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Issum
Issums Mühle dreht sich kinderleicht

Issum: Issums Mühle dreht sich kinderleicht
Die Mitglieder vom Mühlenverein sehen Melissa beim Kurbeln am neuen Handgetriebe zu. FOTO: Gerhard Seybert
Issum. Eine eigens konstruierte Handkurbel sorgt dafür, dass nur noch wenig Muskelkraft nötig ist, um die 15 Tonnen Schwere Turmhaube zu drehen. Ab Sonntag beginnt wieder die Saison. Neugierige Besucher und tatkräftige Helfer erwünscht. Von Bianca Mokwa

Wofür sonst vier starke Männer ihre Muskeln spielen lassen mussten, das ist nun kinderleicht geworden. Eine Handkurbel sorgt dafür, dass sich die 15 Tonnen schwere Turmhaube der Issumer Herrlichkeitsmühle in den Wind drehen lässt.

Bisher wurde der Aufwand mit viel Muskelkraft bewältigt. Paul Koenen weist auf die Haspel hin, die nun nutzlos auf dem Boden liegt. Die "Haspel": In deren Speichen wurde gegriffen. "Wie bei einem Segelschiff, wenn zum Beispiel das Großsegel aufgezogen wurde oder der Anker gelichtet", zieht Koenen den Vergleich. "Haste Wind, haste keine Männer, haste Männer, haste keinen Wind", fasst Jochen Porbeck vom Förderverein der Herrlichkeitsmühle das Problem der Vergangenheit zusammen.

Das ist das Stichwort für Paul Koenen. Der Maschinenbauingenieur aus Hüls hat die Herausforderung angenommen. "Ich habe ein paar Berechnungen angestrengt, und siehe da, man braucht nur noch sieben Kilo, um die 15 Tonnen schwere Haube zu bewegen", nennt er das Ergebnis seiner Zeichnungen, die nun umgesetzt wurden. "Krühwerk" nennt sich der Mechanismus in der Fachsprache. "Krühen heißt, die Kappe drehen", erklärt Koenen. Gedreht wird, um die Flügel in den Wind zu stellen.

"Wenn sich die Flügel drehen, dann kommen auch die Menschen", sagt Porbeck. Aber die sich drehenden Mühlenflügel sind mehr als nur eine touristische Attraktion. sie sind nötig, weil in der Issumer Herrlichkeitsmühle immer noch Mehl gemahlen wird.

Jochen Porbeck geht in das Innere der Mühle. Es gibt zwei Mahlwerke, ein elektrisches und eines, das von Windkraft angetrieben wird. "Optimal ist Windstärke vier", erklärt Porbeck.

Er sieht aus einem der kleinen Fenster. Es ist kaum ein Lüftchen zu spüren. "Das würde aber auch schon reichen", stellt er fachmännisch fest. Bevor die Haube mit den Flügeln in den Wind gestellt wird, müssen die Flügel erst einmal bespannt werden. Das geschieht alles in Handarbeit. "Wenn zwei Leute auf den Flügeln stehen, dann haben wir schon mehr als 120 Lebensjahre zusammen", spielt Porbeck auf das Alter der Ehrenamtlichen an. Er ist 65 Jahre alt, Konstrukteur Koenen 75 Jahre. "Wir suchen noch junge Leute, die in der Lage sind, körperlich mitzuarbeiten und nicht nur alles im Leben per App machen", wirbt Porbeck. "Wir sind ein lebendiger Verein. Das macht Laune."

Außerdem habe man im Laufe der Jahre so viel Know-How angehäuft, das man gerne weitergeben wolle. Also nicht nur die Muskeln kommen beim Bespannen der Flügel zum Einsatz, sondern auch der Kopf wird angestrengt, angesichts der verschiedenartigen Technik, die in der Mühle ihren Platz hat.

Koenen beugt sich über den Bauplan des neuen Krühwerks. Auf dem Rechenpapier sind die akkuraten Zeichnungen mit Zahlen versehen. Wer dem Hülser zuhört, der taucht in die wunderbare Welt der Mechanik ein. Er sieht den Nutzen der Mühle weniger romantisch-verklärt, sondern ganz praktisch. "So eine Mühle ist natürlich auch eine Arbeitsmaschine, die das Mahlen des Korns mechanisch erleichtert", sagt Koenen.

Jetzt hat die Mühlensaison wieder begonnen. Die Herrlichkeitsmühle kann besucht, frisch gemahlenes Mehl gekauft oder als Kuchen gekostet werden. "Neugierige Besucher sind mir die allerliebsten", sagt Koenen und lacht verschmitzt. Und auch bei Jochen Porbeck ist dieses Strahlen in den Augen, wenn er von der Funktionsweise der Mühle erzählt.

Dieses Stück Technik. "Das isset", stellt er begeistert für sich fest und hofft, dass sich noch viele davon anstecken lassen.

Quelle: RP
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