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Geldern
Herbst-Art: Wo Kunst gegossen wird

Geldern: Herbst-Art: Wo Kunst gegossen wird
Mit der Gießkanne zum Kunstwerk: Bei Michael Sting aus Rees finden auf Lava-Gestein kleine Grün-Oasen ihre Heimat. Seine Werke fanden bei der Herbst-Art viele Bewunderer. FOTO: Gerhard Seybert
Geldern. 13 Künstler stellten ihre Arbeiten vor - von Keramik über Windobjekte bis zu Filzkunst und Malerei. Von Christoph Kellerbach

"Es ist wunderbar, was es hier für eine Vielfalt bei der Herbst-Art gibt", freute sich Besucherin Fiona Hendriks. "Auch das Drumherum ist schön gelungen, so macht das Stöbern richtig Spaß!" Das Gleiche empfanden auch zahlreiche weitere Kunst-Interessierte, die am Wochenende den Weg in den Garten der Familie Janicke am Marktweg fanden. Im sechsten Jahr in Folge hatten sich dort nämlich Künstlerinnen und Künstler aus den Niederlanden und Deutschland eingefunden, um ihre Arbeiten zu präsentieren. In der einladenden, grünen Landschaft gab es für jeden der insgesamt dreizehn Aussteller ein passendes Plätzchen.

"Es ist das erste Mal, dass ich meine Werke in Deutschland präsentiere", verriet Dirk Verberne, der Stahlobjekte anfertigte. Dabei konnte man bei ihm große, regelrecht engelsgleiche Vögel bewundern, die ihre Schwingen gen Himmel ausstreckten, aber auch auf verkrustet, skelettierte Pferde-Gerippe treffen, die wirkten, als hätte der Künstler sie gerade aus einem Alptraum in die Realität geritten. "In Helenaveen, wo hier herkomme, war früher ein Sumpf und es gibt dort eine Menge Geistergeschichten. Das hat mich inspiriert", erklärte Verberne. "Vor allem geht es mir darum, dass meine Arbeiten organisch und fließend wirken. Sie sollen nicht wie leblose Objekte wirken, sondern sich so anfühlen, als könnten sie jeden Moment zum Leben erwachen."

Feine Tonkunst gab es derweil am Stand von Anke Dahmen-Wassenberg. "Mein Ziel ist es, Gebrauchsgeschirr mit ästhetischem Anspruch zu gestalten", meinte die Kevelaererin, die schmunzelnd hinzufügte: "Ich möchte halt einfach schöne Pötte machen." Seit 35 Jahren arbeitet sie auf diesem Feld, "doch so richtig intensiv erst in den letzten zehn Jahren, seitdem die Kinder groß sind." Neben fein modellierten Töpfen hatte sie auch noch traditionelle Butterschalen im Verkauf, in die man etwas Wasser füllt, damit der Inhalt streichzart bleibt. Ein weiteres Highlight waren die zahlreichen Fische, die, einem Schwarm gleich, vor ihrem Zelt auf Stäben ruhten. "Es sind so ornamentale Tiere, es macht einfach Spaß, sie zu formen!", verriet sie.

"Mich hat als Zwölfjähriger Albrecht Dürer fasziniert und das war der Anfang", erzählte Reiner Langer aus Dinslaken, der seine Bilder ausstellte, die er in seinem besonderen "Altmeister Mixed Media"-Stil angefertigt hatte. Bei diesem verwendet er klassische Zeichen- und Kolorierungsvarianten aus den vergangenen Jahrhunderten und hält sich ganz genau an die zeitgenössischen Vorgaben. Das dauert lange, gibt aber nachher den faszinierenden Mischgemälden ihren ganz eigenen, kunststilübergreifenden Charme. "Ich bin vor kurzem erst wieder aus Indien zurückgekommen", so Langer. "In den letzten drei Jahren war ich kaum in Deutschland. Deshalb freut es mich gerade bei so einer kleinen, schönen Ausstellung wie der Herbst-Art mit dabei zu sein. Die Atmosphäre hier ist richtig gut." Ob es nun die sich organisch in die Umwelt einpassenden Windobjekte von Peter Luther aus Hagenbüchach waren, oder die liebevoll gestalteten Mikrokosmen von Michael Sting aus Rees, bei denen auf Lava-Gestein kleine Grün-Oasen ihre Heimat fanden: Die Herbst-Art 2017 war ein Fest für die Sinne. Denn nicht nur die Augen, sondern auch die Ohren wurden verwöhnt, da auch der Chor "art Weise" an jedem Tag des Kunst-Events auftrat.

Quelle: RP
 
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