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Kerken
Seit 40 Jahren der "kleine" St. Martin

Heinz Paschmanns ist seit 40 Jahren der "kleine" St. Martin aus Kerken
Ein wenig Traurigkeit ist schon im Blick von Heinz Paschmanns zu entdecken. In diesem Jahr spielt der 75-Jährige zum letzten Mal den St. Martin. FOTO: Seybert
Kerken. Heinz Paschmanns schlüpft für die Kindergarten-Kinder ein letztes Mal ins Martinskostüm. Nach diesem Jahr soll Schluss sein. Ein Rückblick. Von Antje Seemann

Die schweren Stiefel, der Umhang, den Helm und das große Schwert legt Heinz Paschmanns seit vielen Jahren an. Seit 40 Jahren ist er der "kleine" St. Martin in Nieukerk - also der für die Kindergartenkinder. Wenn sie am 9. November wieder mit Laternen durch die Nieukerker Straßen ziehen, will Paschmanns zum letzten Mal an der Spitze reiten. "Ich bin jetzt 75 Jahre alt. Jetzt müssen mal andere ran", begründet er seine Entscheidung.

Damit geht eine Ära zu Ende. Viele Nieukerker dürften Paschmanns als St. Martin in ihrer eigenen Kindergartenzeit erlebt haben. 1976 ging's los, vorgeschlagen wurde er von seinen Feuerwehr-Kameraden. "Ich konnte immer gut mit Kindern. Die Kleinen sind noch so lieb und ehrlich. Also habe ich das gemacht." Allerdings sah der Martin damals noch anders aus als der heutige Soldat. "Das Ritterkostüm kam erst 1981. Davor war's ein Bischof", schmunzelt Paschmanns. Mit falschem Vollbart, langer Perücke und einer Mitra, also der typischen Kopfbedeckung der Bischöfe, erinnerte der frühe St. Martin tatsächlich fast eher an den Nikolaus.

Bevor es abends zum Martinszug geht und sich Paschmanns dafür aufs Pferd schwingt, besucht er am Vormittag - verkleidet und mit zwei Kollegen aus der Nieukerker Feuerwehr - die Kindergartenkinder in ihren Einrichtungen. "Ich ziehe mir dann morgens im Feuerwehrhaus das Kostüm an. Die Kameraden helfen mir dabei." Der Umhang, die Stiefel, die Bronzeorden - das ganze Kostüm ist ziemlich schwer. 30 Kilo, schätzt Paschmanns.

Über die Jahre geändert habe sich nicht nur sein Kostüm. Auch die Kinder seien heute anders, erzählt Paschmanns: "Früher waren die viel ruhiger und zurückhaltender. Heute springen die auf, kommen zum St. Martin und wollen was wissen, fragen und sind neugierig. Zum Beispiel, wo das Pferd ist und ob ich der echte St. Martin bin. Und die wollen immer mit mir erzählen." Manche Kinder spielten dann für ihn die Martinsgeschichte mit Steckenpferd und Decke nach, andere singen Martinslieder. Die Kleinen kaufen dem St. Martin sein Kostüm noch ab. Selbst seine Enkelin habe ihn vor einigen Jahren nicht erkannt, lacht Paschmanns: "Die hat dann gesagt, dass das nicht der Opa war. Aber die gleichen Schlüssel wie der Opa habe er gehabt."

Der Höhepunkt ist jedes Jahr die Mantelteilung, die in Nieukerk auf dem Schulhof passiert. "In der Mitte liegt ein Strohballen, da sitzt der Bettler drauf. Dann spielt die Musik, und St. Martin hat seinen Auftritt." Paschmanns reitet dann im Kostüm zum Bettler und teilt den Mantel - gar nicht mit dem Schwert, sondern entlang des Klettverschlusses. "Der Bettler hüllt sich dann ein, und wir ziehen durchs Dorf." Stress sei die Rolle nie für ihn gewesen, eine gewisse Anspannung war vor allem vor dem Umzug dabei. "Ich bin einfach froh und glücklich, wenn der Tag gut gelaufen ist." Natürlich gab es in einer so langen Zeit aber auch mal die ein oder andere Pannen bei der Vorstellung. Auf die blickt Paschmanns mit Humor: "Einmal bin ich beim Absteigen vom Pferd im Bügel hängen geblieben und halb auf den Hintern gefallen."

Von seiner einmal im Jahr eingenommenen Rolle ist der Nieukerker nach wie vor überzeugt: "Die Kinder mögen den St. Martin. Im Kindergarten malen sie den auf Bildern. Und sie lernen viel übers Teilen und über Barmherzigkeit." Obwohl er nach so vielen Jahren die Rolle jetzt abgibt - ganz aus seinem Terminkalender streichen will er das Fest nicht. "Ich bin immer noch im Martinskomitee aktiv und werde bei den Zügen dabei sein." Außerdem lernt er seinen Nachfolger an, der schon in den Startlöchern steht.

Vermissen wird er die Rolle trotzdem. "Das war wirklich eine schöne Zeit", sagt Paschmanns.

Quelle: RP
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