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Die Wissensallianz (6)
"ID4us" soll bald den Barcode ablösen

Die Wissensallianz (6): "ID4us" soll bald den Barcode ablösen
Digitale Signalverarbeitung, die ohne Strichcode auskommt: Daran arbeitet ID4us; das Projekt wird von verschiedenen Partnern unterstützt. FOTO: privat
Geldern. Wissenschaftler aus Duisburg und Eindhoven finden, dass der übliche Strichcode, den Scanner lesen können, abgelöst gehört. Eine neue Methode der chiplosen Radiofrequenz-Identifikation soll viel weitreichendere Möglichkeiten bieten. Von Anja Settnik

KREIS kleve Immerhin: Sie geben zu, dass ihre Erfindung ausgesprochen kompliziert ist. Was "ID4us" da konzipiert hat, klingt in seiner Anwendung nützlich, ist aber für Laien nur schwer verständlich. Drei niederländische und drei deutsche Partner helfen den Akteuren der Duisburger GmbH, den bisher vielfach eingesetzten Barcode durch ein neues Verfahren der digitalen Signalverarbeitung zu ersetzen. Prof. Thomas Kaiser ist der Kopf von ID4us; seit 2011 leitet er das Institut für digitale Signalverarbeitung an der Universität Duisburg-Essen. Sein wichtigster niederländischer Partner, dessentwegen die Euregio ins Boot geholt werden konnte, ist Prof. Erik Fledderus von der Technischen Universität Eindhoven, an der er Drahtlose Komunikation lehrt.

Schon der klassische Barcode nötigt technischen Laien einigen Respekt ab: Eindrucksvoll, wie der Scanner an der Kasse innerhalb eines Sekundenbruchteils die Ware erkennen kann, die wir aufs Band legen, und den richtigen Preis zuordnet. Aber was Kaiser und seine Kollegen entwickeln, ist noch weitaus erstaunlicher. Ein kleines Elektronikteil soll, basierend auf der sogenannten chiplosen Radiofrequenz-Identifikation, in der Lage sein, den gesamten Bestand im Einkaufswagen mit einem Tastendruck zu erkennen und mit einem Preis zu versehen.

Prof. Thomas Kaiser hat große Pläne für die Zukunft. FOTO: privat

Denn das interessiert den Kunden im Allgemeinen: Wie viel habe ich insgesamt zu zahlen? Bevor der Schrecken an der Kasse groß ist, wäre es nach der neuen Methode möglich, schon im Gang zu prüfen, bei welcher Summe man angelangt ist. Das Smartphone in die Nähe der Waren zu halten würde für eine Antwort genügen. Und es wäre eben nicht mehr nötig, die Möhren, das Putzmittel, den Rinderbraten und die Schokolade einzeln an den Scanner zu halten. Im Zweifel bleibt die Flasche Champagner dann vielleicht doch besser im Regal . . .

Der Wissenschaftler und Geschäftsmann erklärt: "Alles, worauf momentan noch ein Barcode angebracht ist, kann durch ID4us ersetzt werden. Dies kann für Verbraucher interessant sein, ganz sicher aber auch für zahlreiche Bereiche der Industrie." Kaiser verweist zum Beispiel auf Fließbänder, auf denen massenhaft Artikel zu registrieren sind. Oder auf Labors, in denen Blutproben auf sichere Weise gekennzeichnet werden müssen. "Da dies größtenteils automatisch ablaufen würde, wären Verwechslungen fast ausgeschlossen." Es sei eine spannende Vision, die schon jetzt funktioniere, aber noch nicht für jedes Szenario.

Wichtig sei auch, die Reichweite der Codes zu vergrößern. Derzeit sei es möglich, einige Signale aus einem Abstand von 20 Metern zu "lesen". Laut Kaiser haben die Fördergelder aus der Wissens-Allianz den Machern geholfen, eine erste Demo zu entwickeln. Thomas Kaiser sagt: "In ungefähr drei Jahren muss unser Produkt auf dem Markt sein. Wir sind bereits mit Investoren im Gespräch." ID4us soll weltweit bekannt werden und vielseitig zum Einsatz kommen. "Ich bin überzeugt davon, dass die Nachfrage nach unserem Produkt überall groß sein wird", sagt der Duisburger Professor.

Quelle: RP
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