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Geldern
In Geldern unverpackt einkaufen

Geldern: In Geldern unverpackt einkaufen
Noch räumt Annett Schendel die Regale ein. Ab Samstag, 2. Dezember, kann man dann täglich bei „Lieber unverpackt“ in der Glockengasse 1 einkaufen. FOTO: bimo
Geldern. Annett Schendel wagt mit dem Laden in der Glockengasse 1 den Schritt in die Selbstständigkeit. Von der Holzzahnbürste bis zum regionalen Gemüse gibt es alles. Kleines Bistro lädt zum Verweilen ein. Am 2. Dezember geht es los. Von Bianca Mokwa

Wer bei Annett Schendel einkauft, der braucht zu Hause nicht mehr viel auspacken. Wer mag, kann seine Zuckerdose mitbringen und sie einfach im Laden in der Glockengasse 1 auffüllen lassen, den Salzstreuer auch. Plastikmüll? Fehlanzeige. Denn das ist das Prinzip von "Lieber unverpackt". Auch das Behältnis für Spaghetti kann einfach mitgebracht werden. Das wird gewogen und am Ende bezahlt der Kunde nur die Ware, also die losen Spaghetti.

Die Idee ist nicht neu. In Großstädten gibt es sie schon länger, Unverpackt-Läden am Niederrhein jedoch noch nicht. Das will die vierfache Mutter Annett Schendel nun ändern und ging bei Marie Delaperrière in die Schule. In Kiel besuchte sie einen Kursus der Unverpackt-Ideenvorantreiberin. Zeitgleich arbeitete Annett Schendel an dem eigenen Businessplan. Weil sie aus Kempen kommt, schaute sie sich zuerst dort nach einem geeigneten Ladenlokal um. Aber irgendwie fand sich nichts Passendes - entweder fehlte das Lager oder die Küche. Denn ein kleines Frühstück und Mittagessen möchte die Unternehmerin auch anbieten.

Die Hoffnung auf ein eigenes Ladenlokal hatte sie schon fast aufgegeben, als ihr Mann von dem Ausprobier-Kaufhaus (Retail Lab) in Geldern hörte. Junge Unternehmer erhalten im großzügigen Gebäude auf der Glockengasse 1 eine Chance, sich auszuprobieren. Vor den Sommerferien erfuhr die Kempenerin von dem Angebot, und so kommt der erste Unverpackt-Laden des Niederrheins nach Geldern.

Auch zu Hause versucht Annett Schendel den plastikfreien Alltag zu leben. Wasser kommt aus Glasflaschen auf den Tisch, Shampoo gibt es bei ihnen in Seifenform statt in der Plastikverpackung. "Durch den Laden kann ich noch viel mehr verwirklichen", schwärmt die Unternehmerin. Zum Beispiel wird es in ihrem Laden Lippenbalsam geben, der in Metalldöschen gefüllt werden kann. Was sie antreibt, sind ihre Kinder, im Alter von 22, 20, 16 und zehn Jahren. "Ich möchte ihnen eine Umwelt hinterlassen, die genauso erträglich war, wie für mich", sagt die vierfache Mutter. "Ich bin aber niemand, der einem etwas aufzwingen will. Ich habe es für mich so entschieden und für meine Kinder", betont die Unternehmerin.

70 Prozent der Produkte in ihrem Laden sind bio, nicht unbedingt alles an Obst und Gemüse, dafür stammt es aber aus der Region. "Man weiß, wo es herkommt, und das finde ich wichtig", sagt sie ganz pragmatisch. Wie ist es denn mit den Preisen? Ist unverpackt teurer? "Nein", lautet ihre Antwort, und sie blättert durch ihre Bestellliste. Die Bio-Vollkornnudeln kosten zum Beispiel 1,51 Euro das Pfund. Ein Kilo Weizen kostet 1,07 Euro. "Das Korn", sagt die Unternehmerin. Im Laden kann man sich das Korn dann frisch mahlen lassen.

Im Geschäft gibt es auch Alltagsgegenstände aus Olivenholz und auch Süßigkeiten. Neben Bio-Schokolade gehören dazu auch Husten- und Lutschbonbons. "Nichts Überkandideltes", stellt Annett Schendel klar.

Ihr Laden ist einfach eine bodenständige Alternative zum konventionellen Einkauf. Übrigens, wer keine Behältnisse zum Unverpackt-Einkaufen zu Hause hat, der bekommt sie natürlich auch im Laden selbst.

Quelle: RP
 
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