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Geldern
Im Theater rettet jeder einen Afrikaner

Geldern. Was denken Sie, wenn Sie die Worte "Afrika" und "Benefizveranstaltung" in einem Satz hören? Vermutlich tauchen auch vor Ihrem inneren Auge die Bilder von lehmgedeckten Hütten, dreckverschmutzten Bächen, Kindern mit Hungerbäuchen auf - aber eben auch die von Spendenaufrufen im Fernsehen und auf Plakaten. Von Sina Honnen

Darum und um eine Menge Grundsatzdiskussionen rund um das Thema politische Korrektheit geht es in dem von Ingrid Lausund inszenierten Stück "Benefiz: Jeder rettet einen Afrikaner". Das Publikum in der Gelderner Aula wurde Zeuge einer ambitionierten Probe zu einer Benefizveranstaltung für Kinder in Afrika, genauer gesagt für eine Schule in Guinea-Bissau.

Große Stärke des Stücks: Schon nach wenigen Minuten verschwamm die Grenze zwischen Bühne und Publikum, die Grenze zwischen Aufführung und Realität. Man musste sich zwischenzeitlich daran erinnern, dass die Benefiz-Veranstaltung nicht wirklich gerade stattfand und am Ende nicht wirklich ein Zehner für die afrikanische Schule in die Spendenbox wandern sollte. Das lag nicht zuletzt an der durchweg überzeugend gespielten Rolle der über-engagierten Eva (Lara Christine Schmidt), die hinter beinahe jedem Satz Diskriminierung befürchtete und prinzipiell erstmal alles für "ganz schlimm" befand. Aber auch der Rest des Teams, bestehend aus der stets auf Professionalität pochenden Christine (Christiane Wilke), dem eher rational denkenden Rainer (Mirko Schombert), Eckhard (Christoph Bahr), der vor allem aus christlicher Überzeugung handelt, und Leo (Benedikt Thönes), der eigentlich nur ein bisschen Spaß bei der ganzen Sache haben wollte, überzeugt. So geht es zwischen den Charakteren auch hoch her, als es darum geht, ob die dunkelhäutige Freundin Valeria am Benefiz-Abend dabei sein soll. Aber als was? Macht man sie damit zum Objekt, reduziert sie einzig und allein auf ihre Hautfarbe? Und darf man eigentlich mitlachen, wenn "die Schwarze" selber einen Schwarzen-Witz macht oder versteckt sie sich damit nur hinter der Angst vor Ausgrenzung?

Was diesen Abend zu einem besonderen macht, ist ebenso simpel wie genial: Es passiert nicht viel, aber es geht um alles: Inhalt statt Handlung. Das Zuhören fiel manchmal schwer, vor allem wenn jeder Satz hinterfragt, diskutiert, neu formuliert und wieder hinterfragt wird, aber es hat sich gelohnt: Die Wahrheit ist nicht immer schmackhaft, manchmal ist sie böse, manchmal politisch unkorrekt, aber sie ist eben wahr, echt.

Am Ende werden die verbliebenen Zuschauer (nach der Pause blieben leider einige Plätze leer) mithilfe eines grandiosen Schlussplädoyers mit der Erkenntnis belohnt, dass es nicht darum geht, wie man diese Welt zu einer besseren macht, sondern dass man es tut.

Quelle: RP
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