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Interview mit Philipp Pelzer
"Ich habe sehr lange mit mir gerungen"

Interview mit Philipp Pelzer: "Ich habe sehr lange mit mir gerungen"
Interview im Klassenzimmer: Der neue Schulleiter Philipp Pelzer im Gespräch mit RP-Redakteurin Antje Seemann. FOTO: Thomas Binn
Geldern. Fünf Jahre war die Marienschule in Nieukerk ohne Rektor, jetzt kommt Philipp Pelzer. Schulleitermangel ist deutschlandweit ein Problem.

Der 36-jährige Philipp Pelzer ist aufgewachsen in Winnekendonk, lebt in Geldern, war vorher Lehrer in Neukirchen-Vluyn. Jetzt tritt er ein neues Amt an, und zwar das des Schulleiters. Besonders an Grundschulen fehlt oft ein Rektor - für viele ist der Posten nicht attraktiv. Pelzer will es trotzdem machen.

Nach den Sommerferien geht es für Sie los als neuer Rektor der Mariengrundschule in Nieukerk. Für Sie heißt das: Neue Schule, neue Position. Freuen Sie sich auf Ihre neue Aufgabe als Schulleiter?

Philipp Pelzer Ja! Ich habe sehr lange mit mir gerungen, diesen Schritt zu gehen. Und ich habe mich dafür entschieden. Jetzt bin ich freudig und neugierig auf das, was mich erwartet. Es handelt sich ja eigentlich um ein ganz anderes Berufsfeld als das, was ich bisher hauptsächlich gemacht habe.

Ist das auch der Grund, dass sie "gerungen" haben, das zu machen?

Pelzer Meinen Beruf als Lehrer liebe ich sehr. Ich kann mir keinen Alltag vorstellen, der am Schreibtisch ohne die Kinder auskommt. Besonders die Verantwortung für eine Klasse als Klassenlehrer oder für eine Lerngruppe hat mir immer sehr viel bedeutet. Schule ohne Unterrichten ist für mich nicht vorstellbar, auf gar keinen Fall. Aber ich habe auch immer schon Interesse gehabt an bestimmten Verwaltungstätigkeiten in der Schule, die bei anderen Kolleginnen eher unbeliebt sind.

Welche Aufgaben - außer Unterrichten - kommen jetzt auf Sie zu?

Pelzer Stundenplan, Vertretungsplan, Schulstatistik. Ansprechpartner für die Kolleginnen - als Vorgesetzter und in beratender Funktion. Das pädagogische Profil der Schule. Auch an den Personalentscheidungen bin ich maßgeblich beteiligt. Als Hausherr bin ich verantwortlich für Instandhaltung des Gebäudes und die Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen.

Die Mariengrundschule war fünf Jahre ohne Schulleiter - nicht die einzige Schule, wo der Posten lange unbesetzt war. Was glauben Sie, welchen Grund es hat, dass heute nur noch wenige Lehrer auch Schulleiter werden wollen - insbesondere an Grundschulen?

Pelzer Da kommen meiner Meinung nach mehrere Dinge zusammen: Nach der ersten Pisa-Studie ist der Druck auf Schule immens angewachsen. Man hat danach mit vielen Schnellschüssen und übereilten Maßnahmen reagiert, die teilweise viel Arbeit gekostet und Schulen überlastet haben und jetzt schon wieder abgeschafft sind - etwa die Kopfnoten. Die ganze Arbeit war dann am Ende fürs Altpapier. Und das demoralisiert, Kollegien und auch Schulleiter. Aber ich denke auch, dass viele Lehrer die Arbeit mit den Schülern und das Unterrichten so hoch anstellen, dass sie sich mit dieser Position nicht anfreunden können. Eine weitere Sache ist dann noch die Bezahlung. Sie bekommen als Schulleiter einer Grundschule netto etwa 250 Euro mehr - und verdienen damit so viel, wie ein Berufsanfänger, der frisch nach dem Referendariat am Gymnasium anfängt. Das ist ein Punkt, wo ich nachvollziehen kann, dass viele Kollegen sagen "dafür nicht". Angesichts der Verantwortung fürs Kollegium, für die gesamte Schülerschaft, für das Gebäude, die Arbeit mit dem Schulträger.

Sie haben sich trotzdem dafür entschieden. Was ist für Sie denn das Reizvolle am Posten des Schulleiters?

Pelzer Neben Planung und Organisation möchte ich Verantwortung für eine Schule übernehmen. Als Rektor hat man die Möglichkeit, mit dem Kollegium zusammen Schule zu gestalten. Daneben aber gleichzeitig den Kontakt zu den Schülern nicht verlieren. Wenn ich wieder mehr unterrichten möchte, oder wieder eine eigene Klasse führen will, setze ich das bei der Schuljahresplanung um.

Starten Sie dann auch direkt als Klassenlehrer oder konzentrieren Sie sich auf den Rektor-Posten?

Pelzer Es ist schon so, dass ich mich in viele Bereiche erst einarbeiten muss. Es ist ja nicht nur eine neue Position für mich, sondern gleichzeitig eine neue Schule. Ich kenne ja die Kollegen noch nicht, die Schüler noch nicht und die Eltern noch nicht.

DAS INTERVIEW FÜHRTE ANTJE SEEMANN.

Quelle: RP
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