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Geldern
Hier atmen die Zimmer ganz viel Geschichte

Geldern. Weeze hat gleich zwei herrschaftliche Schlafmöglichkeiten zu bieten: In der Schlossruine Hertefeld und auf Schloss Wissen. Von Bianca Mokwa

Die Holzstufen sind erklommen. Graf Friedrich zu Eulenburg und Hertefeld öffnet die Tür des Zimmers. "Das ist sehr beliebt", sagt er nur und lässt das Zimmer auf den Besucher wirken. Es ist warm, heimelig. Allerspätestens beim Blick aus dem Fenster wundert das "sehr beliebt" nicht. Der Gast schaut auf die wunderschöne Parkanlage. Oft werde die Turmsuite von Hochzeitspaaren gebucht, aber eben nicht nur. Auch Ryanair-Gäste machen Station im Hotel Schloss Hertefeld. "Touristen, die eine ungewöhnliche Übernachtung wollen, die buchen dann hier. Die meisten Gäste suchen gezielt das Besondere, es ist nicht von der Stange." Gegenüber dem Fenster, auf der anderen Seite der Suite, steht das große Bett. Über dem hängt ein Kronleuchter. Die Wand hinter dem Bett ist mit Stoff bezogen. "Toile de jouy", erklärt der Schlossherr. "Weil meine Frau den Stoff so schön fand."

"Eine Wandbespannung ist schon was sehr schlossiges", fügt er an. In der Familie heißt die Turmsuite, die unmittelbar in der Schlossruine liegt, "Schwedenzimmer". Das liegt an der schwedischen Ur-Ur-Großmutter des Schlossherrn. Die Zimmer atmen Geschichte.

In stimmungsvollem Ambiente können die Gäste auf Haus Hertefeld übernachten (Fotos links). FOTO: van Offern, Markus (mvo)

Der Hausherr geht vor zum "Sternenzimmer". Das hat seinen Namen vom großen Fenster über dem Bett, das sich elektrisch öffnen lässt. Per Knopfdruck funkeln aber auch kleine Lämpchen auf, die Sternenstimmung verbreiten. Der Clou sind die beiden Badewannen, die nebeneinander liegen, zum romantischen Händchenhalten optimal. Das Appartement ist das Gegenteil vom Turmzimmer, sehr modern, aber nicht weniger schön.

Die häufigste Frage ist, ob die Ruine eines Tages komplett wieder aufgebaut wird. 1945 wurde das bedeutende Rittergut und spätere Barockschloss bis auf die Grundmauern zerstört. Bisher wurden Schlossturm und historisches Kreuzgewölbe wiederhergestellt. "Es ist immer Konzept gewesen, dass Schloss Hertefeld eine bewohnbare Schlossruine ist", sagt der Graf. Die nächste Generation solle entscheiden, ob das so bleibt.

FOTO: Schloss Wissen/Jäger

Johannes Peters von der Gemeinde Weeze bezeichnet die Übernachtungsmöglichkeit als "sehr außergewöhnlich und attraktiv". "Es ist sicher sehr ungewöhnlich und hat eine sehr positive Wirkung für die Gemeinde", sagt Peters mit Blick darauf, dass sich gleich zwei herrschaftliche Übernachtungsmöglichkeiten in Weeze befinden. Das ist die Schlossruine Hertefeld und das Schloss Wissen. An beiden Standorten kann auch geheiratet werden. Das Zimmer ist dann mit Rosenblättern dekoriert und Champagner steht bereit, verrät Constantin Maasburg und führt in den alten Trafoturm von Schloss Wissen.

Auch auf Schloss Wissen ist für fürstlichen Schlaf in den Zimmern gesorgt. FOTO: van Offern (2/Archiv) Jäger (2)

Oben angelangt geht der Blick ins Grüne. Es gibt im Turm ein Bad mit Badewanne und einen Chill-out-Room. Der Turm ist eine Übernachtungsmöglichkeit auf dem Gelände von Schloss Wissen. "Es ist eher Übernachten am Schloss", erklärt Maasburg. Die Gäste nächtigen in der "Boye" in der ehemaligen Gesindesiedlung. Die sei so gut erhalten, das sei einmalig in NRW, schwärmt Maasburg und öffnet die Tür zu "Paulus". Benannt sind die Zimmer, Junior-Suiten und Appartements nach den Ahnen der Familie von Loë. "Wir verbinden das Historische mit dem Praktischen", sagt Maasburg. Der Gast kann manch technische Raffinesse entdecken, etwa den Spiegel, der zugleich Fernsehbildschirm ist. Viel Wert werde auf den Schlafkomfort gelegt, sagt Maasburg. Außer Vogelgezwitscher gibt es nichts, was die Gäste in ihrem Schlaf stören könnte.

Genutzt werden die Übernachtungsmöglichkeiten am Wasserschloss nicht nur von frisch Vermählten. "Die zweitwichtigste Gruppe sind Tagungsgäste", sagt Maasburg. Die dritte Gästegruppe sind die, die sich für ein Familientreffen Schloss Wissen ausgesucht haben. Die Heimat ist eben schön, auch als Urlaubsort.

Quelle: RP
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