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Geldern
In Geldern Nachdenkliches vom "Bernsteyn-Trio"

Geldern. "Hüsch, Sie Ross, setzen!" - mit diesen Worten schloss einst der Mathematik-Lehrer Hanns Dieter Hüschs die vollgeschriebene Tafel mit willkürlich zusammengetragenen Formeln des jungen angehenden Poeten. Er hätte auch Musiker werden können, bekannte Hüsch später im Interview.

Diese und andere anekdotische Erlebnisse aus dem Leben des bekannten "Propheten vom Niederrhein" rezitierte Ute Bernstein einfühlsam und mit einem gewissen Respekt in ihrem Hüsch-Programm in der Heilig-Geist-Kirche in Geldern. Sie gehört zum "Bernsteyn-Trio", das jetzt in der Herzogstadt gastierte.

Rund 200 Zuschauer hatten sich an diesem Oktoberabend eingefunden, um den erstaunlich aktuellen, nachdenklich stimmenden Texten über die Jugend, über Ausgrenzung und Verfolgung zu lauschen, stimmungsvoll untermalt von den Klängen der osteuropäischen, jiddischen Musik, die mal schwermütig und leise erklang, dann wieder laut und schwungvoll wurde. Den Spannungsbogen zwischen ernst und humorvoll, zwischen tiefgründig und leicht spannten die Musiker des "Bernsteyn-Trios": Ute Bernstein virtuos an der Violine, dem klassischen Instrument der osteuropäischen Juden, der Akkordeonist Peter Hohlweger, eher sentimental und in sich gekehrt im Spiel, und der Gitarrist Achim Lüdecke, der auch die hintergründigen, manchmal wehmütigen Balladen sang. Diese Mischung aus Sehnsucht, Wehmut und Freude ergab eine berührende Stimmungslage, noch verstärkt durch eine ansprechende farbig wechselnde Lichttechnik im Kirchenraum von Seiten des Kunstvereins Gelderland.

In dieser Gemengelage wollte man gerne dem "akustischen Lyriker" oder dem "optischen Komiker" Hüsch, wie er selbst von sich sagte, glauben, wenn er sagte: "Ich setze auf die Liebe, Schluss."

(ct)
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