| 00.00 Uhr

Geldern
"Ich.Du.Inklusion" - lebhafte Diskussion

Geldern: "Ich.Du.Inklusion" - lebhafte Diskussion
Nach der Ausstrahlung des Films im Herzog-Theater standen die Besucher in kleinen Gruppen zusammen - Politiker genauso wie Zuschauer. Die Aussagen der Dokumentation machten nachdenklich, jedoch nicht sprachlos. FOTO: Gerhard Seybert
Geldern. Filmemacher Thomas Binn aus Kevelaer hat seine Dokumentation mit dem Untertitel "Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft" im Herzog-Theater vorgestellt. Anschließend gab es die Möglichkeit mit Politikern über das Thema zu diskutieren. Von Christoph Kellerbach

"Wenn Inklusion überhaupt gelingen kann, dann ja eben an einem Ort wie Uedem", erklärte Filmemacher Thomas Binn. Der Kevelaerer präsentierte seine Dokumentation mit dem Titel "Ich.Du.Inklusion" im Herzog-Theater. Binn hatte eine Grundschulklasse beim Inklusions-Unterricht begleitet. Seine Aufzeichnungen kombinierte er anschließend in einem etwa 90 Minuten langen Film. "Ich habe mich als das Sprachrohr der Kinder gesehen. Ich wollte sehen, wie es ist, im ersten Schuljahr in diesem neuen Bildungssystem unterwegs zu sein."

Genau das hat er auch geschafft. Die kraftvolle Aussage von "Ich.Du.Inklusion" wurde den Gästen unmittelbar nahegebracht. Es war eine intelligente Wahl, bei der Dokumentation komplett auf eine musikalische Hintergrundvertonung zu verzichten, denn so lenkt kein künstliches Element von dem wahren Inhalt ab. Mehr oder weniger als Rahmenhandlung benutzte Binn eine Theateraufführung der Schulklasse, welche die eigentlichen Sequenzen gliedert.

Der Filmemacher folgte dabei vor allem einigen hilfsbedürftigen Kindern während ihrer ersten Zeit in der Schule. Ob es nun Konzentrationsprobleme sind, Lernschwächen oder ein Aufmerksamkeitsdefizit: Mit ruhiger Hand bebilderte er alltägliche Situationen für die Inklusionskinder. Dabei sind teilweise bittere Momente zu sehen, wenn etwa einer der Kleinen beschreibt, wie es ist, wenn er seine Tabletten genommen hat, durch die er dann ruhiger wird, oder wenn ein anderer einen Wutanfall hat und nicht mehr von einer Treppe herunterkommen will.

Stetig im Fokus sind auch die unermüdlich arbeitenden Lehrkräfte, die sich nach Kräften bemühen Inklusion möglich zu machen, aber immer wieder an fehlenden Hilfskräften, fehlenden Zuschüssen durch den Staat und schlicht fehlender Zeit scheitern. "Durch den Film bekam man schnell einen tiefen Respekt für die Lehrer und Helfer, eben alle, die da ihren Job machen und helfen wollen, aber nicht können", erklärte Monika Lemmen, die stellvertretende Bürgermeisterin von Straelen.

Sie und etliche andere Politiker waren nämlich bei der 17 Uhr Vorstellung am Freitag vor Ort. Das Projektteam "Inklusionsförderung" der Caritas Geldern hatte nämlich nicht nur eine Einführung organisiert, sondern auch Landtagskandidaten und Bürgermeister eingeladen, damit die Anwesenden sich anschließend in Gruppen zusammenfinden und mit diesen diskutieren konnten.

"Es war echt unglaublich viel drin im Film. Ich fand es auch klasse, wie gut das Leben der einzelnen Kinder gezeigt wurde", lobte Dr. Dominik Pichler, Bürgermeister von Kevelaer. "Hier in der Diskussion wurde ich nachher gefragt, wie man denn an mehr Geld kommen könnte, damit das Projekt 'Inklusion' auch gelingt. Meine spontane Antwort war: 'Mehr Geld woher?' Das ist hier leider das Problem. Aber ich werde auf jeden Fall dahingehend weiter an dem Thema dranbleiben und nachfragen. Denn der Film zeigt ja, dass sich auf jeden Fall vor Ort alle bemühen, damit das Ganze klappt."

Beim Herausgehen konnten die Zuschauer einen Aufkleber an einer Skala anbringen. Diese fragte nach dem Erlebnis der Dokumentation: "Wie erfolgreich ist Inklusion an Schulen?" und reichte von schlecht bis gut. An Ende gab es nur zwei Aufkleber, welche bei "gut" hafteten, der überwiegende Anteil war ganz links, im roten Bereich. Der Film "Ich.Du.Inklusion" läuft im Gelderner Herzog-Theater.

Mehr Informationen und Film-Ausschnitte: www.ich-du-inklusion.de

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Geldern: "Ich.Du.Inklusion" - lebhafte Diskussion


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.