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Straelen
Improvisation erweckt "Galiläer"-Stummfilm

Straelen. Der deutsche Passionsfilm wurde in St. Peter und Paul vorgeführt. Die Musikuntermalung wurde vor Ort improvisiert und sorgte für ein faszinierendes Erlebnis, das es in dieser Art nur sehr selten gibt. Von Christoph Kellerbach

Leider hatten sich nur wenige Neugierige am Samstagabend in Straelens Pfarrkirche versammelt. Denn ab 21 Uhr lief etwas ganz Besonderes, das ein viel größeres Publikum verdient hätte. Die "Night Passion", eine Veranstaltung der "Fördergesellschaft St. Peter und Paul", zeigte den Stummfilm "Der Galiläer". Der deutsche Klassiker wurde auf eine extra aufgestellte Leinwand projiziert. Und das gut 45-minütige Werk von Dimitri Buchowetzki wäre selbst schon ein Erlebnis gewesen, doch für den Essener Domorganisten Sebastian Küchler-Blessing und Kantor Otto Maria Krämer war der Stummfilm nur der Ausgangspunkt.

Mit einem Kawai-Flügel sowie einem mobilen Orgeltisch improvisierten die beiden nämlich die gesamte Filmmusik. Buchowetzkis Arbeit, die mit viel Liebe zum Detail kreiert wurde und die letzte Woche im Leben Jesu zeigt, enthält viele wunderbare Bilder und ist natürlich als Stummfilm besonders expressiv. Was aber die zwei Klangkünstler da zauberten und die 30 Besucher an diesem Abend erleben ließen, das war pure Film- und Ton-Magie.

"Wir haben nur kurz zuvor ganz grob über ein mögliches Leitmotiv gesprochen, aber mehr hatten wir vorab auch nicht geplant", verriet Kantor Otto Maria Krämer. "Unser Ansatz war ganz bewusst der, dass wir selber schauen wollten, wohin uns das gemeinsame Erlebnis führte. Eben wie man sich da auf einander einspielt."

Das eigentliche Ergebnis schließlich war umwerfend. Die epische Musikuntermalung wirkte forschend und neugierig. Aber mit kürzeren Sequenzen sowie einzelnen Tönen bei besonderen Stellen schwenkte das Ganze auch immer wieder um und ging mehr in die Richtung eines klassischen Soundtracks. Innerhalb von wenigen Minuten - wenn es überhaupt so lange dauerte - waren die beiden Klangkünstler bestens auf einander eingespielt.

Hochinteressant war, dass sich auch immer mehr düstere Elemente in ihre Töne mischten. Teilweise wirkte die Vertonung wie die eines klassischen Horrorfilms, was aber angesichts von Jesu Qualen durchaus angemessen war. Extrem atmosphärisch, extrem beeindruckend und vor allem extrem sehenswert war die gesamte Vorstellung, die durch das Ambiente der - leider - fast leeren Kirche noch eine zusätzliche Dimension bekam. Denn wenn die Musik anschwoll, sich zerdehnte und ebenso, wie das Schicksal des Gottessohns kaum mehr fassbar war, dann prasselte eine Fülle von Emotionen auf die wenigen Zuhörer in dem großen dunklen Gebäude nieder und lud zum Nachdenken ein. All dies sorgte am Ende der Aufführung für viel Applaus und für die einhellige Meinung, dass dieses Erlebnis "absolut faszinierend" war.

Auch der Essener Domorganist Sebastian Küchler-Blessing selbst war begeistert: "Das Zusammenspiel mit einem kongenialen Improvisator wie Otto Maria Krämer ist immer faszinierend. Was aber beim Begleiten des 'Galiläers' passiert ist, welch überraschenden Impulse und welch identische Ideen es zur gleichen Zeit gab: So etwas habe ich noch nicht erlebt."

Quelle: RP
 
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