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Issum
In der WG mehr Selbstständigkeit leben

Issum: In der WG mehr Selbstständigkeit leben
Gute Stimmung herrscht in der neugegründeten Wohngemeinschaft. FOTO: Gottfried Evers
Issum. Als Ersatz für das Josef-Haus kommt ein neues Gebäude. Einige Bewohner haben eine Wohngemeinschaft gegründet. Von Bianca Mokwa

Die Stimmung ist gut, übersprudelnd. Das könnte daran liegen, dass die vier Leute, die am Tisch sitzen, Feierabend haben oder sich einfach gut verstehen. Weil er als erster zu Hause war, hat Uwe Trompetter schon den Tisch gedeckt und Kaffee gekocht. "Wir sind dann nach und nach eingetrudelt", sagt Claudia Pastowski.

Die Vierer-Wohngemeinschaft gibt es noch nicht so lang. Ein Grund für ihr Entstehen ist der nahende Abriss des St.-Josef-Hauses in Issum. Die Wohneinrichtung mit Menschen für Behinderung der Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein wird demnächst abgebrochen und ein neues Gebäude gebaut. Die vier WG-Leute haben in der Einrichtung an der Kapellener Straße früher eine Rund-um-Betreuung gehabt.

"Was hat sich geändert?", will Betreuerin Sabine Lipperheide nun von Stefanie Weggen wissen. "Alles", sagt die WG-Bewohnerin. Lipperheide will auch wissen, ob Weggen sich das vorher hätte vorstellen können. "Nein", sagt sie. Denn plötzlich ist da die Verantwortung für die eigene Wohnung. "So ein Haushalt ist auch sehr komplex", sagt Kornelia Bäneke. Auch sie ist als Betreuerin regelmäßig zu Besuch in der Vierer-WG.

Warum die vier das nicht alleine schaffen? "Jeder von uns hat eine andere", beginnt Uwe Trompetter den Satz. "Lernschwäche", ergänzt Jens van Royen. Er arbeitet in der Malergruppe, seine Freundin Stefanie Weggen leistet Verpackungsarbeit für die Industrie, Trompetter ist im Bereich Landschaftspflege unterwegs und Claudia Pastowski arbeitet im Bereich Industriemontage, alle bei den Caritaswerkstätten.

Pastowski gefällt die neue Wohnform besonders gut, weil "man hier meine Wünsche erfüllt". Die sind so individuell wie die Bewohner. Im November geht sie mit einer Betreuerin auf einen Schlagerabend mit Thomas Anders. "Ich habe auch den Kopf von dem in Lebensgröße, aber der Körper passt irgendwie nicht dazu." Die Beschreibung des Bettwäschemotivs sorgt am Tisch für jede Menge Heiterkeit.

Kurz darauf wird es wieder praktisch. "Sabine, wer meldet Sperrmüll an?", will Stefanie Weggen wissen. Betreuerin Sabine Lipperheide erklärt sich bereit, die Karte auszufüllen und hält schon Ausschau. "Ich sehe da zwei starke Männer", sagt sie und fixiert die beiden männlichen Bewohner. Uwe Trompetter gähnt demonstrativ und duckt sich weg. Aber nur aus Scherz, denn alle vier wissen, das Leben in der WG ist echte Teamarbeit, und das klappt gut. Auch mit der Nachbarschaft läuft es rund. "Als wir das erste Mal gegrillt haben, hatten wir keine Grillzange", erinnert sich Jens. Die gab es dann von den Nachbarn geschenkt.

Und so geht es weiter: Der Baubeginn des neuen St.-Josef-Hauses ist für Ende März geplant. Die geschätzte Bauzeit beträgt 14 bis 15 Monate. Die Eröffnung ist für Mitte 2019 vorgesehen. Bevor das neue Haus gebaut und alle umgezogen sind, werde das alte auch nicht abgerissen, sagt Issums Pfarrer Stefan Keller. Das Gebäude steht auf dem Gelände, das der katholischen Pfarrgemeinde St. Anna gehört. Was mit der frei werdenden Fläche passieren soll, darüber werde noch beraten, sagt Keller.

Sicher sei: Das bleibt keine freie Fläche mitten im Dorf. Noch nicht sicher ist indes, ob die Kirchengemeinde selbst dort baut oder jemand anderes dieses Gelände nutzen wird.

Quelle: RP
 
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