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Geldern
Heute stickig, früher brandgefährlich

Geldern: Heute stickig, früher brandgefährlich
Die Realschule an der Fleuth ist architektonisch beeindruckend. Die schönen, großen Glasfassaden haben aber einen Haken: Weil das ursprünglich angedachte Lüftungskonzept wegen Brandschutzproblemen aufgegeben werden musste, heizen sich die Klassenräume auf, und die Luftqualität ist miserabel. FOTO: van offern
Geldern. In der Fleuth-Realschule klappt die Lüftung nicht. In den Anfangsjahren gab es diesen Ärger noch nicht, dafür gab es aber ein Brandschutzproblem. Als das 2010 herauskam, war es für Regressansprüche zu spät. Von Sina Zehrfeld

Als die Realschule an der Fleuth im November 2000 eingeweiht wurde, war sie ein Schmuckstück, ein Vorzeigeobjekt: lichtdurchfluteten Klassen, Sonne bräunte den Parkettboden, großartiger Anblick, tolle Atmosphäre. In vielen Entscheidungen hatte man gestalterischen Erwägungen den Vorrang eingeräumt. Zum Beispiel lassen sich in der Glasfront nur sehr kleine Fenster öffnen. So sieht's einfach besser aus.

Heute gehen Elternvertreter auf die Barrikaden, weil es in den Klassen zu warm wird und die Luftqualität miserabel ist. Diese Probleme kannte man anfangs noch nicht. Es gab nämlich ein ausgeklügeltes Lüftungs- und Kühlsystem. Dumm nur: Dieses System wäre im Falle eines Feuers verhängnisvoll geworden.

Man nutzte damals das Phänomen des natürlichen Durchzugs. Durch Öffnungen in der Fassade zog von außen frische Luft in die Klassenräume hinein. Drinnen gab es Öffnungen über den Klassentüren, durch die die erwärmte, "verbrauchte" Luft zu den Fluren hin abzog, und von dort aus weiter nach draußen. Das Prinzip kennt jeder, der schon mal an beiden Enden der Wohnung die Fenster aufgemacht hat. Es war für guten Luftaustausch gesorgt, und im Sommer kühlte der Bau in den Nächten auch gründlich aus.

Nur: Was mit alter Luft funktioniert, das funktioniert auch mit Rauch, wenn es brennt. "Wenn Qualm in einem Klassenraum ist, fällt er in den Flur. Und die Flure sind Fluchtwege", resümiert der Sprecher der Stadt Geldern, Herbert van Stephoudt, das Ergebnis eines Brandschutz-Tests, der im Jahr 2010 durchgeführt wurde. "Wenn es brennt, geht man natürlich zum Hauptausgang, und das Foyer war am schnellsten verqualmt." Also musste man die Öffnungen über den Türen dicht machen, und aus war's mit dem guten Klima. Die so hübschen, kleinen Fensteröffnungen reichen nicht zum Lüften.

Dass der ganze Ärger auf Fehlplanung, einen Baumangel, zurückgeht, sei "im rechtlichen Sinne nur schwer nachzuweisen", meint die Stadt. "Die theoretisch mögliche Geltendmachung eines Baumangels wäre aufgrund der Verjährungsfristen jedoch ohnehin im Jahr 2010 nicht mehr möglich gewesen." Deswegen habe man auch nie versucht, Regressansprüche geltend zu machen. Das damalige Brandschutzkonzept sei überdies durch den Kreis Kleve geprüft und genehmigt worden, "so dass auf dieser Grundlage die Baugenehmigung erteilt wurde".

Also wird die Stadt auf den Kosten für die nun nötigen Umbauten sitzen bleiben. Wie teuer der Spaß wird, ist völlig offen. Angedacht ist der Einbau von größeren, weit zu öffnenden Fenstern in den Glasfassaden; ein Bauphysiker befasst sich derzeit mit dem Gesamtkonzept. Die Umbauten könnten in den Sommerferien erfolgen.

Stattdessen andere Fluchtwege anzulegen, scheint keine Lösung zu sein. "Wir haben in den oberen Etagen schon zweite Fluchtwege gebaut", erläutert Herbert van Stephoudt. Nach wie vor seien die Flure jedoch Hauptwege nach draußen, die dürften nicht als erstes verqualmt sein. Eher nebenbei würden große Fenster selbstverständlich auch für mehr Sicherheit in den Erdgeschoss-Klassen sorgen - wenn's wirklich brennt, könnten die Menschen dadurch nämlich auch noch rausklettern.

Quelle: RP
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