstaltungsraum (op de Dääl) dient noch heute am Kopfende des Info-Ringes die über 400 Jahre alte Stalldiele des ehemaligen Wartsmannshauses, einst Wohnsitz des Weideaufsehers des Stiftes Bedburg. Mittlerweile finden hier interessante Infoveranstaltungen mit jährlich rund 20000 Besuchern statt. Zusätzlich besuchen ca. 35000 Kunden den bekannten "Riswicker Bauernmarkt".

Als erster Betrieb dieser Art in Deutschland hatte Riswick einen Kuhkalender in Gebrauch, mit dem auf einfache Weise ein Überblick über Abkalbetermine entsteht. In der Kritik von Tierschützern steht manchmal der Begriff Tierversuchsanstalt. Dabei werden auf Haus Riswick verschiedene Haltungsformen vor allem deshalb getestet, um das Wohl der Tiere zu verbessern. Beispielhaft sei hier die Riswicker Kälberhütte genannt, die weite Verbreitung in der Praxis fand. Um die Qualität von Mischfuttermitteln zu erkunden, werden unangemeldet Proben gezogen und auf Riswick geprüft. Die überbetriebliche Ausbildung wurde von der Landwirtschaftskammer mittlerweile auf das westfälische Haus Düsse verlagert. Haus Riswick wurde als Versuchsstandort erweitert.

Im Jahr 2011 wurde ein neuer Milchviehstall eingeweiht. Er umfasst neben einem vierreihigen Liegeboxenlaufstall mit sechs Fütterungsgruppen für je 24 Tiere auch einen Transitstall auf Stroh, welcher Platz für 25 Kühe im geburtsnahen Zeitraum bietet. Sowohl die Futter- als auch die Wasseraufnahme wird individuell über Wiegetröge gemessen und dokumentiert. Unter dem Stall befindet sich das Güllelager. Die Keller unter den planbefestigten Gruppen werden separat bewirtschaftet und bieten die Möglichkeit, die anfallende Gülle in Menge und Qualität zu untersuchen. Gemolken wird in einem modernen Außenmelker-Karussell. "Die Zahl von 250 Kühen in einem modernen Stall mit der Möglichkeit, wissenschaftliche Daten zu erfassen, ist einzigartig in Deutschland", so Dr. Stork. In wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit der Uni Bonn und durch die Förderung der landwirtschaftlichen Rentenbank werden hier Fragestellungen zum Auftreten von klimarelevanten Gasen in der Milchviehhaltung bearbeitet. Zu diesem Zweck ist der Stall in der Querachse mittels einer verkleideten Vergitterung und Jalousien in drei Lufträume unterteilt und mit Messtechniken zur Erfassung verschiedener Gase ausgestattet. Solche Forschungsvorhaben dienen auch dem Ziel, die häufig emotional geführten Diskussionen zwischen Umweltschützern und Verbrauchern auf eine sachliche Ebene zu bringen.

Haus Riswick gliedert sich heute in einen ökologischen Betrieb mit einer Flächen- und Tierausstattung von 27 Hektar Grünland und 39 Hektar Ackerland sowie 45 Milchkühen plus weiblicher Nachzucht. Das Modellvorhaben "Ökologische Milchviehhaltung und Futterbau" wurde 1999 mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes NRW aufgebaut. Die Kühe geben hier im Stalldurchschnitt über 8000 Liter Milch jährlich. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Forschung im Bereich Grünland, Futterbau, Zwischenfruchtanbau und Futterkonservierung. Ein Drittel der Nutzfläche in Deutschland ist Grünland.

Der Standort Riswick hat sich auch zu einem für die Region wichtigen Schulstandort entwickelt. Neben den Fachschulen der Landwirtschaftskammer mit den Fachrichtungen konventioneller Landbau und ökologischer Landbau besteht hier seit fünf Jahren die Fachschule für Agrarservice.

In Kooperation mit dem Kreis Kleve sind auch die Berufskollegs für Landwirtschaft und Agrarservice auf dem Gelände Riswick angesiedelt, sodass mehr als 350 Schüler unterrichtet werden.

Haus Riswick lädt übrigens am 18./19. Juni zur Fachausstellung "Fokus Riswick - Vom Halm bis zur Milchkuh" ein. In der Fachausstellung ist das Spektrum von der Düngung über Zucht, Fütterung bis hin zur Stalltechnik abgedeckt.

Quelle: RP
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