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Geldern
Immer mehr Unfälle mit schnellen E-Bikes

Geldern. Die Zahl der Elektro-Fahrräder auf den Straßen steigt ständig. Sie bieten ihren Besitzern Mobilität bis ins hohe Alter. Doch das hohe Tempo birgt Gefahren, und zwar auch für Autofahrer. Die Polizei empfiehlt, Vorsicht walten zu lassen. Von L. Krause und S. Zehrfeld

Etwa 35 bis 40 Prozent seiner Kunden sind inzwischen E-Bike- oder Pedelec-Fahrer, schätzt Marcel Beyer, Inhaber des Fachgeschäfts "Gelderner Fahrradprofi". Wenn er von Unfällen erfährt, dann reihen sie sich auffällig oft in ein Muster ein: "Häufig ist es so, dass Autofahrer die Fahrradfahrer unterschätzen", erklärt Beyer. "Der Autofahrer assoziiert mit einer langsamen Tretbewegung ein langsames Fahrradfahren. Das ist beim Elektrofahrrad aber nicht mehr so." Der routinierte Pkw-Führer wird vom flüchtigen Schulterblick getäuscht, und mit Pech landet der Radler auf der Motorhaube.

Marco Elbers vom Verkehrskommissariat der Klever Polizei bestätigt diese Analyse. "Keiner rechnet damit, dass die Oma auf dem Fahrradweg mit einem solchen Tempo radelt", fasst er es salopp in Worte. Denn oft sitzen ältere Menschen im Sattel. Und bei vielen von ihnen kommt ein weiteres Risiko hinzu, dass allein an ihnen selbst liegt: Sie denken nicht an die Gefahren eines Tempos, das sie allein mit Muskelkraft gar nicht erreichen würden.

"Mit dem Alter lässt auch die Reaktionszeit nach, die Geschwindigkeiten sind aber deutlich höhere als mit einem normalen Fahrrad", so Marco Elbers. Bei schnellerer Fahrt seien auch längere Bremszeiten und Bremswege zu bedenken: "Einige überschätzen da ihre Fähigkeiten."

2,5 Millionen der mit Elektromotor unterstützten Fahrräder, landläufig allesamt unterschiedslos "E-Bike" genannt, sollen in diesem Jahr auf den Straßen Deutschlands rollen. Mit den meisten sind Geschwindigkeiten von 25 Stundenkilometern leicht zu erreichen, mit anderen kommt man per Motorkraft sogar auf 45 Stundenkilometer.

Seit Mai zählt die Polizei im Kreis Unfälle, an denen E-Bikes beteiligt waren. 29 Stück sind bislang bekannt geworden. Da aber nicht alle E-Bike-Unfälle gemeldet werden, dürfte die Dunkelziffer hoch sein.

Wer ein E-Bike sicher beherrschen möchte, muss auch seine technischen Eigenarten kennen. So bieten manche Modelle eine Anfahrhilfe, durch die das Rad beim geringsten Druck auf die Pedale beschleunigt. Das kann zum Beispiel an der Ampel zum Unfall führen. Die Verkehrswacht der Polizei hat reagiert und bietet spezielle Kurse für E-Bike-Fahrer und ältere Verkehrsteilnehmer an.

Nach Einschätzung der Fachleute ist es gerade für die E-Bike-Fahrer wichtig, optisch auf sich aufmerksam zu machen. Die Polizei empfiehlt reflektierende Westen und Speichenreflektoren. Diese haben gegenüber den so genannten Katzenaugen den Vorteil, dass sie deutlich auffälliger sind.

"Gerade bei den erreichten Geschwindigkeiten ist das Tragen eines Helmes ratsam", betont Marco Elbers weiter. Was das angeht, haben aber gerade die älteren Radler noch Nachholbedarf, hat Händler Marcel Beyer festgestellt. "Das Sicherheitsbewusstsein ist noch nicht so in den Köpfen drin", so seine Erfahrung. "Kunden, die sich ein bisschen damit beschäftigt haben, greifen auf einen Helm zurück." Aber gerade die Älteren winkten häufig ab. "Wir klären die Kunden über die Risiken auf", versichert Beyer: "Dass es häufig eher am Autofahrer liegt als am Radler, und dass die Verletzungen beim Radler erheblich sind." Trotzdem komme es nicht selten vor, dass Senioren erst dann einen Helm anschaffen, wenn sie am eigenen Leib oder im Bekanntenkreis mitbekommen, wie schnell ein gefährlicher Unfall passiert ist.

Die jüngeren Kunden im Alter bis etwa 45 oder 50 Jahren sind da schon weiter. Von denen fragen etwa zwei Drittel gleich nach dem Helm, schätzt der Fachmann. Das ist von großer Bedeutung, denn während die Senioren bis vor vier oder fünf Jahren die Käuferstatistik dominierten, werden die jüngeren E-Biker jetzt immer mehr. "Ü 30 - das ist der Trend für die kommenden Jahre", sagt Beyer. Ein Grund: "Viele Berufspendler entscheiden sich für ein Elektrofahrrad." Das Stichwort lautet nicht selten "Job-Rad": "Anstatt des Firmenwagens nimmt man ein Firmenfahrrad. Dadurch kommt eine neue Käuferschicht der Jüngeren hinzu."

Polizei und Handel rechnen damit, dass E-Bikes weiter häufiger werden. Die günstigsten Modelle sind schon für einige hundert Euro zu haben, womöglich hat man damit aber nicht gerade die beste Qualität erwischt. Ein gutes Pedelec liegt nach Einschätzung von Händlern im Bereich zwischen 2000 und 2500 Euro. Für 3000 bis 4000 Euro gibt es auch Modelle mit Navi oder Zahnriemen statt Kette.

Zudem setzen sich E-Bikes immer mehr im echten Sportler-Bereich durch, berichtet Marcel Beyer: "Wir verkaufen immer mehr Elektro-Mountain-Bikes." Zum Beispiel an Menschen, die zwar keinen Extremsport betreiben möchten, aber doch abseits befestigter Straßen unterwegs sein wollen.

Quelle: RP
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