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Wachtendonk
Ingo Oschmann über Bandsalat und Bömmel

Wachtendonk. Auf Einladung des Kulturkreises Wachtendonk gastierte Ingo Oschmann im Bürgerhaus "Altes Kloster". Schlicht und ergreifend "Wunderbar - es ist ja so" nennt er sein Programm und traf mit dieser Empfindung den Nerv der Zeit und des Publikums. Das war begeistert von der äußerst amüsanten Zeitreise in die 80er Jahre des selbst ernannten "dicken George Clooney der Comedy" aus Bielefeld, der sogar fantastisch zaubern konnte.

Oschmann sieht sich als Orchesterleiter in einem Konzert, in dem die Zuschauer die Musik machen. Diese Musik bestand aus den Lieblingsgeräuschen jedes Künstlers: begeisterten Zwischenrufen, anerkennenden Pfiffen und starkem Applaus. Stand-up-Comedy war auch seine spontane Reaktion auf eine umgefallene Flasche: "War wohl eine Kontaktlinse." Oschmann erzählte aus seinem Leben von Sachen, die ihm wichtig sind, etwa das "Draußensein" nicht nur für Kinder. Gemeinsames Spielen und Bewegen schaffe soziale Kompetenz. "Ich war früher ein sogenannter Zappelphilipp. Heute sind solche Kinder ADHSler und werden mit Ritalin ruhiggestellt, von dem man noch nicht weiß, welche Spätfolgen es haben kann." Damals gab es Vorbilder mit Werten wie Mc Gyver und Knight Rider. Heute begeistern sich junge Leute für Bushido, was eher nach Geschlechtskrankheit klingt. Um seiner Freundin zu imponieren, hat Klein Ingo Jazztanz erlernt, den er in Leggings und Stulpen dem Publikum mit ulkigen Verrenkungen vorführte. Seine früh erlernten Elternsprüche konnten die Zuschauer mitsprechen: "So lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst" oder "Iss den Teller leer, sonst regnet es morgen."

Oschmann suchte die Nähe zum Publikum und mischte sich auch in der Pause unters Volk. Er ließ sich die Titel der ersten Langspielplatten zurufen und führte mit einem Handtuch übers Headset gezogen den Ton und das Anspiel-Knacken der Plattennadel vor. Einem 20-Jährigen in der ersten Reihe, der sich heute per Whatsapp verabredet, wollte Oschmann Kassettenrekorder, Bandsalat und Postkarte erklären. Das einzige was früher "Onlein" war, war die Wäsche seiner Oma. Und Apps, also Applikationen, waren früher so Bömmelchen an der Jacke.

Oschmann setzt auf Werte, freut sich über die Zeit, die das Publikum ihm schenkt, hält Kochen für sichtbar gemachte Liebe und gibt eine Antwort auf die Frage: "Was brauchen wir, um glücklich zu sein? Menschen, die wir und die uns lieben."

Dieser wortreiche, magische Abend wurde um zwei großartige Zugaben ergänzt, die vom Publikum noch einmal mit viel Applaus belohnt wurden.

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