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Gelderland
Jäger sicher: Die Katzenplage kommt

Gelderland: Jäger sicher: Die Katzenplage kommt
Jäger Gerhard Thomas FOTO: eve
Gelderland. Der Gesetzentwurf für ein neues "ökologisches Jagdgesetz" sieht vor, dass keine verwilderten Katzen mehr abgeschossen werden dürfen. Aus Sicht der Jäger wird dann die Population rasant ansteigen. Andere Tiere bedroht. Von Peter Janssen

Katzen werden zu einer Plage. Da sind sich mehrere Förster aus der Region einig. Grund dafür ist, dass das neue "ökologische Jagdgesetz" von Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) am 1. Juli 2015 rechtskräftig werden soll. Dies besagt unter anderem, dass keine wildernden Katzen mehr abgeschossen werden dürfen. Bisher war dies erlaubt, wenn sich die Tiere mehr als 200 Meter von einem bewohnten Gebäude aufhielten.

Gerhard Thomas, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Kleve, hat im Rahmen des Arbeitskreises Jagd und Naturschutz an den Beratungen für das neue Gesetz teilgenommen. "Probleme bereiten die verwilderten Katzen, da sie in der Natur Schäden anrichten. Wildtiere sind bedroht und auch an Nestern von geschützten Vögeln laufen sie nicht vorbei." Die Population dieser Katzen sei bereits jetzt zu hoch, so Thomas, der ergänzt: "Wenn man nicht eingreift, in welcher Form auch immer, werden sich die Tiere völlig unkontrolliert vermehren und zu einer Plage werden."

Auch für Stephan Spinner, Revierförster und Hegeringleiter bei der Kreisjägerschaft Kleve, wird das neue Gesetz zu einer Katzenschwemme führen. Doch sind für ihn nicht allein die streunenden Katzen ein Problem: "Man findet vermehrt Tiere im Wald, die dort nicht hingehören. Und zwar auffällig häufig in den Ferienzeiten. In dieser Phase kommt so ein Tier schon mal ungelegen." Ein deutlicher Hinweis, wo das Tier hingehört, ist für den Förster der Name: "Sie heißt Hauskatze und nicht Feld- oder Waldkatze."

Die Erfahrung, dass Hauskatzen Besitzern lästig werden, machte auch die Tierärztin Dr. Josefine Starke. Abends klingelte es bei ihr Sturm. Die Medizinerin schaute nach, sah aber niemanden. Am nächsten Tag wusste sie, warum der Besuch in der Dämmerung gekommen war: Vor ihrer Praxistür stand eine Transportbox, in der zwei Katzen saßen. Starke, die Präsidentin der Tierärztekammer Nordrhein ist, kennt diese Fälle: "Das Aussetzen von Tieren nimmt zu. Doch wissen nur wenige, dass es sich dabei um einen Straftatbestand handelt", sagt die Veterenärin.

Laut Tierschutzgesetz muss jeder, der vorsätzlich oder fahrlässig ein Tier aussetzt, mit einer Geldbuße von bis zu 25 000 Euro rechnen. Nach Ansicht von Starke gibt es zu viele Hauskatzen, deren Besitzer nicht in der Lage sind, diese tiergerecht zu halten. Zumindest hat sie für die Katzen vor ihrer Tür ein neues Zuhause gefunden. Hermann-Josef Windeln, Mitarbeiter der Nabu-Ortsgruppe Issum-Geldern, sieht das Problem der verwilderten Katzen zumindest aktuell nicht: "In den Vogelflächen habe ich bisher noch keine beobachtet." Dabei kann sich Windeln auch auf den hiesigen Tierschutzverein verlassen, der vernünftig sei und keine verwilderten Katzen füttere, so dass die Population explodiert. Sollte sich die Samtpfoten allerdings durch das neue Gesetz rasant vermehren, sieht er vor allem die Eidechsen gefährdet, die es dann nicht mehr in hiesigen Gefilden geben würde. Eine abschließende Beurteilung über die Auswirkungen des Gesetzes will er aber noch nicht vornehmen.

Einer, der das macht, ist der Kranenburger Hegeringleiter Werner Linderoth. "Man wundert sich bereits jetzt, wie viele Katzen unterwegs sind", sagt Linderoth. Die Folgen seien: Jungvögel würden gerissen, Nester ausgeraubt, Hasen und Bodenbrüter seien bedroht. "Die Tiere werden zu Raubkatzen", sagt Linderoth, der von einem Bürger weiß, der teilweise mehr als 40 Katzen auf seinem Grundstück hielt. Zumindest hier und in der Nachbarschaft ist die Katzenplage bereits angekommen.

Quelle: RP
 
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