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Geldern
Hoffnung fürs "Internet-Nirwana"

Geldern: Hoffnung fürs "Internet-Nirwana"
Die teilweise miserable Internetanbindung im Gewerbegebiet, etwa an der Siemensstraße, bereitet den Firmen großen Ärger. Die Beschwerden bei der Stadt häufen sich. FOTO: gerhard seybert
Geldern. Die Karte des Breitband-Internets in Geldern hat ausgerechnet im Gewerbegebiet weiße Flecken. Für die Betriebe ist das ein Riesenproblem. Jetzt winken Fördermittel. Aber auch die Unternehmer müssten zahlen. Von Sina Zehrfeld

Die Geschäftsleute im Gewerbegebiet Weseler Straße haben ihrem Ärger und ihrer Not in einem Schreiben an die Stadtverwaltung Luft gemacht. "Sollte sich nicht schnell etwas ändern, werden wir unser neues Firmengebäude mit Grundstück am Standort Geldern aufgeben müssen", heißt es etwa vom Medienunternehmen Futureworx. "Hätte man mich damals vor dem Kauf informiert, dass es dort quasi kein Internet gibt, hätte ich niemals dort gebaut."

Bekanntlich sind nach dem Ausbau des Breitband-Internets in Geldern, ausgeführt durch die Telekom, nicht alle Bereiche in der Stadt erfasst. Ausgerechnet im Gewerbegebiet sind beispielsweise die Siemensstraße und teilweise die Otto-Hahn-Straße außen vor geblieben. "Für unsere Zukunft ist das alles untragbar", man könne unter diesen Umständen am eigenen Standort "nicht mehr Arbeiten", klagt der ansässige SD-Verlag darüber. Und Tim Reuter von der IT-Firma Bananabyte spricht von einem "hohen wirtschaftlichen Nachteil".

Bei der Stadtverwaltung kennt man die Problematik. "Wir sind inzwischen bei einem Dutzend Betriebe, die netzmäßig im Nirwana leben", sagt Ute Stehlmann von der städtischen Wirtschaftsförderung.

Eine Reihe von Unternehmen werfen der Stadt vor, sich nicht für sie einzusetzen. Tatsächlich habe man lange mit der Telekom über die Sache verhandelt, sagte Ute Stehlmann: "Das ist jetzt gescheitert", stellt sie fest: "Die Telekom ist da am Ende ihres Ausbauwillens."

Für besseres Internet in den unterversorgten Bereichen müssten Glasfaserkabel verlegt werden. Und gemessen an den zu erwartenden Einnahmen, die danach ins Haus stehen würden, würde sich das nicht lohnen. Stehlmanns Fazit: "Der Markt wird dieses Problem nicht für uns lösen. Weder die Telekom noch sonst irgendeiner ist bereit, da für eine Verbesserung zu sorgen."

Nun könnten Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen für den Breitbandausbau helfen. Allerdings müssten dafür auch die Anlieger in die Tasche greifen. Das Verlegen von Kabeln im betroffenen Bereich würde zwischen 50.000 und 100.000 Euro kosten, schätzt Stehlmann. Genauer lasse sich das nicht eingrenzen; die Telekom gebe dazu keine Auskunft.

Den Ausbau müsste ein Anbieter, zum Beispiel die Telekom, vornehmen. Einen Teil der Kosten könnte er durch den laufenden Betrieb hereinbekommen. Die zu erwartenden Verluste würden dann zu 40 Prozent durch Landesmittel ausgeglichen. Und für die restlichen 60 Prozent sind die Anlieger gefragt: Die müssten sich zusammentun und die Finanzierungslücke schließen.

Vielleicht könnten ansässigen Unternehmer aber auch noch besser wegkommen. Es stehe ein Förderprogramm des Bundes in Aussicht, das Förderquoten von bis zu 90 statt 40 Prozent verheißt. Aber wann das in Kraft tritt und ob man in Geldern davon noch profitieren kann, ist unklar. "Wir können die Voraussetzung dafür zumindest schon mal schaffen", schlägt Stehlmann vor. Die Stadt müsse nun als erstes den Bedarf ermitteln und darlegen, dass ohne öffentliches Geld keine Abhilfe zu schaffen ist.

Quelle: RP
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