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Geldern
Impuls fordert Reform des Sexualstrafgesetzes

Geldern. Die Frauenberatungsstelle möchte, dass nicht das Opfer, sondern der Täter im Mittelpunkt eines Verbrechens steht. Von Sabrina Peters

Die Bilder über die Ereignisse aus der Silvesternacht in Köln gingen um die Welt und sie regten die Debatte über sexualisierte Gewalt neu an. Auch im Kreis Kleve ist dies ein Thema. 25 bis 50 Frauen melden sich jährlich bei der Frauenberatungsstelle Impuls mit Sitz in Goch, Kleve, Geldern und Emmerich, weil sie Opfer eines sexualisierten Gewaltverbrechens geworden sind. "Die meisten von ihnen kannten ihre Täter aus ihrem Umfeld. Nur wenige Opfer und Täter kennen sich nicht, so wie es ja in Köln der Fall war", sagt Maria Peeters von der Frauenberatungsstelle. Noch immer werde aber viel zum Thema geschwiegen. Grund dafür seien unter anderem auch die Gesetzgebungen. Deshalb fordern Peeters und ihre Kollegen eine Reform des Sexualstrafgesetzes.

Derzeit gebe es viele Lücken, die ausgebessert werden müssten, sagt Hildegard Wolff von Impuls. So müsse sich eine Frau körperlich gegenüber sexuellen Angriffen wehren, damit der Täter auch rechtlich belangt werden könne. "Ein einfaches Nein reicht gesetzesmäßig nicht aus", erklärt Wolff. Im Ernstfall sei jedoch nicht mehr jede Frau in der Lage, sich auch körperlich zur Wehr zu setzen. "In so einer Situation handeln die meisten instinktiv. Ist eine Flucht und ein Herauskommen aus der Situation unmöglich, lassen sie die Tat über sich ergehen oder stellen sich tot. Strafrechtlich wird das den Frauen aber angelastet", berichtet Peeters. Erschwerend käme dabei dann noch hinzu, dass Täter oftmals nur anhand einer gynäkologischen Untersuchung bei der Frau unmittelbar nach der Tat überführt werden können. "Viele Frauen empfinden aber eine so große Scham, dass sie sich erst mal zurückziehen und stundenlang duschen", schildert Peeters ihre Erfahrungen. Auch deshalb läge die Dunkelziffer bei sexualisierten Gewalttaten wohl deutlich höher als die tatsächlich zu erfassenden Zahlen.

Nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln hat Justizminister Heiko Maas einen Gesetzesentwurf vorgelegt, über den im März abgestimmt werden soll. Er greift den Aspekt auf, dass wenn Frauen bei einem sexuellen Übergriff nicht in der Lage sind sich zu wehren, es ihnen nicht mehr negativ ausgelegt werden soll. Dies fordern auch die Frauen von Impuls. "Wir wollen, dass nicht mehr das Verhalten des Opfers, sondern das des Täters im Mittelpunkt steht", formuliert Wolff. Mit diesem Gesetzesentwurf sei es daher allein noch nicht getan. Weiterhin sollte sich nicht nur am rechtlichen Ansehen, sondern auch am gesellschaftlichen etwas ändern. Oft kämen aus dem Umfeld der Betroffenen Vorwürfe. "Warum hast du auch so einen kurzen Rock getragen?", heiße einer. Dass sich Frauen dafür rechtfertigen müssen, sei jedoch ein falscher Ansatz, meinen Wolff und Peeters. Bei ihnen können sich Frauen, die Opfer von sexueller Gewalt geworden sind, zu einem Gespräch melden. Ihnen wird dort nicht nur bei der Verarbeitung der Erlebnisse geholfen, sondern auch bei der Frage, wie die Frauen weiter vorgehen sollen.

Quelle: RP
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