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Straelen
Innovation im Kampf gegen Plastikmüll

Straelen: Innovation im Kampf gegen Plastikmüll
Hans Gerd Cox und Tochter Danja freuen sich über den Innovations-Preis, der ihnen auf der Hortivation in Essen verliehen worden ist. Damit lässt sich künftig Plastikmüll reduzieren. FOTO: Rainer Schimm/Messe Essen
Straelen. Das Heronger Unternehmen Gebrüder Cox ist jetzt auf der Hortivation in Essen ausgezeichnet worden. Es verpackt Kräuter alternativ. Ende des Jahres geht es in die Vermarktung, auch in Märkten und Gartencenter am Niederrhein. Von Bianca Mokwa

Es ist provokant und nicht zu übersehen. "Schnauze voll" prangt in großen Buchstaben auf der Verpackung. Zu mutig, um eine Kräuterpflanze zu vermarkten? Hans Gerd Cox vom gleichnamigen Unternehmen in Herongen schüttelt den Kopf. "Zu frech, zu unpassend für eine Pflanze", ja, das habe er schon einmal gehört. "Das Freche, das finden wir gerade gut und gehen davon auch nicht weg", sagt der Geschäftsführer. Außerdem hat dieses "Schnauze voll" durchaus seine Berechtigung und eine gewisse Doppeldeutigkeit. "Manchmal hat man die Schnauze voll, wenn etwas zu viel ist", erklärt er und meint damit Plastikmüll. Die Kräuterpflanzen, die das Heronger Unternehmen vermarktet, sind nicht nur biologisch kultiviert, sondern auch plastikfrei verpackt. Die Papiertüte hat einen ausgesparten Mund, aus dem die Pflanze herausragt. Die Katze oder Gestalt, die auf der Tüte abgebildet ist, hat also nicht nur sprichwörtlich "die Schnauze voll" Kräuter. "Es verdeutlicht zudem, dass es sich um ein essbares Produkt handelt", erklärt Cox.

Die Idee zu der ungewöhnlichen Verpackung ist gemeinsam mit einer Düsseldorfer Werbeagentur entstanden. Mit der arbeitet das in Herongen ansässige Vermarktungsunternehmen Cox seit 15 Jahren zusammen. Die Kräuter kommen aus mehreren Betrieben aus der Region. Ende des Jahres sollen die Kräuter im neuen, frechen Gewand auf den Markt kommen, auch in Lebensmittelmärkte am Niederrhein. Eine der ersten werden Edeka Brüggemeier und das Gartencenter Breuer sein.

Statt in Plastik steckt die Kräuterpflanze in einem biologisch zersetzbarem Topf aus Naturfaser und einer Papiertüte. Auch die Pflanzentrays, in denen die Kräutertöpfe geliefert werden, sind aus Pappe, nicht aus Plastik. Der Topf und die Tüte sind etwas teurer als die übliche Plastikverpackung. "Wir sprechen von einigen Cent in der Beschaffung und im Handling", sagt Cox. "Es gibt keinen Grund, dass man auf Plastik nicht verzichten könnte, zumindest in der Kräuterthematik." Und die boomt aktuell, sagt der Unternehmer. Er weiß, dass es in anderen Bereichen der Grünen Branche durchaus schwieriger sein dürfte von langlebigen Plastiktöpfe auf Alternativen umzusteigen.

"Mit unserem Konzept werden wir das Problem Plastikmüll nicht lösen, aber wir können ein Zeichen setzen", ist Cox überzeugt. Und das hört für ihn nicht an der Schwelle seines Unternehmens auf, sondern geht zu Hause weiter. "Ich fahre ein Hybridauto und achte beim Einkauf darauf, so wenig Plastik wie möglich einzupacken. "Null-Plastik, die Aufgabe ist schwierig genug, aber wir müssen an neuen Lösungen arbeiten, die praktikabel sind."

Mut und Kreativität wurden auf der Fachmesse der Grünen Branche, der Hortivation in Essen, mit dem Innovationspreis des Deutschen Blumen-Groß- und Importhandels (BGI) ausgezeichnet. "Wir haben uns riesig gefreut, vor allem weil wir selber so viel Spaß haben an dem Konzept", sagt Cox. Seine Tochter Danja hat ihn begleitet. Sie hat eine Bachelorarbeit über die Generation der 18- bis 38-Jährigen verfasst und deren Kaufverhalten gegenüber "grünen Produkten" analysiert. "Junge Leute auf die Blume zu bringen, das finde ich schon spannend", sagt der Unternehmer und Familienvater. "Wir versuchen, die Meinungen der jungen Leute bei der Vermarktung mit zu berücksichtigen." Aber darauf habe aktuell die ganze Branche ein Auge, es gehe darum, dass die Produkte mehr sexy werden. "Ein Beitrag ist ,Schnauze voll', da bin ich mir sicher", sagt Cox.

Quelle: RP
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