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Gelderland
Initiative Tierwohl in den Startlöchern

Gelderland: Initiative Tierwohl in den Startlöchern
Heinz Lax, der Vorsitzende der Kreisbauernschaft im Südkreis, hat 270 Sauen in seinen Ställen stehen. Er unterstützt die neue Initiative. FOTO: gerhard seybert
Gelderland. Ab 1. April können sich Schweine- und Geflügelaufzuchtbetriebe anmelden. Einhaltung von Vorgaben ist Voraussetzung. Im Gegenzug zahlt der Handel in einen Fonds ein, aus dem alle Mitglieder "belohnt" werden. Kritik am Konzept. Von Christian Cadel

Die konventionelle Fleischindustrie ist seit Jahren mit dem Vorwurf konfrontiert, das Wohl der Tiere hintenan zu stellen. Jüngstes Beispiel sind Berichte über ein "Schweinehochhaus" in Ostdeutschland, in dem viele Tiere unter katastrophalen Verhältnissen leben. Doch Händler, vor allem die großen Lebensmittelketten, wollen sich dem Negativ-Image entgegenstellen, gleichzeitig Anreize für Landwirte setzen. Sie haben deshalb die Initiative Tierwohl ins Leben gerufen. Ab 1. April können sich Schweine- und Geflügelaufzuchtbetriebe anmelden und Teil der Initiative werden. Wenn bestimmte Vorgaben erfüllt werden, erhalten sie aus einem Fonds, in den der Handel pro verkauftem Kilo Fleisch einen bestimmten Cent-Betrag einzahlt, Zulagen. Ob und wie hoch die Umlage auf die Endverbraucher ist, kann noch niemand genau sagen.

Heinz Lax, Wachtendonker Schweinezüchter und Vorsitzender der Kreisbauernschaft Geldern, will den neuen Vorstoß unterstützen. In seinem mittelgroßen Betrieb hält er 270 Sauen. "Wer sich anmeldet, muss ein Vorgabenpaket erfüllen. Dafür gibt es 500 Euro pro Jahr", erklärt er. Zum Standardpaket Sauenhaltung gehören unter anderem eine Trinkwasserüberprüfung, ein Stallklima-Check sowie die Teilnahme am QS-Überprüfungssystem. Auf mindestens 1,5 Prozent der Stallfläche muss Tageslicht eindringen können. Für die Kosten kommen die Züchter selbst auf. Mit der Zulage von 500 Euro werden voraussichtlich lediglich die Unkosten gedeckt. Womit Lax Geld verdienen kann, sind die Zusatzvorgaben, aus denen sich die Betriebe einige heraussuchen können. Lax will die Punkte "Raufutter und organisches Nestbaumaterial" sowie die Vergrößerung der Stallfläche um zehn Prozent umsetzen.

"Ich hatte schon immer vor, Veränderungen anzugehen. Derzeit testen wir Nestbaumaterial und Spielzeug für die Sauen", erklärt er. Seine Tochter forscht gerade auf diesem Gebiet, schreibt ihre Bachelor-Arbeit zum Thema Nestbaumaterial und bringt in Zukunft neue Impulse auf den Lax-Hof. Wer sich der Initiative anschließt, muss sich allerdings für drei Jahre verpflichten und bekommt einmal jährlich Besuch der sogenannten Auditoren, die die Einhaltung der Vorgaben überprüfen.

Große Gewinne erwartet Lax nicht. Der Handel zahlt beispielsweise pro Kilo Schweinefleisch vier Cent in den Fond. Die Zusatzvorgaben bringen weniger als einen Euro pro Tier ein. "Viele Kollegen befürchten, dass es ein Nullsummenspiel für sie wird. Aber ich sehe auch Vorteile. Wenn ich Maßnahmen für das Wohl meiner Tiere ergreife, habe ich später weniger kranke Tiere und somit auch weniger Behandlungskosten", rechnet der Wachtendonker vor.

Der Deutsche Tierschutzbund und die Verbraucherzentralen sehen die Initiative zwar als guten Ansatz, der jedoch nicht ausgereift sei. Auch Bruno Jöbkes, Mitglied im NRW-Landesvorstand von Bündnis90/Die Grünen und in der Geschäftsleitung der Wachtendonker Bio-Schlachterei Thönes tätig, sieht das ähnlich. "Ein positiver Punkt ist, dass Bewegung in Sachen Tierwohl kommt. Allerdings ist die Initiative zu kurz gedacht. Es gibt beispielsweise keine Kennzeichnung im Handel." Der Kunde könne so nicht erkennen, ob das Fleisch aus Initiativ-Betrieben komme.

Auch der Fonds sei nicht gut durchdacht, findet Jöbkes. Landwirte, die größere Umbaumaßnahmen vornehmen müssten, würden am Ende vielleicht sogar draufzahlen. Dennoch, stellt der Grüne fest, sei die Landwirtschaft durch die Initiative in Bewegung geraten, sich über das Tierwohl Gedanken zu machen.

Heinz Lax ist trotz einiger Zweifel entschlossen, in den kommenden Tagen die Anmeldeformulare einzureichen. "Wenn ein Viertel aller deutschen Betriebe mitmacht, wäre das schon ein Erfolg."

Quelle: RP
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