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Geldern
Helges Zebrahuhn vom Niederrhein

Geldern: Helges Zebrahuhn vom Niederrhein
Helge Schneider und Bodo in allen Varianten. Das Zebrahuhn als Skulptur wird jetzt in Frankfurt vorgestellt. FOTO: Galerie F / mgr
Geldern. Er hat den Deutschen Comedypreis, ist Klavierspieler des Jahres und bekam den Prix-Pantheon. Jetzt ist Helge Schneider auch Bildhauer: Sein Zebrahuhn Bodo ist dreidimensional und wird von der Galerie F in Kranenburg herausgegeben. Von Matthias Grass

Bodo ist blauäugig, grinst schräg und schaut irgendwie verlegen auf die Welt. Bodo ist ein Zebrahuhn, geschaffen vom Jazzmusiker und Komiker Helge Schneider, er ist eine dicke Faust groß und schmiegt sich in jede Hand. Bodo ist ein gemütliches Zebrahuhn, sitzt dick und rund auf seiner Unterlage und scheint gleich einen Witz machen zu wollen, eine Bemerkung, treffend und schräg zugleich. Nein, Bodo ist kein Alter ego von Helge Schneider, der das Huhn einst als Zeichnung schuf, wie ein Widerpart zur schnuckeligen Tigerente. Auf seinen Blättern klettert das Huhn aufs Brandenburger Tor, steht dick und rund und bunt im Gegenlicht. Jetzt ist es dreidimensional: Es gibt Bodo als Bronze, vergoldet und versilbert oder als bunter, handbemalter Steinguss.

Am kommenden Wochenende stellt der Kranenburger Internet-Galerist Georg Friedrichs auf der Internationalen Frankfurter Messe "Tendence" (24. bis 27. Juni) die neue Skulptur vor. "Zebrahuhn Bodo" ist handsigniert vom Meister, versteht sich. Georg Friedrichs hatte mit dem "Lungenbrötchen" 2015 den ersten Hingucker auf die noch junge Zusammenarbeit mit Helge Schneider. Das "Lungenbrötchen" war eine Premiere-Edition auf Plexiglas und bildete besagtes Brötchen auf einer Schachtel Zigaretten ab, gefolgt von mehreren Grafiken und 3-D-Editionen, die ebenfalls präsentiert werden. Das Brötchen auf Zigarettenschachtel war auf 50 Stück limitiert und ebenfalls signiert. Bodo wird's öfter geben. "6,8 Millionen Stück", sagt Helge Schneider. Bierernst. Oder grinst er nicht doch, wie Bodo, das Huhn?

FOTO: Matthias Grass

Kontakt mit Helge Schneider bekamen Friedrichs und seine Mitarbeiterin Heike Janssen über Willi Kissmer. Seit Jahren hat Friedrichs Galerie F die fotorealistischen Halbakte des Malers im Angebot, der wie Helge Schneider vor allem auch Musiker ist: Kissmer gehörte zu den Pionieren des Rock in Deutschland. In der Band "Bröselmaschine" spielte er zeitweise mit Doc Snyder alias Helge Schneider. Der Duisburger Kissmer vermittelte dem Mülheimer Schneider schließlich die Adresse der Galerie in Kranenburg.

Friedrichs verlegte nach dem ersten Kontakt 2015 das "Lungenbrötchen", dann das Zebrahuhn als Grafik. Schließlich reifte die Idee, Bodo als Figur zu schaffen. "Wir sind davon überzeugt, dass Helge Schneider und seine subtile Intelligenz auch mit ,Bodo' ihren Platz in der breiten Öffentlichkeit finden werden", sagt Friedrichs.

Es folgte ein Stück harte Arbeit, aus der zweidimensionalen Zeichnung zusammen mit dem Künstler die Skulptur zu entwickeln, Bodo so zu schaffen, wie er sich jetzt präsentiert. "Helge feilte am Entwurf, änderte immer wieder die Details, entwickelte die Figur weiter", erinnert sich Georg Friedrichs. Es wurde fast ein Jahr lang an der Skulptur gearbeitet, bis sie jetzt kurz vor der Messe endgültig fertig wurde. Nach den Besprechungen in Kranenburg lernte Schneider auch eine deftige Spezialität des Niederrheins kennen und lieben: Heike Janssen hatte als Stärkung ihre fantastischen Bratkartoffeln gemacht. "Roh in dünne Scheiben geschnitten in die Pfanne, mit Zwiebeln und Speck", sagt die Galerie-Mitarbeiterin. Schneider war begeistert, ruft auch heute noch spontan an, ob er in "Fütterden" auf eine Pfanne Kartoffeln vorbeikommen kann - wobei er Kranenburgs Ortsteil Nütterden gekonnt verballhornt.

Friedrichs pflegt in dem unprätentiösen grauen Bau der Galerie im Kranenburger Industriegebiet Kontakt zu den Künstlern, die er vertritt. Da steht dann Bleistift-Künstler Schlote am langen Tisch und entwickelt seine neuesten Arbeiten. Begonnen hat der Kranenburger mit einer Galerie in Köln, die er während des Studiums eröffnete. Inzwischen beschäftigt er mit seiner Internet-Galerie 20 Mitarbeiter in Kranenburg, bietet eigene Editionen von Ernst Fuchs, Grafiken von Paul und Mark Kostabi, Daniel Spoerri, Bruno Bruni und Elvira Bach. Es fehlen aber auch nicht Werke von Joseph Beuys oder Andy Warhol in seinem Angebot.

Quelle: RP
 
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